- Logbuch der Nordstern -
Im Hafen von Havena - Teil 4 - (Von Siegern und Verlierern) - 30. Efferd, 28 n.H.
IN HAVENA - In Immanstadion: Wundersame Weltenwanderung - Radisar
Ihm ist, als würden viele Stein schwere Lasten von seinem Brustkorb genommen werden und es kommt ihn vor, als könne er zum erstenmal seit vielen Götterläufen wieder frei atmen. Seine Schritte sind leicht und federnd, doch worauf läuft er im Augenblick eigentlich. Da ist nirgendwo Materie, nur ein dunkles Nichts, diese lichten, kleinen, geflügelten Gestalten und das wunderbar ausgeleuchtet Tor, das sich vor ihm auftut und mit der ganzen Macht seiner Schönheit lockt, es zu durchschreiten.
Doch man muß Radisar nicht lange locken, Schritt für Schritt bewegt er sich dorthin. Er fühlt sich unbeschwert und frei und auch die Frage, auf welchem Weg er nun gehe, welcher Pfad ihn da trägt, kann ihn nicht lange bedrücken.
Doch in einem ist er schon neugierig geworden.
"Woher kennt ihr mich und warum seid ihr so freundlich zu mir!"
Radisar hört nur nur lautes, helles, silbern klingendes Lachen um sich herum. Das Lachen klingt nicht hämisch, nein, die Geflügelten lachen ihn nicht aus. Es ist ein warmherziges Lachen, ein gutmütiges Lachen, eine Art mildes Lachen, dass man einem Kind entgegen bringen würde, wenn es im Überschwang der Gefühle etwas Törichtes gemacht hat.
"Ach, kleiner Radisar ..." erklären die strahlenden Wesen und Radisar fragt sich nun langsam ernsthaft, mit welchem Recht ihn diese winzigen Geschöpfe fortwährend einen Kleinen nennen " ...du bist uns kein unbekannter, wir warten schon lange auf dich, du bist unser Prinz!"
"EUER PRINZ!" fragt Radisar erstaunt und erschrocken zurück "Ich habe doch wirklich nichts Edles oder Erhabenes an mir, wieso nennt ihr mich einen Prinzen? Ist dies eine neue Art der Verhöhnung?"
"Nein, nein!" antworten die Geflügelten schnell "Du bist in der Tat unser Prinz und ehe du dich selbst weiter erniedrigst, sieh lieber erst einmal her!"
Nach diesen Worten teilt sich vor ihm die Finsternis und färbt eine große Fläche füllt sich silbern. So ist vor Radisars Augen ein Spiegel aus dem Nichts gewachsen. Zögernd tritt der kleine Diener näher. Und er sieht die leuchtende Farbenpracht der kleinen geflügelten Mädchen und ... sich selbst!
Aber was ist geschehen. Nicht das Bildnis eines kleinen, feisten Mann's, mit einer ewig schwitzenden Glatze und in geduckter Haltung offenbart sich ihm da, sondern ein aufrechter, starker Mann, mit kantigen Gesichtszügen und vollem, lockigem Haar.
Eine kleine Freudenträne rinnt an Radisars Wange herab, es ist einfach zu schön um wahr zu sein. Er wischt sich die Träne vom Gesicht und ebenso tut es der Edle ihm gegenüber. Es scheint also kein Trugbild zu sein, es ist wirklich ein Spiegelbild.
Ein gelb leuchtendes Wesen schwirrt ihm nun vor das Gesicht. Radisar kann kleine, zarte Körperumrisse erkennen, diese Mädchen scheinen wirklich lediglich mit Licht bekleidet zu sein. SIe lächelt ihn lieb an und fragt mit süßer Stimme:
"Nun, kleiner Radisar, willst du unser Prinz sein?"
Und Radisar nickt.
"Wie kann das denn funktionieren?" fragt Radisar die geflügelten Mädchen "Ich sehe keinen Weg, da ist nirgendwo ein Untergrund, so, als ob ich im Leere laufen würde. Un doch spüre ich jeden meiner Schritte. Wie kann das sein?"
Die kleinen, geflügelten Wesen lachen und kichern, so, als ob Radisar jetzt etwas ganz Dummes gesagt hätte. Ein kleines, violett strahlendes Wesen schwirrt vor das Gesicht Radisar und erklärt ihm mit sanfter, geduldiger Stimme, so wie eine Mutter einem verstockten Kinde zureden würde:
"Es sind deine Erinnerungen, mein Prinz, auf Dere wart ihr es gewohnt euch flach und gebunden fort zu bewegen. Hier beginnt eine andere Welt. Sie ist groß in alle Richtungen, doch mag es dem Prinzen anstehen sich dorthin zu begeben, wo immer er hin möchte. Und wenn du deinen Weg fühlen möchtest, dann fühle ihn doch einfach. Und wenn du deinen Weg sehen möchtest, dann mache dir ein Bild davon. Du bist der Prinz, du bist der Herr und du gebietest. Brauchst du einen Horizont, so denkt euch einen aus und er wird wahrhaftig für euch sein!"
Radisar wird nachdenklich. Noch nie hat er über seinen Weg bestimmen dürfen und doch ist er jeden Weg gerne gegangen. Warum sollte er sich also jetzt und hier Gedanken machen? Aber es macht Spaß seinen Weg bestimmen zu dürfen, ihn sichtbar und berechenbar zu machen. Radisar räuspert sich:
"Ein Weg? Nun gut ... er sei!"
Und mit diesem Wort sieht Radisar seinen Weg zu dem strahlend hellen Tor hin. Der Weg ist gewunden zu zahllosen Kurven und Wendungen. Nun, ein bißchen geradliniger hätte Radisar sich 'seinen' Weg schon vorgestellt.
Das sagt das gelbe Lichtwesen, fast mit einer Spur Mitleid in der Stimme:
"Ich sehen schon, ihr seid noch nie den gerade Weg gegangen, auch auf Dere nicht ...!"
So richtig zufrieden ist Radisar nun nicht mehr, die Wegführung befriedigt ihn nicht. Und so versinkt er erneut in Konzentration ... und siehe da ... der Weg streckt sich und wird zu einer gerade Linie. Doch was ist das? Kurz vor dem Tor der Helligkeit befindet sich eine Kreuzung, bei der sich der Weg in zahllose Nebenarme verteilt.
"Das sind wahrhafte Knotenpunkte, mein Prinz, einem Herrscher euerem Formats würdig, da wird wohl noch eine schwere Entscheidung fallen müssen!" erklärt das violette Wesen.
Die Grüne und die Rote kommen herbei geschwirrt und rufen laut:
"Sing das Lob des Prinzen!"
Und sogleich ertönt ein heller, wohltönender Gesang, der sich wie ein Mantel der Zufriedenheit über Radisars Seele hüllt. Sofort vergißt er alle seine Bedenken. Wozu braucht er einen sichtbaren Weg, wenn ihm doch alles vorbestimmt zu sein scheint. Das Kommende wird herrlich und schön werden. Warum sich also weiter sträuben?
Der Weg verblasst und schon bald da nichts mehr, als ein strahlendes Tor, ein buntes Geschwirre kleiner, geflügelter Wesen ... und Radisar, umrandet von einem Nichts, dass nicht Angst und Not verheißt, sondern Ruhe in Sorglosigkeit.
"Gehn wir also!" spricht Radisar.
IN HAVENA - In Immanstadion: Heiler auf der Ehrentribüne - Reckinde
Besorgt setzt Lhyrian von Schwanental die Untersuchung des Dieners fort, um sich dann schließlich ein wenig zu erheben, und in Richtung der Freifrau und ihres männlichen Begleiters zu sagen:
"Es ist ein merkwürdiger Fall. Wie ich schon sagte, körperlich fehlt ihm wenig, es wäre für ihn wohl nicht schwer, wieder zu uns zurückzukehren. Nur... da ist etwas, dass das verhindert."
Er hält an dieser Stelle inne, da er sich nicht wirklich sicher ist, ob das , was sich als Vermutung in seine Gedanken drängt, so wirklich zutrifft, und weil er sich noch unsicherer ist, ob er das so auch aussprechen kann vor diesen Leuten.
So beugt er sich wieder herunter, und setzt die Untersuchung weiter fort, wobei er aus dem an seiner Seite hängenden Lederbeutel verschiedene Fläschchen nimmt, und sie dem Diener unter die Nase hält.
Die Freifrau erhebt sich von ihrem Sitzplatz und starrt den Medicus an. Mit den Fingern spielt sie an den Ringen der jeweils anderen Hand. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Frau Reckinde sehr nervös sein könnte, vielleicht ist es aber heranreifender innerlicher Ärger, so genau kann man das bei der Freifrau nicht erkennen und selbst Menschen, die im Glauben sind, die Freifrau besonders gut zu kennen, sind schon oft in Blakharazens Küche gelandet, wo sie sogleich feststellen mussten, dass sie, so gut wie sie dachten, die Freifrau eben doch nicht kennen.
"Was soll das heißen? Was bedeutet: Da ist ein Hindernis? Was für ein Hindernis, bei Firuns heiligen Namen?"
Die Freifrau scheint verwirrt zu sein.
"Das Herz schlägt wohl noch, sein Atem geht auch, soweit ich sehen kann. Ist er vielleicht von Schlagfluß gerührt?" fragt sie forschend den Heiler und beobachtete dabei argwöhnisch dessen eifriges Hantieren mit den verschiedenen Fläschchen, die er so geschwind herbei 'gezaubert' hat.
Seltsam, dieser Mann spricht auf die schärfsten Mittel nicht an, die sonst eigentlich fast einen Toten zurückholen, oder zumindest aber Menschen, denen es weit schlechter geht als diesem Diener hier.
Aufmerksam setzt Lhyrian seine Untersuchungen fort, während ihm immer mehr klar wird, dass dieses Problem nicht nur der körperlichen Art ist, nein, da ist noch mehr.
In früheren Jahren, als er noch mit seinen Freunden Ardor, Safiriel, Leocadia und Waienn durch die Lande gezogen ist, hatten ihm Heilereien jener anderen Art eher grössere Probleme bereitet, aber die vielen Jahre in Havena, nicht zuletzt auch durch die engen Kontakte zu Wyben Berlind, haben ihn dieses Defizit zumindest aufholen lassen.
"Nein", antwortet er der Freifrau so nach einer durch die Untersuchung bedingten kurzen Pause, "so einfach ist das nicht. Ein Mensch besteht nicht nur aus seinem Körper, da ist noch mehr. Seinem Körper geht es gut, nur seiner Seele wohl nicht so ganz. Es ist, als wenn..."
Der Heiler zögert, sucht nach Worten, während er sich wieder etwas aufrichtet.
"Es ist, als wenn er nicht zurück WILL, als wenn es nichts gibt, was ihn zurück zieht."
Sein Gesichtsausdruck ist dabei eine Mischung aus Sorge und Frage, kennt er doch schließlich die näheren Lebensumstände dieses Mannes nicht weiter.
"So ... also so ist das ..." murmelt die Freifrau vor sich hin. Unruhig geht sie auf und ab und schwenkt dabei gedankenverloren ihren ausgestreckten Zeigefinger der rechten hand umher. Irgendwie sieht es so aus, als führe die Freifrau mit einem unsichtbaren Partner ein angeregte Konversation.
"Hmm ... er kann oder will nicht zurückkehren sagt ihr?" befragt Frau Reckinde den Heiler lauernd "Wie darf ich mir das konkret vorstellen? Das Herz schlägt, die Lunge zischen und der Magen gurgelt, aber das Hirn will nicht in den Wind ziehen, ist das so?"
Reckinde hält inne und denkt noch einmal nach.
"Das Ross scharrt also mit den Hufen, jedoch der Reiter ist entfernt, weil er sich unter Umständen in einer entfernten Kneipe noch ein Bier in den Hals schüttet. Könnte man das so sehen? Das Ross ist gesund, kommt aber nicht in den Trab, da es keinen Herren hat, der es anspornt. Ist das so, kann man es wie gesagt annehmen?"
Herr Rastburger wollte noch etwas beifügen, hielt aber dann doch zurück, da er den Eindruck hatte, die Lage nicht mehr zu überblicken. Hilflos fragend blickt der hohe Herr den Heiler an ....
Lhyrian folgt den fragenden Erklärungen oder den erklärenden Fragen der Freifrau nur mit einem halben Ohr, wendet sich ihr aber dennoch nach ihrem letzten Wort augenblicklich zu.
"Ja, so in etwa kann man das erklären. Ihm fehlt nichts wirklich lebensnotwendiges, nur der Willen, wirklich zurückzukommen. Kann es sein, dass er..."
Der Heiler hält inne, mustert die Freifrau und den Mann neben ihr kurz, und fährt dann nach einigen Momenten der Überlegung, welche Worte hier wohl am angemessensten wären, fort:
"... dass er momentan mit seinem Leben nicht glücklich ist, und darum den Lebenswillen verloren hat?"
"So, so ... er will also nicht. Es fehlt ihm wohl an Beweggründen .... !"
Die Freifrau murmelt gereizt vor sich hin, während sie auf kleinem Raum abwägend hin und her hastet und den kleinen, dicken Diener nicht einen Moment lang aus den Augen verliert. Herr Rastburger, der Heiler, im Prinzip das ganze Immanstadion sind für frau Reckinde im Augenblick kleine, fast nichts bedeutende Nebensächlichkeiten und ihre Augen verraten eine konzentrierte Aufmerksamkeit, die den bewusstlosen Radisar fast zu durchbohren schien, als könne sie mit der Kraft ihres Blickes bis auf den Grund der Seele Radisars blicken.
Plötzlich bleibt Frau Reckinde stehen. Sie wirkt entschlossen, doch gibt sie keinen Hinweis über das, was sie vorhaben könnte. Sie schaut dem Heiler noch einmal tief in die Augen und man könnte den Eindruck gewinnen, als suche sie dort Rat und Ermunterung. Ganz gewiss, dessen sit sich Frau Reckinde sicher, ist der Heiler ein Meister seines Faches, nicht etwa einer dieser Quacksalber aus der Herde jener Betrüger, wo sich jeder einen Medicus nennt und dabei nur verzweifelten oder gutgläubigen Menschen mit üblen Tricks oder zweifelhaften Methoden das letzte Hemd vom Leibe ziehen.
Nein, dieser Mann ist anders. Schon allein die Tatsache, dass er seine Hilflosigkeit bekennt, zeichnet ihn als ehrlichen Heiler aus und das imponiert der Freifrau. Zugleich bedeutet das alles aber, dass die Lage ernst ist und sich Radisar in größerer Gefahr befinden könnte, als dies bisher den Anschein gebabt hatte.
Oder ist alles vielleicht sehr viel einfacher als sich dies momentan darstellt? Frau Reckinde tippt sich mit dem linken Zeigefinger auf die Lippen, eine Geste der Nervosität, fürwahr, doch es sieht so aus, als wolle sie entscheidende Worte zurückhalten, aus einem Grund, den nur sie alleine kennt.
Doch dann holt sie tief Luft und brüllt aus Leibeskräften:
"RADISAR, DU FAULER TAUGENICHTS! AUF DER STELLE MELDE ER SICH BEI MIR UND GEBE BERICHT - ABER HURTIG!"
Ratlos betrachtet Lhyrian den bewusstlosen Diener weiter, und geht im Kopf die Möglichkeiten durch, die noch bleiben. Viele sind das nicht - zum einen könnte er weiter mit seinen Mitteln versuchen, dann könnte er versuchen, körperliche Reaktionen zu erzwingen... dann wäre es noch eine Möglichkeit, den alten Wyben um Hilfe zu bitten... oder aber Magie. Letztere ist in Havena zwar inzwischen leichter zu finden als zu der Zeit, als Lhyrian als junger Mann die Stadt das erste Mal betrat, doch einfach ist es darum auch nicht. Die Freifrau könnte natürlich...
Ein gewaltig lauter Schrei reißt den Medicus jäh aus den Überlegungen, und lässt ihn zusammenfahren.
Da schreit die Freifrau den armen Bewusstlosen an, und zwar auf eine Art und Weise und mit einer Lautstärke, dass dem Heiler erst einmal die Worte fehlen, und er mit einiger Verzögerung sehr leise, eigentlich nur zu sich selbst, sagt:
"Das wird wohl kaum helfen..."
IN HAVENA - Im Immanstadion: Wunderbare Weltenwanderung - Radisar
Irgend etwas läuft nicht richtig. Die Musik die er hört ist ein Labsal für die Seele und das Licht, das aus dem großen und prächtigen Tor heraus strahlt verheißt ewiges Glück. Im Kreise seiner kleinen, geflügelten Freundinnen, die ihn so ehrfürchtig 'ihren Prinzen' nennen, fühlt er den Segen einer Freundschaft, die jeden Ort der Welt zur Heimat werden lassen könnte.
Und dennoch spürt Radisar tief in den Falten seiner Seele einen gewaltigen Stich, der ihm wehtut. Im Rausch seines Glücks vermag er dieses bestimmte Gefühl nicht zu deuten, doch noch vor kurzem, da er auf Dere weilte, hätte er es als seine unermessliche Trauer erkannt. Nun, da er sich anschickt alles zu gewinnen, nimmt ihn die Ahnung gefangen, dass er eben dabei ist wertvolles zu verlieren.
Als hätte sie seine Gedanken erraten, fragen ihn die geflügelten Ladies:
"Ist euch etwas, mein Prinz, ihr seht bekümmert aus. Wie können wir euch helfen?"
Radisar schüttelt traurig den Kopf.
"Eurer Hilfe bedürfte ich wohl, doch kann ich euch keinerlei Hinweise geben, was an drückenden Ahnungen mich heimsucht."
Besorgt schwirren die Geflügelten hin und her, jede von ihnen sagt, fragt oder erklärt etwas. So kann Radisar kaum mehr verstehen, als ein mehrstimmiges Gezwitscher. Nicht lange, dann ordnen sich die Sätze, solange, bis alle der geflügelten Ladies wie mit einer Stimme sprechen.
"Es ist der Schmerz, nicht wahr?"
Und Radisar nickt bestätigend. Eine gelb strahlende Lady flattert vor das Gesicht des kleinen Dieners.
"Oh mein Prinz, wir kennen diesen Schmerz und er besagt, dass ihr Pflichten zurückgelassen habt. Pflichten, die euch wert, lieb und teuer sind und deren Vernachlässigung euch einer Sünde gleichkommt. Ist das so?"
Radisar beginnt zu weinen, wie ein kleines Kind, dem man das wertvollste geraubt hat. Er schluchzt derart, dass es selbst einen Orkschamanen gerührt hätte. Alle LAdies schwirren herbei, um den Unglücklichen zu trösten.
"Es ist ... ", versucht Radisar mit stockender Stimme zu erklären "es ist ... die Freifrau! Ich höre sie rufen und ich fühle, ich muss zu ihr gehen!"
Eine grün leuchtende Lady flattert herbei. Ihr kleines Gesicht verrät ihr tiefes Mitgefühl.
"Armer, kleiner Radisar! Hast du dir nicht schon genug Prüfungen auferlegt? Ist es nunmehr nicht an der Zeit in den Frieden heimzugehen?"
Radisars Tränen fallen wie dichter Regen herab. Doch kein Boden fängt sie auf, sie fallen in ein Nichts.
"Aber was sollen sie denn machen, ohne mich? Die Freifrau, die junge Herrin Alkinö und ... "
Rasdisar zögert ein wenig, ehe er dann fortfährt:
" ... der liebe Boto, der treue Beschützer der Herrin, was sollen sie denn machen, wenn ich sie nicht mehr versorgen kann?"
"So ist deine Aufgabe noch nicht erfüllt, kleiner Radisar .... !" geben die Geflügelten zu "Aber wir können dich leider nicht so ohne weiteres ziehen lassen!"
Es wird dunkler und Radisar kann sich zunächst nicht erklären warum dies so ist. Ungläubig blinzelt er in der Gegend herum, es wird tatsächlich immer finsterer. Aber wie? Eine Sonne hat er dort nicht gesehen, auch keine Wolken, die sie hätten verdunkeln können. Also, was passiert da?
Doch dann erkennt er, dass sich das Tor langsam schließt und sich, in Folge dessen, so das Licht der anderen Welt, diese herrliche und wunderbare Licht, wieder von ihm zurück zieht. Wehmut erfasst Radisar's Herz, ist ihm auf einmal doch so, als ob ihm die Heimat entfliehe. Traurig blickt er die Geflügelten an.
"Werde ich euch wiedersehen?" fragt er mit stockender Stimme. Und die Ladies lachen.
"Natürlich, mein Prinz, wir werden uns wiedersehen! Wir sind ewig und wir werden warten, bis auch du für die Ewigkeit bereit bist!"
Obwohl ihm gar nicht danach zu Mute ist, Radisar muss lächeln. Ist es nicht eine Ehre von einem ganzen Schwarm kleiner Feen willkommen geheißen zu werden, dazu noch für eine zeit, die erst noch kommen muss? Radisar fühlt sich reich beschenkt. Mit den Händen fährt er sich durch das nunmehr volle Haar, richtet sich in seiner ganzen Größe auf und verkündet:
"Ihr lieben, kleinen Frauen, ich werde euch vermissen. Noch weiß ich nicht, was mich beherrschen wird, schmerzende, wehmütige Sehnsucht oder wohltuende, begleitende Verheißung. Doch wird immer die Hoffnung mit mir sein, mich wieder in euerem Licht glücklich fühlen zu dürfen. Ihr habt so viel Gutes an mir getan und ich bin euch von Herzen dankbar. Doch muss ich erst wieder ein Diener sein, bevor ich euer Prinz sein darf!"
Das Tor hat sich nun fast völlig geschlossen und nur noch das Licht der Geflügelten erhellt die Szene, die insgesamt eingebettet ist von äonischer Dunkelheit. Selbst der Limbus mag dem menschlichen AUge noch mehr zu bieten haben.
"Fahre wohl, mein Prinz und wisse, dass die Zeit für die Unsterblichen keine Bahn beschreibt. Selbst für die Götter ist Zeit ein Gesetz, doch nicht für uns. Und wisse, dass es wohl menschliche Gebote gibt, die sich dem göttlichen Willen beugen müssen, doch auch die Höchsten und Mächtigsten sind nicht frei. Aber du wirst es sein, wenn du die zeit nicht zu deinem Joch machst! Radisar, geliebter Prinz, wir werden warten, wie wir schon imer gewartet haben, seit Satinav das Schiff bestieg!"
Ihre Stimmen werden nun leiser und auch ihr Leuchten läßt nun nach. Radisar kann schon fast die einzelnen Farben der Ladies nicht mehr unterscheiden. Sie vermengen sich und es ergibt sich eine unbekannte diffuse Farbe, die sehr, sehr hell ist, dem Auge jedoch nicht schmerzt und deren Leuchten kaum die Umgebung noch erhellt. Dennoch hält Radisar seine Hand vor die Augen, als fürchte er, durch einen plötzlichen Blitz geblendet werden zu können. In fahlem Licht muss er erkennen, dass seine langen, edlen Finger wieder kürzer und wieder wurstförmiger werden. Erschrocken fährt er mit der rechten Hand über seinen Kopf. Doch dort, wo noch vor kurzen wallendes Haar auf seien Schultern sank, ist nun wieder seine altbekannte Glatze.
"Auf wiedersehen, Prinz und vergiss nicht, du bist schön!" erklären die Geflügelten mit sinkender Stimme, als ob sie seine Gedanken erraten hätte und wahrscheinlich haben sie das auch. Doch der Trost mag nicht so recht bei dem kleinen, dicken Diener ankommen.
"Schön .... schön .... schön ....!"
Die Stimmen verhallen. Nun ist es ganz finster und ganz still! Nach einer Weile, (doch was ist schon Zeit?) dringt ein gewaltiges Rauschen an Radisar's Ohren, wie ein Meer, dass sich wütend in eine Kreideklippe beißt und die Finsternis weicht einem zarten Blauton. Nun, da es wieder ein wenig lichter wird, hält sich Radisar noch einmal die Hände vor die Augen und betrachtet seine feisten Finger, die doch kurz vorher noch so edel schlank gewesen waren und erneut rinnen ihm Tränen aus den Augen ....
IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Freifrau Reckinde und Lhyrian
Frau Reckinde starrt den Körper Radisar's an, verbissen, hilflos, ängstlich. Sie spürt den Blick des Heilers auf sich ruhen und sie muss ihm dabei nicht ins Gesicht sehen, um zu spüren, dass er ihre Handlung auf das Äußerste mißbilligt. In der Tat hat auch sie für einen kurzen Moment das Gefühl gehabt, dass alle Mühe vergebens sein würde. Auch eine von Beibach und Bruch gebietet nicht über einen Diener, der sich weit an fremde Gestade abgesetzt hat.
Nervös beißt sie an ihrem Fingernägeln und es ist ihr egal, dass dies eine feine Dame sonst nicht tut, sie hat sich noch nie sonderlich um Etikette gekümmert. Für Frau Reckinde war der Tod noch nie ein unberührbares Thema gewesen, nur allzu oft hat sie ihm ins Gesicht schauen müssen, doch ist sie sich der inneren Erkenntnis sicher, dass Golgaris Schwingen heute die Ehrentribüne im Immanstadion zu Havena nicht überschatten werden.
Auf einmal reisst sie die Augen auf, als hätte sie ein Gespenst gesehen.
"SEHT NUR! Er weint und er bewegt die Hand ....!"
Fassungslos betrachtet sie Radisar's Hände, die sich in einer langsamen Bewegung immer wieder zur Faust schließen und dann wieder öffnen, um sich gleich darauf wieder zu schließen, so, als ob Radisar nach dem Leben greifen wolle.
Reckinde stürzt zu Radisar hin, packt ihn am Kragen und schüttelt ihn. Boto gesellt sich zu ihr und er leckt dem kleinen Diener die Tränen von den Wangen.
"NUN MACH SCHON, DU FAULER MAULTIERTREIBER!!"
Halb weinend, halb lachend ruft sie dem Heiler zu:
"SEHT IHR DAS? SEHT IHR DAS?"
Ziemlich überrascht beobachtet Lhyrian, wie zunehmend Leben in den Körper des Dieners kommt - anscheinend zeigt die rabiate Heilungsmethode der Freifrau doch eine erstaunliche Wirkung.
"Ich sehe es..." sagt er leise, und nicht wirklich auf diese Worte konzentriert, denn er hockt sich bereits wieder neben Radisar und setzt seine Untersuchung rasch fort - besser gesagt, er beginnt sie von vorne, denn immerhin ist er der Heiler, und falls das, was gerade geschieht, nur ein kleiner Ansatz des Auflebens ist, dann ist es gut möglich, dass seine Arbeit sehr wohl noch gefragt und von hoher Wichtigkeit ist.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Wunderbare Weltenwanderung - Radisar
Nun, da es immer dunkler um ihn wird, wird ihm auch jede Ahnung von einem 'oben' oder 'unten'. Er schwebt im freien Raum, umgeben von einem schmeichelnden 'Nichts'. Nein, er hat keine Angst vor dem Fallen, auch wenn er, von welcher Richtung aus auch immer, einen grauen Schimmer mit wahnwitziger Geschwindigkeit auf sich zu rasen sieht. Er ist sich so sicher, wie ein Mensch sich nur sicher sein kann, dass es ihn nicht zerschmettern wird.
Mag sein es ist ein neues Tor, wie eben jenes vor kurzer Zeit, aus dem so überderisch herrlicher Schein gedrungen war und das sich söben auf unbestimmte Zeit für ihn verschlossen hatte. Was immer da auch einladend lockte, Radiar darf es nicht kennen lernen, nicht jetzt, nicht hier!
Die kleinen leuchtenden Mädchen mit ihren kleinen, silbernen Flügeln haben sich mehr und mehr im Dunkel der Ewigkeit versteckt, doch fühlt der kleine, dicke Diener noch immer ihre Gegenwart. Sie sind nicht wirklich fort und das tröstet Radisar. Sie noch bei ihm und sie warten auf ihn. Und mag es noch viele Götterläufe dauern, man wird sich wiedersehen.
Langsam teilt sich das Universum, das 'graue Tor' oder was immer es auch sein mag, nimmt die eine Hemisphäre ein und auch aus der anderen Halbkugel schimmert ein diffuses Licht, als Vorboten des Seins. Jetzt da Radisar wieder so etwas ähnliches wie einen Horizont schauen darf, fällt es ihm leichter diese seltsame Zwischenwelt in ein erklärbare Dimensionen zu ordnen.
Nun fühlt er auch deutlich das er fällt und fällt. Schwindel packt ihn, auch eine leichte, aber stetig steigende Furcht erklimmt aus der Tiefe seiner Seele den Steilpfad zu seinem Bewußtsein. Seltsame Geräusche dringe an Radisar's Ohr. Erst ist es ein Rauschen, denn ein Pfeifen, zuletzt zergliedert es sich in eine Ansammlung vermischter, aber in Grundzügen doch erkennbar verschiedener Laute. Es klingt wie der Schrei eines Ungeheuers mit zahllosen Kehlen.
Auch der graue Grund zergliedert sich mehr und mehr. Er sieht aus wie eine große Steinfläche, was Radisar schwer in Sorge drängt, da er sich keine Illusionen machen kann, darüber, wie wohl sein Aufpralle ausfallen wird. Das Gefühl von Leichtigkeit entflieht ihm immer mehr und läßt ihn Schwere spüren, große Schwere, ja sogar Überschwere.
Ein schrecklicher Kopfschmerz setzt ein, Übelkeit überwältigt ihn. Sein Herz schlägt so unregelmäßig, wie im Takt eines sterbenden Spechts. Radisar's Hände krampfen sich zusammen und er bekommt irgend etwas zu fassen. Es ist hart, es ist kalt und es ist unangenehm rau, doch es ist Materie, es ist ein Halt und im Augenblick Radisar's einziger Anker zum Derischen.
Erst sehr viel später wird ihm klar werden, dass es sich bei diesem kalten Stein um die Stufen zur Ehrentribüne des Immanstadion's zu Havena handelt. Doch so weit wollen seine Gedanken nicht gehen. Er fühlt sich wie ein Schiffbrüchiger, der nach Tage langem, hilfosem Paddeln im Meer, entkräftet und ausgezehrt, endlich seine Finger in einen Sandstrand krallen darf, der ihm verheißungsvoll ein Weiterleben verspricht. Soll es doch eine einsame Insel sein, die von einem Haufen hungriger Menschenfresser bewohnt wird. Was soll es schon, es ist Land, es ist Leben, zumindest für dem Moment. Und so ergeht es auch Radisar, der den kalten, kratzigen Stein genießt, da er sich wieder in einer Ordnung wähnen darf, die ein 'Oben' und ein 'Unten' kennt.
RAdisar mag sich zwar innerlich freuen, als habe er seiner Wiedergeburt beiwohnen dürfen, doch kann er es nicht so einfach auf die Seite schieben, dass es ihm daneben auch sehr schlecht geht. Scharfe und beißende Schmerzen nagen an nahezu jedem Gelenk seines Knochenbaus, der Magen revoltiert und er hat Blutgeschmack auf der Zunge. In seinen Ohren pfeift es, als würde in seinem Schädel gerade ein Hummer gekocht und vor seinen Augen tanzen bunte Ringe, die allerdings in ihrer Farbenpracht elendig hinter der leuchtenden Anmut seiner kleinen, geflügelten Damen hinterher hinkt.
Ein langer, klagender Ton dringt aus seiner Kehle .....
Wie war es doch schön, als er noch schweben konnte, als es keinen Boden und keinen Himmel gab. Doch nun liegt er schwer auf kaltem Stein und er kann den Himmel über sich gar nicht sehen, da er auf dem bauch liegt. Alles tut ihm weh und fast bereut er schon, sein kleines, farbenfrohe, schwirrendes Gefolge verlassen zu haben.
Ächzend wendet er sich um und sieht einem unbekannten Mann in die Augen. Noch ist seine Sicht verschwommen und unklar, doch die Gestalt, die sich hinter diesem mann aufbaut, das könnte durchaus die Freifrau sein. Und das, was ihm feucht die getrockneten Tränen von den Wangen abschleckt, dass muss wohl Boto sein. Radisar fühlt sich wirklich krank und elend, aber irgendwie freut er sich 'wieder zu Hause' zu sein.
Ach, er hätte so viel zu erzählen, jedoch die Stimme versagt noch ihren Dienst. Jedes mal, wenn er zu sprechen versucht, gelingt ihm nur ein brüchiger, ächzender Laut, den wohl keine Mensch als Sprache erkennen könnte. Es kostet Radisar viel Kraft die Hand zu heben, doch es ist ihm ein dringendes Bedürfnis die Freifrau zu grüßen und da er noch nicht reden kann .....
IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Freifrau Reckinde, Radisar und Lhyrian
Besorgt beugt sich Lhyrian, der gerade einige Worte in Richtung der Freifrau sagen wollte, wieder über seinen Patienten, als er den langen klagenden Ton aus dessen Kehle vernimmt.
Aufmerksam lauscht er dem Atem, legt dann kurz seinen Kopf auf Radisars Brust, um den Herzschlag zu hören, und richtet sich dann wieder auf, während seine Aufmerksamkeit vollkommen dem Diener gewidmet bleibt.
All die anderen Leute auf der Ehrentribüne, vielleicht mit Ausnahme der Freifrau, sind für ihn ebenso vergessen wie das Immanspiel, das da irgendwo ein Stück tiefer hinter seinem Rücken weiter läuft.
Und wieder hat Radisar den Eindruck als schwinde ihm das Gefühl für oben und unten. Mühsam dreht er seinen Kopf hin und her, bis er den Himmel und den Steinboden wieder etwas sortiert und er wieder neue Orientierung in dieser Welt gefunden hat. Langsam kann er auch wieder sein Arme und Hände bewegen, doch ist er noch zu schwach sich darauf stützen zu können.
Sein Blick wird wieder klarer und an seine Ohren dringt das Geschrei sehr vieler aufgeregter Menschen. Wie kleine, unscheinbare Pfeile eines unbekannten Schützen, flirren ihm Erinnerungsfetzen ins rotierende Bewußtsein.
"Was ist los ...? Boto ... ? Immanstadion ...? Die Freifrau ... ? Die Geflügelten ...?"
Fragen um Fragen dringen auf ihn ein, wobei sich, mit der Zeit, eine ganz bestimmte Frage in den Vordergrund zwingt: Wer ist der Mann, der sich mit sorgendem Blick über ihn beugt?
Radisar kennt das Gesicht nicht, er ist diesem Mann noch nie begegnet. Und so fragt er ihn mit krächzender Stimme, ebenso, wie er es seit jeher gewohnt war zu fragen:
"Wen darf ich bitte melden?"
Auch wenn es der Situation im Moment vollkommen unangemessen ist, so haben die mehr als ein Dutzend Jahre als Heiler in Havena, in denen Lhyrian immer wieder auch mit Vertretern der höheren und höchsten Kreise zusammengekommen ist, dazu geführt, dass sich bestimmte Verhaltensweisen herausgebildet haben. Und so antwortet er, ehe er wirklich darüber nachdenkt:
"Lhyrian von Schwanental, Heiler."
Erst einige Augenblicke später wird ihm das Groteske der Situation und dieser Antwort bewusst, und er fragt:
"Wie geht es Euch, wie fühlt Ihr Euch?"
Stöhnend hebt Radisar den Kopf und versucht sich aufzurichten, gestützt von seinen kraftlosen Armen. Das will aber noch nicht so recht funktionieren und nach ein paar vergeblichen Anläufen sinkt der Körper des kleinen, dicken Dieners wieder auf den Boden zurück. Radisar atmet tief durch und fragt mit brüchiger Stimme:
"Ein Heiler seid ihr? Ja, ist denn jemand krank?"
Radisar erschrickt. Ein schrecklicher Gedanke ist ihm ins Bewußtsein gerutscht.
"Wo ist die Freifrau Reckinde? Geht es ihr gut?"
So hat das bange Warten nun doch ein glückliches Ende gefunden. Die Freifrau ist wahrhaftig sehr erleichtert. Sie hatte sich schon die allergrößten Sorgen gemacht und wohl auch schon insgeheim befürchtet, Radisar könnte sich auf einer Reise ohne Wiederkehr befinden. Aber nun scheint alles überstanden zu sein. Frau Reckinde erklärt grinsend:
"Unser guter Radiar ist offensichtlich über dem Berg, schließlich redet er schon wieder dummes Zeug!"
Frau Reckinde reibt sich die Hände. Jetzt da die Zeit des Wartens abgelaufen ist, beginnt für sie wieder die Zeit des Handelns.
"Herr Lyhrian vom Schwanental, ist seid wahrhaftig ein Meister eueres Faches. Alleine Dank zu sagen, für das, was ihr Gutes an meinem Diener geleistet habt, kann nicht ausreichen. Ich würde euch bitten, uns noch bis zur NORDSTERN zu begleiten, für alle Fälle. Sodann dürft ihr mir euere Dienste in Rechnung stellen!"
Augenzwinkernd fügt sie noch leise an:
"Es darf ruhig das dreifache eueres üblichen Satzes sein!"
Herr Rastburger lacht auf und ergänzt die Rede der Freifrau:
"Ich würde dieses Angebot sofort annehmen, Herr Lhyrian. In einer solchen Geberlaune hat man die Freifrau nur selten gesehen und ich persönlich noch nie. Ihr dürft euch froh und glücklich schätzen!"
Dann wendet sich Herr Rastburger an die Freifrau:
"Vor dem Stadion steht meine Kutsche. Verfügt über sie nach Belieben. Ich werde sie später wieder vom Hafen abholen lassen!"
Frau Reckinde bedankt sich höflich. Auch sie will sich die spendable Laune ihres Gastgebers zu Nutze machen. Schnell hilft sie Radisar auf die Beine. Der kleine, dicke Diener kann zwar noch nicht richtig stehen und wirkt in den starken Armen der Freifrau wie eine Vogelscheuche vor dem Ortswechsel, doch Frau Reckinde gibt ihm Halt und fast könnte man meinen, Radisar könnte schon wieder auf seinen eigenen Beinen gehen.
Herr Rastburger versucht unterdessen noch ein paar Eindrücke vom Spielfeld zu gewinnen. Das Spiel ist ja durch die letzten Ereignisse schon etwas arg ins Hintertreffen geraten. Der Schiedsrichter hat die Begegnung zwischen den Bulle und den Pottwalen zwar schon beendet, aber vielleicht lässt sich doch noch herausfinden, wer das Spiel gewonnen hat.
Frau Reckinde dagegen, ist völlig egal wer das Spiel gewonnen hat. Auf jeden Fall fühlt sie sich sehr gut. Es war ein prächtiger Tag. Sie hat ein gutes Geschäft gemacht, Radisar weilt wieder unter den Lebenden und sie darf endlich aus diesem fürchterlichen Stadion hinaus. Eigentlich gehört ein solcher Tag gefeiert, mit Wein und einem guten Essen. Aber das hat Zeit. Zuerst muss sich Radisar wieder erholen, zumindest einigermaßen. So lange wird eine gute Speise schon noch warten können.
"Die Freifrau ist ganz in Euer Nähe", erwidert der Heiler leise dem Diener, doch die Hilfe, die diese ihm beim Aufstehen leistet, macht diese Antwort mehr als überflüssig.
Er hilft ihr statt weiterer Worte darum bei diesem Unterfangen, und geht erst danach auf ihre Worte ein:
"Es ist mir eine Ehre, Euch zu Eurem Schiff zu begleiten, und dort dann auch noch mal nach Eurem Diener zu sehen. Ich muss nur noch..."
Kurz hebt er den Blick, um nach Wyben Berlind Ausschau zu halten, dem alten Heiler, mit dem zusammen er das Stadion betreten hat.
Lhyrians Augen finden ihn rasch, denn auch wenn langsam alles dem Ausgang zustrebt, so ist die Ehrentribüne doch bei weitem nicht so zugestopft wie der Rest des Stadions, und die Menschen dort bewegen sich auch weit "gesetzter".
Der alte Heiler winkt kurz, was Lhyrian mit einem knappen Nicken und einem kurzen Wink erwidert. Mehr ist auch nicht nötig, sie kennen sich lange genug, um sich über solches zu verständigen.
"So, ich bin bereit", stellt er dann schlicht fest.
IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Im Reich der 'Stute'
Sanft gleitet ein Kohlestift über eine leicht dunkle Haut und hinterlässt eine nachtschwarze Spur. Wie ein Rahmen zieht sich diese Spur um ein grünes Augen, in dem es lebendig und freudig glänzt.
'Eigentlich freue ich mich auf den Tanz. Ich fühle mich immer wie... in einer anderen Welt, wenn ich mich zu Musik bewege und meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.'
Marueca betrachtet ihre Augen in einem kleinen Handspiegel.
'Schön, aber... '
Vorsichtig setzt sie wieder den Kohlestift an - diesmal am äußeren Rand ihres linken Auges und zeichnet den Strich ein bißchen weiter nach außen. Mit dem rechten Augen verfährt sie ebenso. Kritisch betrachtet sie sich wieder im Spiegel.
'Sieht ... anders aus. Aber es hat was!'
Marueca legt den Kohlestift in ein Kästchen, zieht dann aber einen Pinsel und ein Tiegelchen hervor, das sie öffnet. Sie streicht ein paar Mal über die rote 'Salbe', die sich darin befindet, und verteilt diese dann vorsichtig auf ihren Mund. Langsam zieht sie als erstes die Konturen ihres leicht geschwungenen Mundes nach, dann füllt sie den Rest aus, wobei sie darauf achtet, nicht zuviel Lippenrot auf ihre sowieso von Natur aus schönen Lippen, die sie regelmäßig mit Honig weich und zart macht, zu 'klatschen'.
Kurz drückt sie die Lippen aufeinander, dann wieder der kritische Blick in den Spiegel, worauf ein zufriedenes Lächeln von ihr folgt.
Marueca greift in ein anderes Kästchen und zieht etwas Schmuck aus Messing und blank polierter Bronze hervor: ein Oberarmreif, auf dem ineinander verschlungene Blumenranken eingraviert worden sind, ein Ensemble bestehend aus einem relativ breitem Ring und einem Armband, die mit einem Kettchen miteinander verbunden sind und zum Schluss noch ein Stirnschmuck bestehend aus einem dünnen braunen Lederband, an dem ein bronzener Anhänger, in dem wiederum ein Hämatit schimmert, hängt.
Leise summt sie bei alldem eine almadanische Weise, die sie noch aus der Zeit kennt, als sie dort gelebt hatte.
***
Yria war der kurze Disput zwischen dem Barden und dem Comte nicht entgangen, doch sie brauchte erstmal einen kurzen Moment, um zu realisieren, was sich dort im Reinigungsbecken des Rahjatempels langsam entwickelte.
Aber bevor das passierte, was sie fürchtete, war es auch schon vorbei und anstatt sich zu streiten, stellen sich die beiden Herren nun tatsächlich vor.
Leicht kopfschüttelnd geht sie zu einem Tisch, nimmt sich zwei kleine Gläser und kehrt dann zurück zu den Liegen mit dem Praioten und dem Magier.
So als wäre nichts geschehen, lächelt Yria die beiden Männer an.
"Eine exzellente Wahl, aber wir haben hier auch noch einen sehr leckeren Kirschlikör. Den müsst ihr unbedingt probieren!"
Sie stellt die beiden Gläschen auf dem Tisch vor den beiden Liegen ab und schnappt sich dann eine Flasche mit einer dunkelroten Flüssigkeit.
"Nun?" fragt sie geradezu herausfordernd.
***
Aska schaut reichlich überrascht zwischen dem Comte und Lyrian hin und her. So schnell, wie der Streit gekommen war, war er auch schon wieder verflogen. Wenn es denn überhaupt ein richtiger Streit war...
Aber was soll's! Um so besser, denkt sich die junge Geweihte und geht mit raschen Schritten aus dem Becken, um sich schnell abzutrocknen und dann zwei Tücher für die beiden Gäste bereitzuhalten.
***
Felion, der noch immer die Harfe spielt, ist es nicht entgangen, dass Marueca in die hinteren Räume verschwunden ist. Ganz leise seufzend blickt er kurz zu den beiden Trommeln hinter ihm.
'Ihren Tanz in Ehren, aber wenn er wieder so lang geht, wie beim letzten Mal, streike ich! Ich mag Trommeln doch eigentlich gar nicht! Ich muss mir dringend mal ein tulamidisches oder novadisches Saiteninstrument besorgen - wenn ich eines finde... und wenn es überhaupt so etwas gibt!'
Gedankenversunken zupft er weiter...
***
Dalena dagegen hat langsam Geschmack an 'ihrem' Rahjaanbeter gefunden. Komplimente, so süss wie Honig, fliessen von seinen Lippen in ihre Ohren. Sie massiert weiter seine starken, breiten Schultern und spürt die Muskeln darunter.
'Ein Krieger und noch dazu ein besonders reicher! Oh, wenn ich keine Geweihte wäre... dann würde ich sofort mit ihm reisen!'
Leicht weggetreten betrachtet sie ihn, hört kaum noch seine Worte oder die Musik. Sie nimmt auch schon gar nicht mehr das Treiben im Tempel wahr - so versunken ist sie in ihrem Traum von der Freiheit und dem Abenteuer!
SO versunken, dass Dalenas Wachsamkeit sie mehr und mehr im Stich lässt... denn welcher reiche Krieger trägt schon ein uraltes, schlichtes und schartiges Schwert mit sich?
IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Plaudereien - Di Vespasio, Ottam, Onaskje, Lyrian
Di Vespasio folgt dem Barden aus dem Becken und läßt sich ebenfalls ein trockenes Tuch geben. Der Blick Lyrians zu Aska entgeht ihm, da er gerade seinen Stock kurz an der Wand abstellt, um beide Hände zum Abtrocknen frei zu haben.
"Ja, oh weh, der Alkohol, nein, da könnte ich Geschichten erzählen, über Menschen, die beim starken Wein, und Schlimmerem, jedes Maß verloren haben und, mit dem Maß, auch den Sinn für alle wirklichen Freuden, bis auf die plattesten."
Geziert beginnt der Adlige sich trockenzureiben, stets darauf bedacht, nicht das Puder im Gesicht zu verschmieren.
"Würdet ihr mir denn die Freude machen und mir ein wenig von der Heimat erzählen? Ich stelle euch eben seiner Gnaden und dem gelehrten Herren vor, und dann können wir ein wenig plaudern. Ich müßt wissen, ich war seit Urzeiten nicht mehr in der Nähe Vinsalts und brenne auf Neuigkeiten."
"Heimat?!"
Allein Lyrians Tonfall bei diesem Wort ist schon anzumerken, wie sehr 'Heimat' das Horasreich für ihn war. Zwar hatte es ihm dort durchaus gefallen, ja, er hat sich oft sogar sehr wohl gefühlt und hatte manches Mal mit dem Gedanken gespielt, für den Rest seines Lebens als Musiklehrer im Hause Shumir zu lehren.
Aber...
"Tja, als Heimat würde ich das Horasreich nicht bezeichnen. Ich habe dort nicht allzu lang gelebt. Andererseits ist es ein sehr reizvolles Land... "
'Manches ist dort nur etwas zu reizend!'
"... ganz besonders die Baronie Shumir. Oh, allein dieser köstliche Wein aus Shumir! Ach, und die Feste!"
Lyrians Stimme bekommt mehr und mehr einen schwärmerischen Klang, während er redet und dabei auf die Ecke mit den beiden bereits besetzten Liegen und noch ein paar freien zusteuert.
"Der Baron wusste zu feiern! Selbst mancher mittelreichische Graf oder gar Fürst kann da nicht mithalten und seid versichert: ich war schon auf vielen Bällen und Feiern! Egal, ob im Mittelreich, in Aranien, im Horasreich oder sogar im Bornland! Nirgends waren sie prunkvoller und sorgloser als in Shumir!"
"Ach ja, der Wein. Wenn ich nur an den köstlichen Shadirer Goldbrunn denke. Kein Wunder, das der Baron so schöne Feste feiern kann, zumal man ihn ja verdächtigen muß, die Besten der Besten für seinen eigenen Keller zurückzuhalten. Nicht daß man ihn dafür tadeln könnte."
Inzwischen hat di Vespasio auch seinen Stock wieder aufgenommen und geht mit dem Barden zu den Liegen. Dort angekommen bleibt er jedoch erst noch stehen und spricht leiser weiter mit Lyrian, während er wartet, daß die Tempelvorsteherin ihm Zeit gibt, seinen neu gefundenen Begleiter vorzustellen.
"Aber ihr sagtet, Shumir sei euch keine Heimat? Woran hängt denn dann euer Herz? .. Oder ist es so flüchtig wie ein Schmetterling, daß es sich nur dann und wann, von Shumir bis zum Bornlande, niederläßt?"
'Das ist ein hübsches Wortspiel. Mußt du dir wirklich merken. Oder ist es aus einem Gedicht? Aber woher?'
Der Schiffsmagus blickt Yria mit einem sehr freundlichen Lächeln an und erwidert,
"Nur zu gerne, von euch angeboten würde sicher selbst Wasser wie Wein munden, wie verlockend ist da erst die Vorstellung des lieblichen Likörs"
Gemeinsam mit Ottam hat Wulff beobachtet, wie der Comte sammt Begleiter das Bad verlassen haben um danach auf sie zuzusteuern. Allerdings titt gerade auch Yria näher und bietet einen Likör an. Wulff nickt kurz dem Magus zu, um dann Yria anzulächeln.
"Gewöhnlich liegt mir der süße Likör nicht, dennoch werde ich ihn einmal versuchen, ein Angebot von Euch kann ja nur reizvoll sein."
Kurz blickt er zu den anderen Gästen und den beiden hinzutretenden hinüber.
"Ich bin doch ein klein wenig überrascht, welch hohen Zuspruch der Tempel um diese Zeit erfährt, zumal doch gerade ein Immanspiel gespielt wird bei dem Jung und Alt der Stadt zugegen sind. Wie ich auf den Straßen hörte. Aber andererseits ist es ja immer sehr erfreulich, viele Gläubige um sich oder besser im Tempel des Gottes, hm, der Göttin versammelt zu sehen, nicht war?"
'Meine Glaubensbrüder in den tiefer liegenden Landen haben mir da manchmal ganz was anderes erzählt über den Zustrom für die Gottesverehrung...'
Yria merkt man an, dass ihr das Kompliment des Magus sichtlich gefällt. Lächelnd füllt sie ihm ein Glas ein und reicht es Ottam.
Dann wendet sie sich dem Praiosgeweihten zu. "Nun, probiert ihn ruhig. Als süß würde ich den Likör nicht unbedingt bezeichnen, denn er wurde aus Sauerkirschen hergestellt. Er hat einen ganz interessanten Geschmack. Irgendwie... "
Yria bewegt die Hand ein wenig kreisend in der Luft, sucht nach dem richtigen Wort...
"Ach, trinkt einfach!" fährt sie weiter fort, giesst auch dem Geweihten neckisch zulächelnd ein Gläschen ein und bemerkt dann die beiden weiteren Gäste hinter sich.
"Oh, nehmt ruhig Platz," sagt sie zu dem Comte und dem Barden gewand und deutet auf zwei freie Liegen.
"Möchtet ihr ebenfalls einen Schluck von diesem köstlichen Kirschlikör?"
***
Aska wiederum sieht, dass der Barde bei dem anderen Gast wohl vorerst gut aufgehoben ist und sie möchte sich auch nicht in das Gespräch der beiden einmischen.
Statt dessen wendet sie sich der Dame in der anderen Ecke zu. Diese ist zur Zeit allein und Aska weiss, wie gerne die Frau mit jemanden redet, der geduldig zuhört.
"Oh, danke!" antwortet Lyrian der Geweihten rasch, wendet sich dann aber wieder Frizzi zu.
"Hmm, vielleicht nicht ganz," antwortet Lyrian, "man könnte das, was ich oft für manche Städte und Landschaften empfinde wohl eher als eine Art... temporäre Heimat bezeichnen. Ich glaube, das ist eine passende Bezeichnung."
Lyrian spricht etwas gedämpfter, damit die Rahjani nicht bei der Unterhaltung mit den beiden anderen Herren und beim Ausschenken des Liköres gestört wird.
"Ich bin zwar unstet, aber andererseits bin ich auch ein geselliger Mensch, der überall gerne Menschen um sich hat und sich rasch mit ihnen anfreundet. Dann kommt schon oft ein Gefühl auf, als wenn mein Herz sagen möchte, dass ich bleiben soll. Aber dann wiederum siegt die Neugier und die Flatterhaftigkeit über mein Herz und oft genug auch über meinen Verstand und ich suche mir einen weitere 'Heimat'."
Lyrian ist selbst fast ein wenig überrascht, wie viel er wieder redet. Noch vor wenigen Stunden stand er am Kai des Hafens von Havena und blickte einem Sarg nach, und jetzt steht er hier, nackt wie Tsa ihn schuf, redet über Heimat und trinkt gleich auch noch einen Likör!
"Für mich bitte auch." wirft di Vespasio kurz ein, dann lauscht er wieder auf Lyrians Erzählungen, während er darauf wartet, daß die Geweihte ihm das Glas reicht.
Er hebt den Kristallkelch etwas in die Höhe und läßt es ein wenig in dem kleinen Glas herum schwenken. Beim Betrachten der glutroten Flüssigkeit steig eine sehr feurige Erinnerung an einen anderen Likör in ihm empor, den er erst vor wenigen Tagen genießen konnte, auch wenn das Vergnügen eher von zweifelhafter Natur war. Doch darf man in einen Rahjatempel wohl kaum derartiges erwarten, selbst wenn es sehr rot ist.
"Dann will ich mein Glas erheben, natürlich auf den Liebreiz Rahjas, und auf die temporäre Heimat, wo auch immer sie liegt, ... in der Weisheit der Bücher ..."
Hier stockt der Adlige und blickt etwas unsicher in die Runde.
Lyrian betrachtet kurz das blutrote Getränk in seinem Glas, doch dann erhebt er es ein wenig und prostet allen zu.
"Auf Rahja, die Schönheit der Geweihten hier, Bücher, Musik und auf dass der Kirschlikör uns nicht zu sehr zu Kopf steigen werde!" sagt er lächelnd und führt dann das Glas zu seinen Lippen.
'Ich hoffe, der Comte stellt mich gleich seinen Begleitern vor. Einfach vorzupreschen und mich ihnen mit meinem Namen aufzudrängen erscheint mir doch etwas zu impertinent."
"Ja, auf die Holde Schönheit!" ergänzt Wulff, auch er erhebt ein kleines Likörgläschen, und entleert es dann in einem Zug.
'Nicht gerade schlecht, aber der Wein ist doch eher mein Fall...'
Dann wendet er sich direkt an Frizzi.
"Nun, Comte, wen habt Ihr da denn hergeleitet, einen weitgereisten Sangesmann will mir scheinen?"
Mit einem freundlichen Grinsen im Gesicht nickt Wulff dem Spielmann zu, und fährt mit süffisantem Lächeln ('das wäre ja fast was gewesen, vorhin im Becken') fort:
"Ihr..."
'...könnt Euch wohl wirklich in kürzester Zeit aus Opfern neue Freunde machen.'
Wulff zögert kurz und deutet dann auf zwei der drei leeren Liegen in unmittelbarer Nähe.
"...solltet Euch vielleicht diese Liegen wählen, mir scheint, sie eignen sich recht gut, um den gesammten Raum im Blick haben zu können. Vielleicht haben wir Glück und können noch einer Vorführung beiwohnen, in den Tempeln der holden Göttin wird viel und gerne getanzt."
Auch der Adlige führt das Glas mit der Linken an die Lippen und nippt kurz, kaum genug um den fruchtigen, schmackhaften Kirschlikör wirklich zu schmecken, bevor auf Wulff eingeht.
"Oh, ja, ein Tanz, das wäre schön."
Di Vespasios Blick gleitet kurz durch den Raum, den er bisher nicht wirklich hat würdigen können. Doch auch jetzt wartet noch eine versprochene Pflicht auf ihn.
"Aber vorher, Euere Gnaden, wohlgelehrter Herr, darf ich noch die Ehre beanspruchen, den Barden Lyrian Nachtigall vorstellen."
Sein Blick geht kurz über die beiden Geweihten und zum Magus, bevor er sich freundlich lächelnd mit einer leicht deutenden Handbewegung wieder dem neu Hinzugekommenen zuwendet.
"Wie wir festgestellt haben, war er Hauslehrer bei einem guten Freund, Baron Shumir. Er ist jetzt auf dem Weg in den Norden und hat versprochen mir einige Neuigkeiten aus meiner Heimat zu erzählen. Und dies sind Magus Ottam Trosson, Seine Gnaden Wulff Onaskje und Ihre Gnaden Yria, die Vorsteherin dieses Tempels."
Eine vorzüglich und nahezu perfekte Vorstellung, vielleicht mit dem kleinen Fehler, daß die Beteiligten fast nackt sind.
Lyrian Nachtigall leistet eine nahezu formvollendete und gegenüber den anderen drei Personen standesgemäße Verbeugung ab - aber auch nur nahezu, denn die Nacktheit ist bei dieser Geste schon ein wenig seltsam.
Doch dann stockt Lyrian.
"Oh nein, ich bin nicht auf den Weg in den Norden," korrigiert er Frizzi.
'Wann habe ich so etwas erwähnt? Wahrscheinlich glaubt er das, weil ich zuletzt beim Baron verweilt habe und eigentlich wären wir ja auch weiter nach Norden gereist, wenn... '
Lyrians Miene verfinstert sich leicht.
"Ich bin eigentlich schon wieder auf dem Weg in den Süden. Genauer gesagt suche ich hier in Havena ein Schiff, mit dem ich weiterreisen kann."
Mit diesen Worten nimmt er auf einer der ihm dargebotenen Liegen Platz.
Auch di Vespasio besetzt eine der Liegen, balanciert dabei vorsichtig sein Glas, während er den Stock an das Kopfteil der Liege lehnt.
'Nicht nach Norden? Aber wie ... ? Sagte er nicht er war beim Baron in Dienst? Wieso will er dann in den Süden?'
Den Adligen drängen zwar einige Fragen, aber noch will er erst den gerade Vorgestellten Gelegenheit geben, einige höfliche Floskeln auszutauschen.
"Nun, auf jeden fall freue ich mich, Eure Bekanntschaft zu machen, und zusammen mit Euch die Genüsse dieses Tempels zu erforschen."
'Ein Schiff nach Süden sucht er? So viele fahren derzeit gar nicht, soweit ich weiß.'
"Und wer weiß, vielleicht haben wir ja das Vergnügen Eurer Bekanntschaft über diese Stunden hinaus, denn auch wir reisen derzeit nach Süden. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß wir uns noch einmal sehen werden. Und vielleicht werdet dann sogar Ihr es sein, dessen Kunstfertigkeit wir lauschen werden, in einem Gasthause, auf einem Festplatze oder gar in einem Fürstenhofe. Äh, sagtet Ihr bereits, zu welchem Ort Ihr reisen wollt?"
'Hatte er nicht gerade so etwas...'
Und noch ein wenig weiter schweifen Wulffs Gedanken.
'Ob es noch mehr dieser hübschen Tempeldienerinnen gibt?'
Lyrian macht es sich auf der Liege bequem, stellt das leere Likörgläschen auf einem Tisch ab, schüttelt kurz ein Kissen zurecht und 'knautscht' es dann so, dass er sich darauf mit seinen Armen abstützen kann.
"Erstmal nur runter in den warmen Süden. Ich werde wohl sowieso in mehreren Etappen reisen müssen, da ich nach Anchopal muss und es gibt wenige Schiffe, die eine so lange Fahrt von Havena nach Khunchom machen."
'Gibt es überhaupt irgendwelche, die so einen langen, gefahrvollen Weg nehmen würden? Wenn ja... vielleicht wäre ich auf einem Kahn, der sowieso zum Untergehen verurteilt ist, besser aufgehoben!'
Lyrian betrachtet gedankenverloren, wie seine langen, schlanken Finger mit einem Troddel an dem Kissen spielen.
"Aber ich bezweifle, dass ich noch irgendwo musizieren werde," sagt er mehr zu sich selbst.
'Eigentlich verrückt... aber ich mag nicht mehr!'
"äh," schnell versucht er wieder das Thema zu wechseln, "wie reist ihr nach Süden? Per Schiff oder per Kutsche?"
Yria verfolgt das Gespräch zwischen den Herren stillschweigend. Aber in Gedanken ist sie nicht ganz bei der Sache. Stattdessen fragt sie sich, wo Marueca bleibt, die doch eigentlich schon soweit sein müsste.
'Vielleicht liegt es am Kleid. Bis sie da alles so sitzen hat, wie es sein soll, mag sicher einiges an Zeit vergehen. Sie wird sicher gleich kommen und mit dem Tanz beginnen.'
Sie nimmt auf einer der Liegen Platz und sieht sich im Tempelraum um. Alle scheinen soweit 'versorgt' zu sein und um die vier Herren wird sie sich kümmern. Aber diese sind im Moment ja sowieso in ein Gespräch verwickelt und dabei möchte sie nicht stören.
Dennoch haßt sie es, wenn sie untätig dasitzt und so nimmt sie sich eine Karaffe mit einem Rosé, ein paar entsprechende Gläser dazu und nähert sich wieder dem Grüppchen.
Ohne ein Wort zu sagen, damit sie nicht stört, gießt sie ein Glas von dem Wein ein und blickt als erstes fragend zu Wulff, dann zu dem Rest der Gruppe, so als wenn sie stumm fragen möchte, ob jemand etwas davon trinken möchte.
IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Gespräche im Reich der 'Stute' - Ottam und Lyrian
Ohne zeitdruck nimmt Ottam den Duft des Likos auf.
'Ja das scheint mir ein wahrlich gutes Tropfchen zu sein' denkt er sich und leert den edlen Trunk wie die Anderen bereits zuvor in einem Zug.
Dann blickt er zunächst wieder zu Yria denn es ist ihm nicht entgangen, dass sein Kompliment die beabsichtigte Wirkung gezeigt hat, weswegen er ihr ein wohliges Lächeln entgegen bringt.
Die Rahjani scheint jedoch gerade über etwas nachzudenken, so das der Magus seine Aufmerksamkeit dem neu hinzugekommenen Gast widmet. Dieser redet von der Suche nach einem Schiff in den Süden und da kann er nicht anders, sein Geschäftsinteresse bricht durch und er spricht den Barden an.
"Wenn ihr ein Schiff in den Süden sucht, so habt ihr Glück, wir alle sind mit eben so einem Schiff hier in Havena vor Anker. Die NORDSTERN, deren Schiffsmagus ich bin, fährt soweit in den Süden wie es eben geht, bis nach Brabak, um genau zu sein."
"Brabak?!"
Lyrian zieht eine Augenbraue leicht hoch, denn das, was er bisher immer über diese Stadt im speziellen und dem tiefen Süden im allgemeinen gehört hatte, war nie sonderlich schmeichelhaft.
'Mukhadin sagte immer, Brabak und Al'Anfa wären voller Analphabeten und Barbaren, die sich besonders am Tod anderer ergötzen. Menschliche Hunde hatte er sie genannt und dann noch hinzugefügt, dass das sogar eine Beleidigung für Hunde wäre!'
"Bis nach Brabak... das erscheint mir vorerst weit genug. Unterwegs lässt sich sicherlich ein Schiff finden, dass einen der tulamidischen Häfen ansteuert."
'Und warum eigentlich nicht mal Brabak? Ich war dort noch nie.'
Lyrian nimmt ein Glas Wein, den Yria anbietet, mit einem leisen "Danke" an. Ohne genau auf das zu achten, was er gerade macht, riecht er kurz an dem Wein und schwenkt ihn dann vor dem Licht einer kleinen Kerze. Dann erst nimmt er einen Schluck und lässt diesen einen gewissen Moment in seinem Mund verweilen, damit sich der Geschmack des Weines auch gut entfaltet.
'Unterwegs hätte ich sehr viel Zeit. Zeit, um mein Buch zu Ende zu lesen und um vielleicht ein wenig zu zeichnen, wenn es mir denn gelingt. Hmmmmm, etwas guter Käse zu dem Wein wäre jetzt nicht übel.'
Keine Frage - der Wein schmeckt gut, wenn auch fast ein wenig zu trocken für Lyrian und so schluckt er ihn hinab, um gleich darauf einen weiteren Schluck zu nehmen, den er aber nun 'normal' trinkt.
"Tja, warum nicht. Wenn noch Platz auf eurem Schiff ist, dann würde ich gerne eine Passage buchen."
Doch da gibt es noch etwas, das Lyrian neugierig gemacht hat.
"Ihr sagt, ihr seid der Schiffsmagus. Was genau macht eigentlich ein Schiffsmagus?"
In seinen Gedanken sieht Lyrian Ottam an der Reling stehen und einen Feuerball nach dem anderen auf riesige Seeschlangen 'schießen'...
und er nimmt wieder einen Schluck, wenn auch nun einen etwas größeren.
An Lyrian gewendet antwortet der Magus
"Ja Brabak, von dort aus sind weitere Schiffsverbindungen nach Osten bzw. Nord Osten häufig zu bekommen."
Dann fähert er fort:
"Als wir das Schiff verließen waren noch einige Plätze frei, da Havena das Ziel mehrerer Gäste war, ich denke das sicher noch ein Platz für euch frei ist. 100%ig kann dies nur der momentan auf der Brücke befindliche Offizier sagen. Aber wenn ihr mögt könnt ihr uns ja nachher auf dem Rückweg begleiten"
Die Antwort auf Lyrians zweite Frage ist schon etwas komplexer.
"Nun, Als Schiffsmagus ist man vieles in einer Person. Man ist der Gelehrte, der Heiler, Mitglied der Schiffsführung und vieles mehr. Magie spielt dabei gar nicht so oft eine Rolle, aber wenn, dann meist eine entscheidende, sei es im dichtesten Nebel die Suche nach versteckten Hindernissen, die Heilung von Matrosen die sich bei der schweren Arbeit verletzt haben oder auch bei der Abwehr von Seeräubern, letztere sind, den Zwölfen zum Dank, nicht so häufig, wie sie in den Geschichten der Seemänner auftauchen, dennoch sind sie eine reale Bedrohung für jedes Schiff."
Lyrian nickt, als Ottam ihm vorschlägt, sie später zum Schiff zu begleiten. Dafür aber zerstört der Magus unwissentlich ein paar Vorstellungen die Lyrian von Magie und ihrem Einsatz im alltäglichen Leben hat.
"Aha...," kommt es nachdenklich langsam über seine Lippen, "Heilen und so. Hmmm... "
'Ich weiß so wenig über Magie und das, was ich weiß, kenne ich nur aus tulamidischen Geschichten.'
Der Barde trinkt den Rest aus seinem Glas aus und während er weiter redet, greift er nebenbei zu einer Karaffe, um sich noch einmal Rotwein einzuschenken.
"Aber ihr habt doch sicherlich nicht nur solche Sachen wie Heilen und so erlernt. Ich kenne mich mit der Materie nicht so gut aus, aber... ihr setzt doch sicherlich auch Dschinne bei euerer Arbeit ein, oder?"
Kaum, dass der Satz zünde gesprochen wurde, trinkt Lyrian auch schon wieder einen guten Schluck des edlen Tropfens, der sich in seinem Kelch befindet.
'Oh, der ist besser! Die Karaffe sollte ich mir merken!'
'Worauf will er hinaus' denk sich Ottam, der zugleich ein wenig von den Geschehnissen um ihn herum abgelenkt wird.
"Nun ein Dschinn ist ein mächtiges und nicht zu unterschätzendes Wesen. Es wäre Frevel es für alltägliches einzusetzen, selbst ein Flaute rechtfertigt dies erst bei absoluter Ausichtslosigkeit und zur Neige gehenden Vorräten. Ein Umstand der auf der NORDSTERN kaum eintreten dürfte."
Nach einer kurzen Pause fährt er fort.
"Die Magie kennt viele Sparten und auf meinen Reisen habe ich viel Gelegenheit sie zu studieren, Wisst ihr die Spektakulären Zauber, wie Feuerbälle oder eisige Kälte sind effektive Waffen, doch wahrhaft mächtige Zauber sind diejenige die und Wissen schenken. Wissen kann viel mehr bewegen als manch einer glaubt"
Während der Magus seinen Blick auf den Barden richtet, nimmt er noch einen Schluck von Wein, der ihm vorzüglich mundet.
'Ich muss mich wundern, dass ein Mann wie er einer zu sein scheint in Sachen Magie die Effekthascherei zu bevorzugen scheint.' denkt er sich.
"Ja, natürlich," antwortet Lyrian leicht enttäuscht dem Schiffsmagus und nimmt noch einen Schluck von dem köstlichen Wein.
'Puh, ist mir warm!'
Ein wenig nachdenklich blickt er in sein Weinglas.
"Versteht mich nicht falsch! Ich finde es sogar sehr löblich, dass ihr euch in erster Linie auf euer Wissen stützt, um den Menschen auf dem Schiff zu helfen. Aber ich bin nun mal sehr an Magie und all das, was damit zusammenhängt, interessiert."
Lyrian schwenkt den Wein im Kelch ein wenig, bis sich kleine Wellen bilden. Wie ein rotes, leicht aufgewühltes Meer wirkt das Getränk nun und würde der Barde sich nicht gerade im Gespräch mit dem Schiffsmagus befinden, sondern noch mehr trinken, dann würde es sicher auch nicht lang dauern, bis er dort ein kleines Schiff sehen würde...
"Wisst ihr, meine Mutter war eine Halbelfe. Ich habe aber die Gabe, Magie zu wirken, nicht geerbt. Leider."
Mit einem weiteren Schluck nähert sich der Kelch weiter seiner Inhaltslosigkeit.
"Das ist sehr schade, doch habt ihr die Möglichkeit euch im theoretischen Bereich der Magie zu beschäftigen, was interessiert euch den am tiefgreifensten an der Magie?" antwortet der Magus auf die Worte seines Gesprächspartners.
Dann erkennt er die hübsche Geweihte, die den großen Raum betritt und er kann nicht anders als ihr äußerst anerkennende Blicke und ein herzliches Lächeln voller Vorfreude zuzuwerfen.
"Theorie... "
Man hört schon aus dem einen Wort heraus, wieviel Lyrian an der theoretischen Magie liegt, doch bevor er noch mehr sagen kann, wird seine Aufmerksamkeit vom Magus abgelenkt und er betrachtet die schöne Rahjani, die in den Raum gekommen ist. Auch der Wein in seinem Kelch beruhigt sich langsam wieder.
'Hmm, wirklich sehr schön. Sieht nur etwas nervös aus.'
Dennoch hat Lyrian seine guten Manieren (noch) nicht verloren und so wendet er sich, wenn auch leicht abgelenkt durch die Geweihte, wieder Ottam zu.
Nebenbei hört er noch, wie der Halbelf beginnt auf zwei Trommeln einen Rhythmus zu spielen, und aus den Augenwinkeln sieht der Barde, wie die Geweihte Position einzunehmen scheint, indem sie, passend zu den Trommeln, kurz zwei Zimbeln, die sie an den Fingern trägt, erklingen lässt und die Arme in weichen, langsamen Bewegungen graziös erhebt.
"Ich hatte mich schon ein paar Male an einer autodidaktischen Lehre versucht, aber die Bibliotheken der Akademien blieben mir, als einfacher Bürger und Laie, leider oft verwehrt."
Noch einen letzten Schluck nimmt er aus dem Weinkelch, wobei sich das Wärmegefühl wieder etwas verstärkt und seine Wangen anfangen etwas rötlicher als zuvor zu schimmern. Sein Blick geht unwillkürlich zu der Tänzerin und er sieht, wie sie ihre Hüften unendlich langsam kreisen lässt, die Augen dazu geschlossen, als wenn sie einer inneren Musik lauschen würde und auch den restlichen Körper in zeitlupenartigen Bewegungen tanzen lässt.
Ohne seine Augen von ihr zu nehmen, greift er zu einer Karaffe, die in seiner Nähe steht und von der er ausgeht, dass aus dieser der köstliche Wein von eben stammt. Ein weiteres Mal gießt er sich etwas ein, ohne zu bemerken, dass das Getränk nun eine bräunlich-goldene Flüssigkeit ist.
Nur kurz blickt er wieder zurück zu Ottam, doch ihre an Geschwindigkeit langsam, aber stetig zunehmenden Tanzschritte und -bewegungen, fesseln ihn mehr und mehr.
"Ich denke, letztlich fehlt mir auch wohl das gesamte Verständnis für die Vorgänge. Ich bin wohl eher für die Musik und all die anderen schönen Dinge des Lebens geboren."
Passend zu seinen Worten, hebt er das gefüllte Weinglas hoch und betrachtet wie durch eine goldene, verzerrte Scheibe die tanzende Geweihte. Die Nervosität scheint offenbar ganz und gar von ihr abgefallen zu sein. Einen sinnlichen Blick hatte sie ihm, Lyrian, eben kurz zugeworfen.
Ihr zulächelnd senkt er das Glas in Mundhöhe, nimmt einen ordentlichen Schluck und stellt dabei unangenehm fest, dass solch eine Menge Weinbrand auf einmal, nicht unbedingt zu den angenehmsten Dingen gehören, die einem durch Hals und die Brust hinunter in den Magen laufen können.
Interessiert hört Ottam den Ausführungen Lyrians zu, dennoch fällt sein Blick immer wieder in Richtung der Tänzerin, bis er sein Sitzposition schließlich so verändert, dass er sowohl sie relativ leicht betrachten kann, jedoch dabei nicht unhöflich den Blick von seinem Gesprächspartner abwenden muss.
"Nun, da sprecht ihr in der Tat ein Problem an, jedoch gibt es ein Gebiet der Magie, welches ich selbst als eines meiner großen Forschungsziele betrachte, in dem man, auch ohne die Möglichkeit eigene Zauber zu wirken, viel erreichen kann. Es handelt sich dabei um die Erforschung magischer Pflanzen. Wisst ihr, solch lange Reisen wie die der NORDSTERN bieten sich geradezu an Pflanzen zu studieren, die in der Heimat nicht oder nur schwerlich zu kultivieren sind."
Lyrian hält zwar mit seiner rechten Hand immer noch sein Weinglas, mit der Linken krallt er sich allerdings krampfhaft in sein Kissen fest. Tief holt er Luft, dann geht es wieder etwas, auch wenn ein ungutes Gefühl in der Magengegend zurückbleibt.
'So was trinke ich zu selten. Puh, und gegessen hatte ich heute eigentlich auch noch gar nichts recht.'
Langsam entspannt sich der Barde etwas und stellt vorsichtig das filigrane Glas auf den Tisch ab. Zudem schenkt er wieder den Menschen um sich herum seine Aufmerksamkeit. Die schöne Tänzerin, die gerade die Zimbeln im Tanz rasch ablegte, auf ein Kissen schmiß und sich nun ein paar Mal schnell drehte, wobei sie ihre Weste geübt auszog...
Ach, und da sind ja noch die drei Herren, von diesem Schiff... wie auch immer das hieß...
Sich mit der Hand kurz etwas Luft zuwedelnd dreht sich der Barde wieder zu dem Magus. Die Röte auf seinen Wangen hat scheinbar noch etwas weiter zugenommen und ein leicht weinseliges Lächeln ziert sein Gesicht.
"Ganz schön warm hier drin!"
IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Lampenfieber und anderes
Grüne Augen verfolgen die Linien des Holzbodens bis sie wieder an ein Paar nackter Füsse ankommen. Tief in sich lauscht Marueca und sucht nach etwas, was sie scheinbar verloren hat. Leidenschaft und mehr... all das hatte sie gefühlt, als sie diesen Tanz zum ersten Mal probiert hatte, nahm gar nicht mehr das wahr, was um sie herum geschah und folgte nur noch der inneren Stimme.
'Ist das mein Problem? Ich höre nicht mehr auf diese innere Melodie, wenn ich tanze. Ich höre nur noch auf das, was durch mein Ohr dringt und mühe mich ab, damit ich auch jeden Schritt richtig mache. Aber ich finde bei alledem diese Melodie nicht mehr wieder.'
Wieder schweift ihr Blick auf dem Boden entlang.
'Mama würde mich schelten... Sie war immer so stolz auf mich und mein 'Talent'. Aber wo ist es jetzt, dieses Talent?'
Marueca denkt zurück an eine Zeit, bevor sie Geweihte wurde. Sanfte Hügel kommen ihr in den Sinn, ein breiter Fluss, in dem abends der Mond sich spiegelt, ein Lagerfeuer, fröhliche, zwanglose Menschen...
Langsam beginnt sie die Hüften ein wenig zu bewegen, so als wenn sie noch nicht so sicher wäre, ob es richtig ist. Ein leiser, vorsichtiger Klatscher in der Hand, ein zaghaftes Aufstampfen mit dem Fuss...
'Das war das erste Mal, wo ich den Sinn und die Bedeutung des Tanzes wirklich verstanden hatte.'
Ein paar schnellere Klatscher, ein paar schnelle Schritte...
'Ich war damals vollkommen in mein Element und hatte mich um nichts mehr gekümmert.'
... schneller und schneller ...
'So wie jetzt... '
Marueca lässt sich auf ihr Bett fallen, wobei ihr Schmuckkästchen nach unten purzelt und den restlichen Inhalt auf den Boden verteilt.
'Aber: schaffe ich es auch vor Publikum?'
Nackte Füsse tapsen leise über einen Gang hin zu einer Tür, die lediglich mit einem roten Vorhang 'geschlossen' ist. Einen kurzen Moment verharrt Marueca neben dem Eingang zum grossen Tempelraum und lauscht den Geräuschen. Dann aber wagt sie mehr und schiebt den Vorhang nur ganz leicht zur Seite, damit sie wenigstens etwas vom Tempelraum sieht.
'Die drei Männer, ein weiterer Mann, dann dieser Abenteurer oder was auch immer er ist und die Frau Ehrenbrecht aus der Nachbarschaft... Das reicht mir auch an Publikum!'
Vorsichtig schließt sie den Vorhang so, damit es niemand bemerkt. Dabei fällt ihr ein Schleier, der noch zuvor an ihrem Kleid hing, hinab. Rasch hebt sie ihn auf und befestigt ihn wieder an der Stelle, wo er zuvor hing.
'Soll ich es wagen? Was, wenn mich alle anstarren? Oder wenn jemand darüber lacht? Oder... wenn niemand zusieht und mich nicht beachtet? Eigentlich ist diese Ignoranz noch schlimmer als Anstarren.'
Marueca steht noch einen Moment hinter dem Vorhang da, atmet tief ein und aus. Sie spürt, wie ihr gesamter Körper vor Aufregung kribbelt. Ein kalter Schauer nach dem anderen läuft geradezu genüßlich ausgiebig ihren Rücken hinab und hinterlässt einen Gänsehaut.
Doch dann kommt wieder Bewegung in die Geweihte und sie öffnet den Vorhang endgültig. Fast wie in Trance geht sie in den großen Tempelraum hinein. Ihre Augen sind starr auf Felion gerichtet, der noch sein Lied auf der Harfe spielt.
Doch auch er hat sie gesehen und beendet mit wenigen Griffen passend das Lied. Rasch, aber nicht übereilt, steht er auf und holt aus seiner Ecke zwei tulamidische Trommeln hervor.
'Mach kein Fehler, Junge! Du müsstest den Rhythmus noch kennen!'
Marueca sieht fast so aus, wie sich wohl so mancher Mittelreicher oder sonst wer aus den nördlichen Ländern eine tulamidische, novadische oder aranische Prinzessin vorstellt: ein knappes, bauchfreies Oberteil aus rotem Stoff, darüber eine kurze Weste aus dunkelrotem Stoff, eine Art Rock aus Unmengen von einzelnen mehr oder weniger durchsichtigen Schleiern, der aber nichts von ihrem Körper preisgibt. Dazu noch noch Schmuck bestehend aus einem dünnem Lederband mit einem kleinen, Bronzeanhänger, in dem wiederum ein Hämatit im zarten Licht des Tempels glänzt, ein Messingarmband, das mit einem Fingerring aus dem selben Material verbunden ist und ein Oberarmreif aus polierter Bronze. Ihr rotbraunes Haar hat sie sorgfältig gebürstet, so dass es nun wie alanfanische Seide glänzt und, bis auf ein paar einzelne, kleine Flechtzöpfchen, trägt sie es offen.
Ihre grünen Augen suchen nervös die Gesichter der Besucher im Tempel ab.
Ist da vielleicht Spott zu sehen?
Unsicher denkt sie an ihre Hüften, die sie eigentlich viel zu breit findet, ebenso wie ihren Po. Und ihre Oberschenkel!
'Ich will hier raus!'
Aber sie kann nicht. Sie hat sich dazu entschlossen, in den grossen Tempelraum zu treten und zu tanzen. Wie würde das bloß aussehen, wenn sie nun einen Rückzieher machen würde?
***
Yria wiederum sieht doch etwas überrascht aus, als Marueca so urplötzlich in den Raum kommt. Sie bemerkt, dass die Rahjani noch etwas steif und unsicher dasteht und so nickt sie ihr aufmunternd zu.
'Nur zu! Du kannst es! Da bin ich mir sicher.'
***
Felion dagegen macht es sich mit den Trommeln auf ein großes Kissen gemütlich. Er kennt noch genau den Rhythmus, zu dem Marueca damals getanzt hatte.
Nur noch auf ein kleines Zeichen von ihr wartend sitzt er da und lächelt sie freundlich an.
***
Auch Dalena wird aus ihren Tagträumen von Reisen und Abenteuer gerissen. Den Tanz, den Marueca damals aus Fasar oder was auch immer das für eine Stadt war, hatte sie bisher noch nicht gesehen.
Der Abenteurer bei ihr richtet nun ebenso seinen Blick auf die noch unsichere Geweihte, geniesst aber dennoch die noch immer andauernde Massage von Dalena. Kann es vielleicht sein, dass er doch nicht die 'richtige' Geweihte erwischt hat?
'Die Kleine hier scheint sich zwar leicht zu beeinflussen, aber die andere in diesem Kostüm hat doch zwei ganz gut ausgeprägte Vorteile... '
***
"Ja, das habe ich auch schon gehört. Schon schlimm, wenn man nicht mehr sich... "
Aska wird im Plausch mit der Dame aus der Nachbarschaft jäh herausgerissen, als sie Marueca sieht.
'Bei Rahja! Sie sieht wirklich schön aus!'
IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Gespräche im Reich der 'Stute' - Onaskje und Di Vespasio
'Hej, das war dein Gesprächspartner. Na warte, gut, dann wirst du eben ihn auch ignorieren.'
So wendet sich di Vespasio dem Praiosgeweihten zu und stellt ihm eine Frage, die ihn schon länger beschäftigt hatte.
"Da wir ja gerade über Reiseziele sprechen, wohin wollte euer Gnaden eigentlich reisen? Auch bis Brabak?"
Mit interesse hört sich Onaskje das Gespräch des Barden an, schließlich scheint es möglich, daß er in Zukunft noch mehr mit ihm zu tun haben könnte. Aber nun ist wieder volle Aufmerksamkeit gefragt.
"Ja, es ist tatsächlich so, daß auch ich bis nach Brabak reisen werde. Den Süden kenne ich zwar schon ein wenig aus früheren Reisen, die Stadt Brabak jedoch noch nicht sonderlich gut. Ich war erst einmal da..."
'Aber das war wirklich eine - interessante Erfahrung.'
"...aber so viel sollte sich wohl nicht verändert haben, seit meinem Besuch vor drei Götterläufen. Ihr wißt nicht etwa zufällig, ob der Präfekt Jascan von Pelis noch der Kommandant der Stadtgarde ist?"
Das freundliche Lächeln auf Wulffs Gesicht läßt in keinster Weise darauf schließen, daß Wulff mit von Pelis seine Schwierigkeiten hatte - korrupt und selbstherrlich wie der Kerl war. Und dummerweise waren beide an einer vorübergehend in der Stadt weilenden jungen Frau interessiert. Das zumindest Wulff nur recht oberflächlich an der Dame engagiert hatte den Kommandanten nicht wirklich abgehalten Schwierigkeiten zu machen.
"Nein, leider, ich muß gestehen, daß der Name mir nichts sagt."
Di Vespasio richtet sich von seiner Liege wieder auf, um ein wenig die Kissen in seinem Rücken neu aufzuschichten. Dann legt er sich wieder, ganz entspannt, zurück und greift zum Glas.
"Allerdings war ich auch immer froh, keine Bekanntschaft mit der Wache zu machen, meist haben mir die Zollbehörden schon gereicht."
'Es ist ganz erstaunlich, wie sie es ihnen in den Tempeln der Rahja immer gelingt, eine solch warme Luft zu erzeugen. Ob es wohl mit den Farben zusammenhängt? Vielleicht macht Rot ja heiß? Dann, mein lieber, könntest du ja den Wintergarten mit den roten Tapisserien aus der Halle einhängen lassen.'
"Ist er ein guter Freund eurer Gnaden?"
"Oh nein! Es ist vielmehr so, daß er ein - hm, ein 'geliebter' Feind ist. nicht wirklich, versteht Ihr? Aber er ist ein rechter Hitzkopf, nicht schlau, aber sich einer Stellung bewußt, von der er meint einen willkürlichen Machtanspruch auf Auswärtige ableiten zu können. Wir interessierten uns damals beide für die selbe weibliche Bekanntschaft. Es endete für uns beide ohne den gewünschten Erfolg, nämlich mit einem klärenden Glas guten Weines für mich und einer schallenden Ohrfeige für ihn, in meiner Gegenwart... Ich konnte - und wollte - ein Lachen nicht unterdrücken..."
Kurz zögert Wulff, um dann doch fortzufahren.
"Und anschließend gab es noch endlose Diskussionen und unverschämte Bußen von mehreren dutzend Silberlingen auf der Wache um nicht in den Arrest zu müssen, wegen Beleidigung in der Öffentlichkeit. Naja, der Gesichtsausdruck dieses Einfaltspinsels war das gute Geld schon fast wieder wert."
Kurz gleitet Wulffs Blick durch den Raum und bleibt an dem Vorhang hängen. 'Nanu, versteckt sich dort etwa eine Geweihte? Nein, vielmehr scheint sie mir zu beobachten. Vielleicht ob es uns an nichts fehlt? Oder ist sie etwa schüchtern?'
Aufmunternd und unauffällig nickt Wulff dem fast verborgenen Schatten zu, fast nur mit den Augen. Denn daß es sich um eine Geweihte handelt, dessen ist er sich sicher, hat er doch die roten Stoffe gesehen.
Nach einem kurzen Augenblick fährt er fort.
"Aber ich weiß nicht, wie es um ihn bestellt ist, vielleicht sinnt er nicht weiter auf seine kleinen nichtigen privaten Rachzüge, aber so wie ich den Mann einschätze wird er weiterhin versuchen, mir Schwierigkeiten zu machen. Und das könnte ihm durchaus gelingen."
Forschend schaut Wulff dem Comte ins Gesicht. Ein Geck ist er, ohne Zweifel kein 'Mann' der in wesentlichen Dingen für sich selber sorgen kann. Doch wenn sich sein Reichtum auf seinen Geschäftssinn gründet, muß er zumindest in dieser Disziplin fast unschlagbar sein. Und gewiss verfügt ein einflußreicher Geschäftsmann über eine Menge nützlicher Kontakte. Nur - wie weit kann man solchen Geschäftsleuten trauen?
"Es sei denn - vielleicht..."
Wulff rückt sich auf seiner Liege zurecht, um es sich bequemer zu machen. Anschließend ist sein Kopf ein Stück näher an den des Comte gerückt. Sich vergewissernd, daß die anderen gerade nicht besonders auf ihn achten fährt er leise fort:
"Werter Comte, wenn Ihr es gestattet, möchte ich Euch eine Frage stellen, eine intime Frage, die Ihr mir wahrheitsgemäß beantworten müßt, es sei denn Ihr sagt mir dann gleich, daß Ihr sie leiber GAR NICHT beantworten wollt. Bedenkt dies bitte, bevor Ihr mir gestattet, diese Frage zu stellen. Andererseits möchte ich noch hinzufügen, daß mir an einer Antwort Eurerseits sehr viel läge."
Durchdringend schaut er den Comte an.
Die Geschichte der Brabaker Ereignisse verfolgt di Vespasio mit Amüsement. Schließlich ist es erfreulich zu hören, daß nicht nur man selbst die Verhältnisse an der Südspitze des Kontinents für korrupt und niederträchtig hält, sondern auch andere in deren Mühlen geraten sind.
Als der Geweihte beginnt sich merkwürdig zu verhalten, ja geradezu nach Verschwörerart näher rückt, bleibt der Adlige nach außen hin entspannt und nimmt noch einen kleinen Schluck des köstlichen Likörs, bevor er ruhig antwortet. Innerlich jedoch ...
'Was wird denn das? Ein Praiot, der dich zur Ehrlichkeit auffordert. Das muß eine Warnung sein. Ob er von ´Elixiere´ erfahren hat? Die Siegel waren doch intakt. Oder ein Verhör? Geht es um die Dodekanaer?
Verfluchter Tempelbesuch! Überall sonst hättest du dich seiner Gnaden entziehen können, jetzt stehst Du ohne Rock im Regen. Von Hemd und Hose ganz zu schweigen. Geschickt eingefädelt. Warum warst du nur so unvorsichtig.'
"Aber ich bitte euch, euer Gnaden. Natürlich beantworte ich euch gern jede Frage. Schließlich haben wir schon gestern gemeinsam für einen perfekten Tag des EFFerd gesorgt, da sollte uns Travia doch nicht weniger wert sein."
Freundlich gelangweilt erwidert di Vespasio den Blick Onaskjes. Auch seine Hand mit dem Glas zittert nicht, lediglich die freie Hand ist zur Faust geballt, wenn auch unauffällig.
"Es freut mich das zu hören, wirklich." entgegnet Wulff. Jetzt gilt es sorgsam die Formulierung zu wählen und aufmerksam zu beobachten. Rasch und mit gesenkten Wimpern gleitet Wulffs Blick über Frizzi, sieht auch die scheinbar zufällig zur Faust geballte Hand.
'Sieh an, was erwartet er wohl, was ich fragen möchte?'
"Es ist so. Ein Mann welcher über - Fähigkeiten ähnlich den Euren verfügt, könnte bei einem gewissen Projekt, mit dem ich zu tun habe, hilfreich sein, allerdings dürfte seine Loyalität nicht durch ältere, ähnlich schwerwiegende Ansprüche gebunden sein. Dies ist zur Vermeidung von Interessenskonflikten unabdingbar. Ihr versteht was ich meine? Ich meine, wir sind hier im Tempel von einem der Zwölfgötter, aber auch anderen wird die verdiente Aufmerksamkeit gezollt. Ab einem gewissen Grad der Verbundenheit jedoch - schließt es sich aus, den gleichen oder einen höheren Grad des Vertrauens mit einer weiteren, hm, Institution zu erreichen."
Der Geweihte des Praios atmet tief durch und lehnt sich wieder leicht zurück. Schnell und konzentriert nimmt er einen kleinen Schluck des geharzten Weines, der in einem Kelch vor ihm steht.
'Ich weiß nicht, ob ich deutlicher werden kann?'
"Versteht Ihr?"
Wieder mustert Wulff den Comte aufmerksam.
'Nein.'
Das würde di Vespasio wohl gerne antwortet, aber vermutlich ist diese Antwort nicht richtig.
"Jja... hm .."
'Fähigkeiten? Projekt? Ältere Loyalität? Schwerwiegende Ansprüche? Andere Zwölfgötter? Rahja? Oder Travia? Du meine Güte, er will doch nicht mit dir...? Hier?'
Für einen Moment muß di Vespasio schlucken und seine Augen weiten sich unmerklich, in verschreckter Erinnerung an einen längst vergessenen Tag, als die Welt noch ohne Grenzen war, bevor der Südländer sich wieder unter Kontrolle hat und gelassen den Likör etwas im Glas schwenkt, wie manche es tun, wenn sie Kraft für ein wahres Wort sammeln.
'Nein, dafür schaut er die Geweihten zu interessiert an. Aber was dann?'
Di Vespasio löst seinen Blick vom Glas und läßt seinen Blick über den etwas neben ihm Liegenden gleiten. Und auch wenn ein leichtes, rotes Tuch vieles verdeckt, ist die physische Stärke dieses Mannes nicht zu übersehen. Ebensowenig, wie die Narben und damit die Tatsache, daß der Geweihte sie nicht bei religiösen, theoretischen Disputen oder in der Ehrenwache eines Hochgeweihten erworben hat.
Dann trifft sein Blick den eintätowierten, roten Greifen, der mit aufgerissenem Schnabel und scharfen Krallen aus einer Sonnenscheibe kommt, die schließlich den Adligen erleuchtet, wenn auch nur ein wenig.
'Praios! Natürlich! Er spricht von der Praioskirche und einem Auftrag! Aber wie solltest du gerade einem Bannstrahler und Krieger mit deinen Fähigkeiten dienen können?'
Di Vespasio hebt den Blick und schaut Wulff direkt an, ohne seinen freundlichen Ausdruck zu wechseln.
'Oder doch eine Falle? Die Kraft der Bannstrahler wäre im Osten viel besser aufgehoben, als im Westen uns Dodekanaer zu verfolgen. Was aber wiederum kein Hindernis wäre. Was sollst du nur antworten?'
"..hm.. ich, nun ja, ich bin nur ein einfacher Diener der Zwölf. Ich kann nicht sagen, daß ich bisher einem der ihren mehr zu Diensten war als einem anderen. Oder einer."
"Hm, ich verstehe."
'Ich muß wohl doch deutlicher werden, aber das geht nur unter vier Augen. Eventuell auf dem Rückweg? Oder vielleicht doch erst auf dem Schiff?'
"Nun, Götter und kirchliche Instanzen wären sicherlich diejenigen, an die auch ich zuerst denken würde. Natürlich kann es aber auch andere geben."
Wulffs Blick wandert kurz zu Ottam hinüber, um sich zu vergewissern, wie sehr dieser noch in das Gespräch mit Lyrian verwickelt ist. 'Zum Beispiel gäbe es noch Akademien und ähnliche Zirkel.' Behutsam formuliert Wulff die nächsten Sätze.
"Auf jeden Fall dürfte es nichts und niemanden geben, der die Möglichkeit hat, Euch zum Berichten über bestimmte Informationen zu bringen, oder dem Ihr Euch von Euch aus verpflichtet fühlt. Wie Ihr Euch denken könnt, geht es um eine, äh, Information, die die Praioskirche interessiert. Traditionellerweise hat meine Kirche gelegentlich Interessenskonflikte mit, zum Beispiel der des Phex."
Ein leichtes Lächeln huscht über Wulffs Gesicht. 'Und welcher Händler legt sein Glück nicht in PHExens Hand?' Dann fährt er leise fort:
"Aber wenn es tatsächlich so sein sollte, daß Ihr meiner Kirche einen kleinen Dienst erweisen wolltet, müßte ich darauf bestehen, daß Ihr Diskretion gegenüber jedwedem anderen Geist wahrt. Eine solche Zusicherung im Angesichte PRAios ist eine ernste Angelegenheit, das wißt Ihr, und bezeugt großes Verantwortungsbewußtsein."
'Und Verantwortlichkeit, denn PRAios hintergeht man nicht', ergänzt Wulff in Gedanken.
"Einer Information von solcher Vertraulichkeit und Wichtigkeit steht natürlich auf der anderen Seite ein beträchtlicher Betrag als Anerkennung gegenüber, den Auszuzahlen ich ermächtigt bin", erklärt Wulff gutmütig.
Nach einem Augenblick der Pause, in dem er wieder einen Schluck zu sich nimmt, ergänzt er:
"Oh, seht einmal, diese zauberhafte Tänzerin! Wir haben also wahrhaftig das Vergnügen einer solch schönen Darbietung beiwohnen zu dürfen."
Begeistert mustert Wulff die anmutige Dame.
'Und wer weiß, vielleicht wird sie sich anschließend noch um mich persönlich kümmern?' freut sich Wulff. Dann wendet er sich wieder direkt dem Comte zu.
Auch di Vespasio wendet der neu hinzugetretenen Schönheit zu.
'Oh, wie schön, ein Schleiertanz. Wie schade, daß gerade jetzt ...'
Wieder geht der Blick des Adligen zum Geweihten des Praios zurück.
'Zumindest ist er hinter einer anderen Sache her. Ob er einen deiner Kunden sucht? Demelionë? Jabar? Wie solltest Du ihm da helfen können? Oder die Falle ist so raffiniert angelegt, daß du die Widerhaken erst merkst, wenn sie tief in deinem Fleisch stecken. Ob es wohl angebracht ist, beleidigt zu sein? Vermutlich schon.'
Mit leicht sauer Stimme antwortet di Vespasio auf das unausgesprochene Angebot.
"Es ist keinesfalls so, daß die Loyalität eines jeden, der aus dem ein oder anderen Grund mit Waren oder Wissen handelt, per se käuflich ist."
'Nanu, wie kommt der Edelmann denn zu solchen Worten?'
Überrascht über den Tonfall des Comte überdenkt der Geweihte noch einmal, was er gesagt hat.
"Vielleicht sollten wir das Gespräch rasch beenden und an geeigneterer Stelle weiterführen."
'Er hat mich missverstanden.... Das einzige, was ich gesagt habe, ist doch, daß er für den Fall, daß er mir helfen möchte, mir vor Praios' Allgegenwart zusichern muß, zu niemandem ein Wort dringen zu lassen. Ich will doch nicht seine Loyalität erkaufen, ich will lediglich ein absolut diskretes Vorgehen zugesichert haben!'
"Werter Herr di Vespasio, ihr müßt mich da irgendwie falsch verstanden haben."
Freundlich aber ernst blickt Wulff den anderen an.
"Aber ich sehe schon, es ist sicherlich vernünftiger, dieses intime Gespräch in geeigneterer Umgebung fortzusetzen, alleine schon deshalb, weil wir sonst einen wahrscheinlich einzigartigen Auftritt verpassen werden."
Wulffs Finger gleiten zu seinen beiden Anhängern und fummeln wieder an ihnen herum. Wieder gleitet des Geweihten Blick über die entzückenden Geweihten dieses Tempels und verharren anschließend auch einen Wimpernschlag auf dem Barden, der gerade wieder einen Schluck zu sich genommen hat.
'Na, ob der Gute das auch verträgt?'
Anschließend blickt er sehnsüchtig auf den anderen Burschen, der sich einige Schritt beiseite genüßlich durchwalken läßt.
'Ja, das wäre jetzt was... So eine schöne Massage... vielleicht von diesem jungen Mädchen, dieser Geweihten, die zusammen mit Lyrian den Tempel betreten hat?'
Suchend schaut sich Wulff um, um zu sehen, was sie wohl gerade macht. Anschließend wendet er sich wieder dem Comte zu, um das Gespräch zu vertagen; die verschiedenen Blicke haben alle zusammen nur wenige Augenblicke in Anspruch genommen.
"Darf ich Euch noch ein wenig Wein nachschenken?"
"Ja, reinen Wein bitte."
Di Vespasios Gesicht zeigt jetzt wirkliche Verärgerung, die Augen sind zu schmalen Schlitzen verengt. Leise aber deutlich zischt er zwischen den Zähnen seine Erwiderung hervor.
"Was denken sich Euer Gnaden eigentlich, Sie könnte hier eine Reihe unzusammenhängender Andeutungen verlautbaren, die meine Person nacheinander als einen Anhänger verabscheuungswürdiger Kulte, als unseriöse Plaudertasche und schließlich käuflichen Handlanger zweifelhafter Moral darstellen und dann das Thema übergangslos wechseln und zu einer rahjagefälligen Annehmlichkeit überleiten?"
Sicherlich würde er normalerweise bei jedem Punkt mit seinem Stock auf den Boden schlagen. Dieses Mittels beraubt schlägt er statt dessen mit dem gestreckten Zeigefinger auf die Polsterung der Liege, was sicher nicht den gleichen Effekt auslöst, zumal bei jeder Bewegung auch das Gläschen mit dem Kirschlikör in der anderen Hand ein wenig erzittert und die sirupöse, rote Masse sich schwallweise über den Rand ergießt, die Außenwand herunter rinnt und seine Hand benetzt.
Dem Adligen selbst entgeht dieses Detail, er ist viel zu sehr damit beschäftigt, den Geweihten verärgert anzustarren.
"Das brauchen wir uns nicht gefallen zu lassen. Ich bestehe auf einer Erklärung. Jetzt ist euer Gnaden aufgefordert, die Wahrheit zu sprechen und keine Wahrheit zu verschweigen."
Kurz verharrt Wulffs Hand mit der Karaffe in der Hand, dann setzt er sie brüsk wieder ab. Er setzt sich aufrecht auf seine Liege, Ärger brandet in ihm hoch. Dieser unverschämte alte Knochen, was fällt dem eigentlich ein? Wulff will vorsichtig ein heikles Geschäft ansprechen und nach nur wenigen Augenblicken schon meint dieser Kerl pampig werden zu müssen, noch bevor er überhaupt weiß, um was es geht. Kein Ausloten, nichts. Kaum vorstellbar, das dieser Mann tatsächlich so ein erfolgreicher Geschäftsmann sein soll. Jedenfalls wäre er mit der selben Ungeduld in anderer Umgebung wahrscheinlich längst nicht mehr am Leben... Wulffs Gesichtszüge verhärten sich leicht, und abgesehen von einem leichten Kratzen ist seine Stimme neutral.
"Ihr wünscht die Wahrheit? Bitte, Ihr sollt sie hören! Eure Unterstellungen, ich würde Euch unter schlechten Leumund stellen sind absolut verfehlt, keineswegs habe ich irgendeine Eurer Vorwürfe geäußert - in meiner Position noch dazu! Ich wollte lediglich ein Geschäft vorbereiten, in dem Ihr mir mit Eurem Fachwissen als Handelsmann, Euren daraus resultierenden Beziehungen und Eurem Hintergrund der guten Bildung hättet helfen können, in einer Rolle als vertrauenswürdiger Vermittler."
Wulffs Tonfall wird noch eine Nuance spröder.
"Aus Eurer Reaktion schließe ich jedoch, das ich mich geirrt habe. Ich bedauere dies zutiefst und bitte um Entschuldigung, Euch damit belästigt zu haben, noch dazu an diesem Ort."
Kurz schließt Wulff die Augen.
'Rahja, verzeihe mir meine Verfehlung, ich bitte Dich inständig!'
"Entschuldigt!"
Mit pochendem Herzen steht Wulff auf, sein Blick geht bedauernd durch die schöne Tänzerin hindurch. Einen Augenblick lang überlegt er, ob es jetzt das Vernünftigste ist, den Tempel zu verlassen und an einem anderem heiligen Ort innere Einkehr zu finden, oder ob er eventuell doch bleiben soll.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen
Auch die Premer Fans starren mit angehaltenem Atem auf das Spielfeld. Von oben kann man deutlich sehen, daß sich etwas zusammenbraut. Das sieht nicht gut aus. Das sieht sogar richtig bös aus. Auch die ruhigen Naturen, die sich auf die mitgebrachten Fäßchen gesetzt und schonmal vorab den Sieg gefeiert hatten, stehen jetzt wieder und brüllen mit allen anderen Hinweise, nur jeweils unterschiedliche.
"ZURÜCK! ALLE ZURÜCK!"
"DIE MAUER! MACH DIE MAUER!"
"VOOOR! AAAAANGRIFF!"
"RAN! RAN DA! RAN!"
Zwar gibt es schon einige besonnene Spieler in den Reihen der Premer 'Pottwale', aber es gibt auch Spieler in der Nordmannschaft, die eine nahende Gefahr auch dann nicht ernst nehmen könnten, selbst wenn sie sich drohend vor ihnen aufbauen würde. Die beiden Frenhild's, sowohl die 'Fee' als auch die 'Tigerin' gehören im Augenblick aber weder zur einen, noch zur anderen Kategorie von Spielern. Doch sind sie es, welche die veränderte Situation als erste der 'Pottwale' hautnah erleben dürfen.
***
Chatal's Augen verengen sich zu kleinen Schlitzen udn er presst seien Lippen aufeinander, dass der Mundraum schon ganz weiß wird. Er wirkt zu allem entschlossen und er sammelt Kraft. Im Gegensatz dazu blickt Tibraide etwas rastlos in der Gegend herum. Man merkt es genau, sie fühlt sich nicht besonders wohl. Es mag sein, dass sie sich mit Chantal's Plan zur Offensive nicht so recht anfreunden kann, vielleicht geht es ihr aber auch nahe, dass es ihre Idee war die 'Pottwale' derart zu reizen, dass sie sich haltlos dem Angriff ergäben, um in der zweiten Halbzeit krafztlos eine leichte Beute der 'Bullen' sein würden. Niemals hätte sie mit einem solchen Spielstand gerechnet, niemals hätte sie geglaubt, jetzt und hier eine deratig riskanten Angriff mit einleiten zu müssen.
***
Rumpo macht sich über überhaupt nichts Gedanken. Er setzt um, was ihm der Kapitän aufträgt, das ist seine Aufgabe, das ist seine Stärke. Und nun hat ihn der Kapitän in die Spitze der Angriffslinie beordert. Platz machen, hat er gesagt, der Kapitän und das heißt im Prinzip nichts anderes, als alles umhauen, was sich in den Weg stellt. Rumpo liebt klare, verständliche Aufträge. Dahinter steckt gewiss ein Plan, dessen ist sich Rumpo sicher, aber einzelheiten interssieren den stämmigen Spieler nicht.
***
"JETZT!" zischt Chatal seinen Mitspielern zu. Dunvallo nickt grimmig und es geht los ...
***
'Jetzt!' hat er gesagt der Kapitän. Rumpo nickt grinsend und geht los
...
***
"Es geht los!" sagt Cun zu Cuil. Und der Bruder nickt erbleichend und treibt die Korkkugel vor sich her. Nicht lange und er schiebt den Ball zu Cun hinüber, der den Kork wieder ein paar Schritt voran treibt und dann wieder zu Cuil passt ....
***
Dies alles geschieht so blitzartig, dass die erste Linie der 'Pottwale' wie von einer Sturmflut getroffen nachgeben muss, sozusagen zerbröselt wie ein trockenes Brot unter der Faust eines Riesen.
Die 'Tigerin ist nicht einmal mehr dazu gekommen Dunvallo eine freche Bemerkung entgegen zu werfen. Es war kein harter Schlag den Dunvallo da ausführte, genau genommen hatte er die Hand noch nicht einmal zur Faust geballt. Er benötigte tatsächlich nur zwei Finger um die 'Tigerin' zu fällen. Er traf sie genau in der Körpermitte und raubte ihr dadurch für etliche Zeit die Atemluft, worauf sie, nach Luft ringend, zusammensackte. Dunvallo lächelte dabei milde. Er hatte sehr sorgfältig darauf geachtet, die schöne Tigerin nicht allzu sehr zu beschädigen, zumindest nicht an den Körperteilen, die er, gleich nach dem Spiel, noch zärtlich zu streicheln die Absicht hat. Er zuckte noch leicht mit den Schultern und lächelt die sich windende Gegnerin an.
"Nimm's nicht persönlich, betrachte es als Vorspiel!" flüstert er der Hilflosen zu und rennt weiter ...
***
Einer solche Nachsicht kann sich Frenhild, die 'Fee' nicht erfreuen. Rumpo rennt einfach über sie hinweg. Sie hat nicht den Hauch einer Chance den 'Brecher' aufzuhalten und begreift eigentlich die Situation erst halbwegs, als sie auf dem Rücken im Gras liegt und staunend den großen Fußabdruck auf ihrem Trikot, genau zwischen ihren Brüsten betrachtet und sich fragen muss, wie der denn da hingekommen sein könnte. Sie ist noch leicht benommen und bekommt fast nicht mit, dass Tibraide leichtfüßig über sie hinweg springt. Ebenso entgeht ihr, dass vor ihren Füßen Cuil zu Cun passt und der den Ball rechts an ihr vorbei führt, während Cuil auf der linken Seite der Liegenden vorbei rennt, um danach den Ball wieder von Cun zu empfangen. Klassischer kann man in so kurzer Zeit so oft nicht ausgespielt werden. Tränen der Wut und der Scham sammeln sich in Frenhilds Augen.
***
Auch die andere Frenhild ist nicht gerade in bester Laune. Schwer atmend erhebt sie sich und schaut zornig dem davon rennenden Dunvallo nach.
"Das hat ein Nachspiel, du Sack!" murmelt sie leise vor sich hin und macht sich dann stolpernd auf Verfolgungsjagd.
***
Immer weiter treibt sich er Angriffskeil der 'Bullen' in die Spielhälfte der 'Pottwale', begüsntig dadurch, dass viel der 'Pottwal'-Spieler viel zu offensiv eingestellt sind und die 'Flankenzange' mit der die Premer im bisherigen Spielverlauf immer wieder in Ballbesitz gekommen waren, will jetzt nicht mehr so greifen, da die ballführenden Cun und Cuil im linken Feld bestens durch Chatal, Scibor und Raika abgedeckt sind, während Dunvallo, Faerwyn und die schöne Lyn die rechte Flanke bestens abdecken. So haben die 'Pottwale' im Augenblick keine Möglichkeit überhaupt in die Nähe des Balls zu kommen, denn der Havenaer Keil steht dicht und macht die Räume eng. Wütend verstärken die Premer ihr Flanken-Attacken, denn was soll es schon nützen, wenn der Mannschaft fast das gesamte Spielfeld beherrscht, aber eben nicht den Ball ...
***
Tula fällt den 'Bullen' in die Flanke. Doch es ist ein nur ein einzelner, völlig unkoordinierter Angriff, mehr asu Verzweiflung, denn aus Übersicht heraus geboren. Sie will sich Dunvallo entgegen werfen, denn der scheint ein wenig abgelenkt zu sein, da er sich, ihm zum Nachteil, Tula zum Vorteil, ein wenig zu oft nach Frenhild umschaut. Doch erreicht sie ihr 'Angriffsziel' nicht. Faerwyn hat sich aus der Formation gelöst und nähert sich der ahnungslosen Tula von der Seite. Sofort rückt Lyn auf und schließt die Lücke, die Faerwyn aufgemacht hat.
Der alte Spieler weiß noch immer, wie man eine Überraschungsattacke durchführt. Er senkt aus vollem Lauf die rechte Schulter und rammt sie Tula in die Seite. Sie fliegt in hohem Bogen gut über ein und ein eine halben Schritt durch die Luft ehe sie schwer auf den Boden prallt und dort erst einmal benommen liegen bleibt.
***
Da die rechte Flanke nun geschwächt ist rücken Tamlin und Romolosch auf und flankieren, sozusagen in einem inneren Kreis die ballführenden Zwillinge.
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Thinmar und Algrid haben außerordentlich schnell reagiert, den Aufforderungen Ifirnsgiron folgt man besser schnell, der Kapitän ist da sehr heikel in diesen Fragen. Schnell hat Thinmar aufgeholt, denn die 'Bullen' laufen ja in Formation, da geht es eben nicht so hurtig. Als Thinmar an Scibor vorbei läuft überfällt ihn doch sehr der Wunsch dieser kleinen Schlange in die Seite zu fahren, doch unterdrückt er diesen Impuls, denn Chatal ist der weitaus gefährlichere Mann und den gilt es nun auszuschalten. Chatal selbst kann den Angreifer fast nicht ausmachen, zudem ist er zu beschäftigt sein 'Bullen' in Reih' und Glied zu halten, nur mit einer haargenauen Mannschaftsleistung ist die 'Stampede' zum Erfolg zu bringen. Jetzt ein Ballverlust, das wäre fatal!
***
Scibor sieht den verhassten Feind an sich vorbei rennen. Ein paar seitliche Schritte nur, dann könnte er an ihn heran kommen und dem verfluchten Nordmann mit dem Schläger einen neuen Scheitel ziehen. Zu gerne würde er diesen 'Mörder' auf dem Boden sehen. Was wäre es doch schön, könnte er auf seinem Grab tanzen. Aber Scibor müsste dazu die Formation verlassen und das traut er sich nicht so recht. Chatal hat ihm sehr deutlich gemacht, was dann passieren würde ....
Scibor knirscht vor Wut mit den Zähnen.
'Später ... !' denkt er sich hämisch 'Später werde ich noch mit dir abrechnen und dich in die Niederhölle schicken, dort wohin du und deinesgleichen hingehören!'
Wenn er auch körperlich an seinem Platz im Angriffskeil geblieben ist, gedanklich hat er sich weit, zu weit fort tragen lassen, sonst hätte Scibor sicherlich bemerkt, dass auch er zum Angriffsziel geworden ist. Es trifft ihn mit einem dumpfen Schlag an der Seite, genau in der Höhe des Nierenbeckens. Wahrscheinlich war es ein Knie oder die Keule eines Ogers, so genau läßt sich das nicht erfühlen. Scibor reißt es augenblicklich von den Füßen. Er ist zwar stämmig, doch dafür nicht besonders groß und hat daher sehr viele Nachteile bei einem so vehementen und unerwarteten Angriff. Er dreht sich förmlich um die eigene Achse, so schwer hat es ihn getroffen. Doch er fällt zu Glück sehr weich. Algrid war vom Schwung ihrer eigenen Attacke ebenso ins Straucheln geraten und zu Boden gestürzt. Unglücklicher Weise gerät sie dabei unter den fallenden Scibor. Sie spürt, wie sein Kopf gegen ihren Brustkorb gerammt wird und merkt, dass zwei Rippenbögen diesem Aufprall nicht gewachsen sind und mit einem leichten Knacken nachgeben.
***
Der Keil ist nun leicht beschädigt, doch die 'Stampede' ist noch nicht gestoppt. Nicht mehr lange und sie erreicht das Tor von Isleif.
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Nachdem Scibor ausgefallen ist, rückt Raika an seine Position. Sie fühlt sich etwas schuldig am Ausfall des Kameraden. Wie hatte ihr Vater immer zu vermitteln versucht? Er sagte:'Wenn du ein Rudel Wölfe verfolgst, mein Kind, dann versichere dich, dass du hinter ihnen bleibst und nicht schon mitten im Rudel läufst!' Recht hat er gehabt der Vater! Viel zu spät war ihr die seitlich heran stürmende Algrid aufgefallen. Vielleicht hätte sie die Premerin doch noch abdrängen können, dann liefe Scibor jetzt noch in seiner Position. Doch der Spruch des Vater sagt noch so viel mehr. Er ermahnte sie nicht nur den Blick zurück nicht zu vergessen, sondern auch den Blick nach vorne nicht zu versäumen. Und so erkennt sie, dass sich Chatal in großer Gefahr befindet. Dieser Premer Stürmer mit dem kurzen feuerroten Haar nähert sich dem Kapitän rasant und Chatal scheint es nicht zu bemerken. Doch soll sie nun ihre Postiton verlassen? Dann wäre die linke Seite des Keils nahezu aufgerieben! Doch noch einmal will sie sich einer Unterlassung nicht schuldig machen. Zudem gilt schließlich: Was nützt es dem Messer, wenn der Schaft heil ist, dafür aber die Klinge bricht. Die Klinge, das heißt also Chatal, muss gerettet werden. So steigert sie ihr Tempo, sie gibt alles, um die Klinge zu retten ....
Soeben hat Rumpo Rorlif auf die Seite geräumt. Nun ist Rorlif beileibe kein Hänfling und dennoch hat ihn Rumpo aus der Bahn geworfen, als wäre der kräftige Nordmann nicht mehr eine leblose Gliederpuppe, die lästig im Weg hängt. Es scheint als könne nicht auf dem Dererund diesen Mensch gewordenen, stürmenden Büffel aufhalten ...
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Ähnliche Gedanken mag sich im Augenblick Ingvar machen, obwohl sich dieser nicht dem 'Rammbock' Rumpo, sondern Dunvallo entgegen gestellt hat. Ingvar fühlte sich urplötzlich wie von einer gigantischen Windhose gepackt und umher gewirbelt. Dunvallo hat den Schwung aus dem Angriff seines Gegners aufgenommen und mit eine paar geschickten Griffen auf den Angreifer zurück geworfen. Als Ingvar dann wie ein Blatt im Wind auf den Erdboden zurück wirbelte, verpasste ihm Dunvallo noch ein paar Fersenstöße, dass dem Permer Spieler danach der harte Aufprall auf dem Boden wie eine Liebkosung einer Rahjani vorgekommen sein muss.
Dunvallo nickt grimmig, keiner wird ihn jetzt noch aufhalten können, so denkt er wenigsten. Doch auch der Weiseste der Weise soll schon einmal geirrt haben.
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'JETZT! denkt sich Thinmar triumphierend. Er hat Chatal nun fast erreicht, er braucht eigentlich nur die Hand auszustrecken, um den Havena-Kapitän am 'Kragen' packen zu können. Doch das allein genügt ja nicht, denn dieser Mann muss ausgeschaltet werden. Man erzählt sich von Chatal und seiner Kunst des Immanspielens ja die reinsten Wundergeschichten und es mag ja sein, dass die eine oder andere Erzählung ein wenig übertrieben sein könnte, doch Thinmar hat Chatal schon oft genug spielen sehen, um zu wissen, dass der Mann aus Havena zu den Größten des Imman gezählt werden muss und höchstens noch von Ragnid übertroffen wird.
Thinmar zieht die rechte Schulter vor und senkte den Kopf. Es wird Chatal in der Nierengegend treffen, er wird nicht einmal mehr einen Schmerzenslaut abgeben können. Thinmar lächelt innerlich, er ist sich seine Sache sicher. Und dann springt er ...
Thinmar trifft hart, sehr hart ... doch ZU FRÜH ... VIEL ZU FRÜH!
Der Premer stürzt und noch im Fallen sieht er Chatal unbehelligt davon laufen. Thinmar ist fassungslos. Er hat Chatal nicht zu Fall bringen können.
Doch was, in SWAfnis Namen hat er dann getroffen?
Er blickt zu Seite und entdeckt die große Frau mit den seltsamen grün-braunen Augen, die zu Beginn des Spieles die 'Pottwal'Abwehr so schwindelig gespielt hatte. Blass ist sie ja schon immer gewesen, doch jetzt wirkt sie noch blasser als sonst. Sie scheint auch keine Luft zu bekommen. Wie konnte sie sich nur derart waghalsig in Thinmar's Angriff auf Chatal hinein werfen. So viel Wagemut imponiert Thinmar ...
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Rumpo läuft lächelnd weiter. Das Spiel gefällt ihm jetzt. Der letzte Zweikampf hat ihn nicht einmal ein Arschrunzeln gekostet. SO darf es weitergehen. Und auch der stämmige Kahlkopf, der sich da vorne ihm in den Weg stellt wird das nicht verhindern, den wird er auf die Seite räumen, wie alle anderen vorher auch ....
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'Das haben Algrid und Thinmar aber gut gemacht!' denkt sich Ifirnsgiron 'Die Bullen-Flanke steht nun offen wie ein PERaine-Tempel zum Fest der eingebrachten Früchte!'
Ifirnsgiron lächelt grimmig über diesen Vergleich. Er sieht die Zwillinge nun fast ungedeckt vor sich laufen. Romolosch hat sich ein wenig zurückfallen lassen, nachdem Tamlin die Position der aufgerückten Lyn übernommen hatte. Cuil und Cun schieben sich noch immer gelassen die Korkkugel zu.
'Das soll nun anders werden,' beschließt Ifirnsgiron,'die Früchte werden nun eingebracht!'
Entschlossen nimmt er Kurs auf Zwillinge zu.
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Äußerlich ist er ganz ruhig und wie es in seinem Inneren aussieht, das weiß kein Mensch. Faenwulf nimmt den heran rollenden Fleischberg Rumpo fest in den Blick. Das dümmliche Lächeln des Gegners ärgert ihn sehr und steigert seinen Kampfwillen. Gelassen stellt er sich in die Bahn des Kolosses. Erst als Rumpo nur noch wenige Schritte von ihm entfernt ist, geht aenwulf in die Hocke und stemmt sich mit dem rechten Bein nach hinten ab.
So kommt es zum Zusammenstoß und es klingt, als schlüge INGerimm mit seinem heiligen Hammer den Steineichenwald platt.
Die meiste Kraft Rumpo's fliegt über den leicht geduckten Faenwulf hinweg und das, was den 'Vollstrecker' trifft, kann er mit dem rechten Bein abfedern. Doch von eigenen Schwung getragen, fällt Rumpo über den Premer hinweg, wie ein Bär, der in eine Fußfalle geraten ist. In diesem Augenblick erhebt sich Faenwulf, umschlingt Rumpo mit beiden Armen um die Hüfte und hebt den schweren Angreifer von den Füßen. Dann läßt Faenwulf den schweren Körper einfach zur Seite abgleiten und Rumpo fällt der Länge nach auf den Rasen wie ein totes Wildschwein. Doch dann sinkt auch Faenwulf in die Knie, diese Aktion hat ein sehr viel Kraft gekostet, wird aber seinen Ruf als einer der besten Bremser des Kontinents sicherlich stärken können. Doch kann er nicht verhindern, dass Tibraide nun an ihm vorbei zieht.
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Dunvallo sieht mit Sorge dem starken Rumpo stürzen. Zwar übernimmt Tibraide sofort die 'Keilspitze' und sorgt dafür, dass der Angriff weitergeht, doch niemand hat eigentlich damit gerechnet, dass Rumpo bei dieser Aktion zu stoppen wäre. Chatal läuft nun fast in gleicher Höhe mit Dunvallo und vielleicht, so denkt sich der Stürmer mit der Bronzehaut, wäre es besser dichter an Tibraide heran zu gehen, nun kann jederzeit der entscheidende Pass kommen ...
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Ifirnsgiron hat sich nun fast schon auf Tuchfühlung an Cun und Cuil heran gekämpft. Hinter sich hört er das wütende Gebrüll Romoloschs, das die Zwillinge zu warnen versucht.
Gleich kommt die Attacke und dann: Gute Nacht, Havena!
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"JETZT!" brüllt Dunvallo und will in die Spitze stürmen ...
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Es war nicht leicht, diesen beiden Muskelpotzen auszuweichen. Fast wäre Tibraide in den liegenden Rumpo hinein gelaufen, da sich sich Faenwulf nicht allzu sehr nähern wollte. Aber sie sprang leichtfüßig über das Hindernis hinweg und rennt nun weiter ...
Tibraides Lauf wird aber jäh abgebremst, denn Thorlif stellt sich ihr in den Weg. Tibraides Gedanken laufen wie ein Feuerwerk. Eine direkte Konfrontation gegen die 'Otter' kann sie sich nicht leisten, der Kerl ist zu gut und zudem völlig ohne Skrupel.
"JETZT!" hört sie jemanden brüllen und der Ruf lköst Erleichterung in ihr aus, denn die Entscheidung naht. Und so macht sie sich auf Thorlif zu attackieren, obwohl sie weiß, dass sie unterliegen wird ...
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Irgendetwas hat Dunvallo getroffen, genau in die Kniekehlen und der Stürmer aus Havena sackt zusammen wie abgemähtes Getreide, just in dem Augenblick, da er in den Torraum der 'Pottwale' eindringen wollte. Mit ausgestreckten Armen landet er im Gras. Seine bronzefarbene Haut färbt sich rot vor Wut und mit einem deftigen Ruck dreht er sich um, zu erforschen, wer oder was ihn da umgehauen hat. Er sieht hinter sich, ebenso auf dem Boden liegend eine ziemlich ramponierte 'Tigerin', die ihn nicht minder zornig anfunkelt.
"Ich hab dir gesagt, dass ich es dir heimzahlen werde, du Scheisskerl!"
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Der Kampf dauert nur wenige Augenblicke. Thorlif hat Tibraide, einfach und leicht, mit einer kurzen Bewegung umgestoßen, doch schien es so, als hätte sich die Spielerin aus Havena dabei nicht sonderlich gewehrt. Der Trick wird offenbar, als sich die liegende Tibraide, wie ein Schlange um die Beine Thorlifs windet und ihn so an den Ort bindet.
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"Jetzt? Was heißt JETZT?!" denkt sich Ifirngiron erstaunt 'JETZT kann nur bedeuten, dass ich dich JETZT kriege...."
Gleich darauf geht er mit schmerzverzerrten Gesicht zu Boden. Ein Muskelkrampf hat seine Waden 'verknotet'. An eine weitere Verfolgung ist nicht mehr zu denken ...
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In diesem Augenblick drisch Cuin den Kork steil nach vorne. Chatal ist nun in die Spitze gelaufen und hat den Ball angenommen. Einzig die 'Otter' hätte ihm nun noch im Weg stehen können, doch Thorlif ist durch Tibraide wunderbar ausgeschaltet worden. Er ist nun durch ....
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Isleif's Körper spannt sich ....
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen
Es geht heiß her auf dem Spielfeld, sehr heiß sogar!
Als Dunvallo die Premerin regelrecht niedermacht, geht ein Sturm der Begeisterung durch die Reihen der Einheimischen, der sich noch verstärkt, als die andere Frenhild von Rumpo ebenso niedergerannt wird, und dann Tula einfach aus dem Weg geräumt wird.
Das ist Imman, so wollen sie es sehen, und so kennen sie es von ihren Helden!
Algrid und Scibor schalten sich quasi gegenseitig aus, aber auch wenn die Details für die meisten Zuschauer nicht so klar ersichtlich sind, so sieht es doch deutlich so aus, als hätte die Premerin den Kürzeren gezogen, und das mögen die Fans der Bullen natürlich so.
"WEITER!!! REIN IN DAS TOR!!! MACHT SCHON!!!"
Es geht weiter, zwar nicht mehr ganz so gut, und die Bullen müssen auch "Verluste" einstecken, aber was zählt, ist die Richtung, und die geht eindeutig und mit Macht in die richtige Richtung, die des Premer Tors nämlich, und mit jedem Schritt, den der Ball diesem näher kommt, steigert sich das Gebrüll der Zuschauer weiter...
IN HAVENA - In Immanstadion: 'Schlachtfest' und Gelächter - Hjaldar. Alberik und Garulf
Als Vorausgehender bekommt Hjaldar erst einmal gar nicht mit, wie Alberik nu mit Garulf 'nen Klönsnack anfangen will, als ob dafür nicht nachher noch Zeit wäre.
Statt dessen kämpft er sich weiter vor, immer ein Auge auf das Spielfeld gerichtet und was er da sieht will ihm gar nicht gefallen. Anstatt die Bullen mit hämischen Grinsen selbstsicher zu empfangen, wuseln die Pottwale eher wie aufgeschreckte Hühner herum.
So ist sein nächster Rempler, diesmal gegen einen bulligen Havena-Fan, schon fast ein echter Boxhieb in die Seite.
"Wech door!"
Während der größte Anteil der Havenaer mit gespannten Blicken dem Spiel folgt, und fiebernd einem Tor der Lieblingsmannschaft entgegensieht, gibt es für einige wenige von ihnen andere, dringlichere Probleme.
So liegt einer von ihnen auf dem Boden, und hält sich einige schmerzende Körperteile, ein anderer flucht drei brutalen Kerlen hinterher, und ein dritter schließlich stemmt die Hände in die Seite und brüllt einen Thorwaler an, der ihn gerade angerempelt hat.
"Hey, Junge, pass auf, wo du deine Hände lässt, sonst breche ich dir jeden Finger einzeln!"
Bei diesen Worten packt er den Arm des Remplers, um ihn brutal zur Seite zu drehen, oder das zumindest zu versuchen.
Die Spielsituation auf dem Feld schärft sich zu und Hjaldar hat gar keine Augen mehr für seine direkte Umgebung.
Nur so ist es zu erklären, daß sein 'Rempelopfer' tatsächlich seinen Arm zu fassen bekommt, schlimmer noch: Hjaldar merkt es tatsächlich erst am plötzlichen heftigen Schmerz, als sein Arm in eine für Sehnen und Bänder äußerst ungute Lage verdreht wird.
Doch ist Hjaldar nun schon lange genug im Kriegshandwerk, als daß er sich nicht zu wehren wüßte. Viele Götterläufe Erfahrungen in Kämpfen, in denen es ernsthaft ums Überleben geht, hinterlassen ihre Spuren.
So ist seine Reaktion auch mehr instinktiv als bewußt. Ungebremst und mit voller Kraft schießt seine freie Linke zur Faust geballt auf die sträflicherweise völlig ungedeckte Seite des Angreifers zu, während Schmerz und hjaldische Wut in einem lauten Brüller und einem hochroten, wutverzerrten Antlitz Ausdruck finden.
Dieser Hieb soll nicht warnen - er soll fällen!
Und ein jeder, der einen Blick auf das Gesicht des Thorwalers werfen kann, mag ahnen, daß hier an der Oberfläche einer Äonen alten und sehr, sehr gefährlichen Wut gekratzt wurde...
Alberik hört dem Schiffskoch zwar zu, und merkt sich auch den Namen Garulf, aber gleichzeitig achtet er darauf, was ein Stück weiter vorne passiert, dort wo sich Hjaldar befindet.
'Das ist keine harmlose Schubserei mehr gewesen. Das war ein gezielter Schlag!'
So langsam geht ihm das rüpelhafte Verhalten der beiden Thorwaler doch gegen den Strich. In dieser Enge eine Schlägerei anzufangen ist nichts, was den Zwergen gerade begeistert, auch wenn ihn normalerweise nichts davon abhalten würde, sich mit zu prügeln, wenn es etwas zu prügeln gibt. Wenn sich das Gesicht allerdings so ziemlich in Kniehöhe befindet, und es kaum Möglichkeiten gibt auszuweichen, dann denkt auch der Angroschim darüber. Bevor die Lage noch schlimmer wird, eilt Alberik schnell weiter zu den beiden Kämpfenden, um zwischen sie zu gehen.
"He, ihr solltet das lieber sein lassen, bevor ich mitmische," wirft er dem Thorwaler und dem Havenaer entgegen, während er auf sie zugeht.
Von der Faust des Thorwalers getroffen, läßt der Havenaer sofort dessen Arm, den er so grob verdreht hatte, fahren und geht keuchend in die Knie.
Doch etwas in Hjaldar will sich damit nicht zufrieden geben. Seine geballte Faust reckt sich in die Höhe, um mit vernichtender Kraft auf den Kopf des Gegners niederzufahren, als sich Alberik dazwischen drängelt. Wütend fixiert Hjaldar den Zwerg einen Herzschlag lang und es mag der Eindruck entstehen, daß er sich überlegt, ob er nicht statt dessen die Faust auf den Zwergen niedergehen lassen soll, doch reicht dieser Augenblick der Ablenkung, einen echten Wutausbruch des Thorwalers zu verhindern.
So verbleibt nur mehr die kalte Wut und der nicht unbeträchtliche Schmerz im Arm, als er ohne ein Wort zu Alberik zu sagen wieder zum Havener herumfährt und zischt "Dat nächst Mol, wen Du dat mookst, kann de Golgari in lütten Stücken tosamenreken, das WOHL!"
Zähne zusammen beissend seinen Arm massierend wendet er sich wieder Alberik zu.
"Wie steit's denn?" fragt er säuerlich, obwohl im die Rufe rundherum schon mehr Auskunft über den Spielstand geben, als ihm lieb ist.
Der Hanvenaer bekommt, während er nach Luft ringt, sehr wohl mit, dass ihm nur durch einen glücklichen Umstand einer mächtigen thorwalschen Kopfnuss entgeht. Ihm ist auch klar, wem er dieses verdankt, und das will ihm gar nicht gefallen - so sind seine Chancen, das ganze zu überleben, nämlich drastisch gesunken.
Doch... eines ist noch geblieben, und das ist der pure Umstand, dass rings herum ebenso wie er Bullenanhänger stehen, und die werden, wenn es gegen "Fremde" geht, sicher auf seiner Seite stehen, und dann ist die Übermacht wohl ziemlich erdrückend für die anderen.
"Verschwindet zu euren Pottwalen", stößt er mit immer noch zusammengebissenen Zähnen hervor, aber immerhin laut genug, dass sich auch andere zu ihm und den Kontrahenten umdrehen.
'Das ging ja besser als erwartet.'
Zumindest sieht es für den Zwergen im ersten Moment so aus, als hätte er die beiden Kontrahenten auseinanderbringen können. Doch Ruhe kehrt keineswegs ein. Alberik kommt nicht mehr dazu, dem Thorwaler zu antworten, ganz abgesehen davon, daß er auch gar nicht wüßte, wieviel es gerade steht. Denn der Mann, der sich mit Hjaldar gerade noch fast an die Gurgel gegangen wäre, sieht wohl nicht, wann es besser wäre aufzuhören. Gerne würde Alberik ihm zeigen, daß ein Angroschim nur dahin geht, wohin er selber gehen will. Und wäre er alleine mit dem Mann, würde er dies auch sofort machen. Doch da sind noch eine ganze Menge anderer Menschen, die wohl zu dem Hanvenaer halten und sich nun in ihre Richtung gehen.
Zögernd schaut sich Alberik zu Hjaldar und Garulf um, denn wenn es hier gleich zu einer Schlägerei kommen sollte, möchte er keinesfalls alleine stehen müssen.
Da ist man einmal großzügig und läßt Gnade vor verdienter Tracht Prügel walten und schon schnappt das Kleinvieh wieder nach den Hacken.
Verärgert wirbelt Hjaldar herum und brüllt den Havenaer an, ohne sich um die Herumstehenden Havena-Anhänger zu kümmern.
"Geh doch sülvens in diin Viechstall, oder shall ück di straat zum Abdecker bringen?"
Zur Unterstreichung dieser Drohung will er eigentlich mit der rechten Faust in die linke Handfläche schlagen, doch sein ramponierter Arm nimmt ihm das sichtlich übel, so daß außer einer angedeuteten Geste und einem schmerzerfüllten Lufteinziehen nicht viel passiert.
Zwischen zusammengebissenen Zähnen knurrt er den Havener an:
"Ück geh wohin ÜCK will, Shiethannes, malliger!"
Der Hanvenaer, der das Pech hat, Hjaldar gegenüberzustehen, weicht nun doch ein kleines Stück zurück - gerade so weit, bis er merkt, dass die neben ihm stehenden entsprechend aufrücken, und er nun in einer Front mit ihnen dem Thorwaler gegenüber steht.
Einigkeit macht stark, auch gegen Individuen, denen man sonst wohl im weiten Bogen aus dem Wege gehen würde.
"Dann geh mal", tönt aus dieser Sicherheit die Antwort, "irgendwohin, wo wir dich nicht riechen und sehen müssen! Am besten zu den Fischen im Hafenbecken!"
Ein fast schon dreckiges Lachen begleitet diese Worte, aber es kommt nur von jener einen Person, nicht von seinen Nachbarn, denen das Spiel wohl doch wichtiger zu sein scheint, denn wer weiß, ob sich eine Halbzeitschlägerei nicht doch zu lange ausdehnt, und man dann verpasst, wie die Bullen es den Premern endgültig besorgen.
Was zuviel ist, ist zuviel! Der dicke Smutje schiebt sich neben Hjaldar und baut sich vor dem pöbelnden Havener auf:
"HOLT ENDLÜCH DIEN DRECKSMUL, DU HRANGAR VERFLUCHTER HORNOCHSE!!" brüllt er den Aufmüpfigen faustschwingend an.
Alberik zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. Er hätte nicht damit gerechnet, daß der Hanvenaer so unbedingt darauf aus ist, eins von Hjaldar aufs Maul zu bekommen. Und wenn man einen Freund von Alberik, Sohn des Atosch beleidigt, beleidigt man damit auch den genannten Angroschim.
Doch im Gegensatz zu den beiden Thorwalern hält er nicht viel davon, erst noch große Reden zu schwingen. Er schlägt die Hände in Brusthöhe voreinander und reibt sie warm, während er mit einem bösartigem Grinsen die Anwesenden anspricht.
"So, können wir jetzt endlich zur Sache kommen, und dem Dorfdeppen mal eine Lektion erteilen, wie man Zwerge und Thorwaler ordentlich behandelt, wenn man sein restliches Leben nicht nur Suppe essen will?"
IN HAVENA - Im Immanstadion: Entsetzter Smutje - Garulf
Da läßt die Premer Abwehr die Bullen so mir nichts, dir nichts, durchmarschieren, dann läßt man dem Oberhornochsen alle Zeit Deres zum zielen ... und zu allem Überfluß fliegt der Kork auch noch über die Latte.
"HRANGAR NOCHMOL, DAT DORF JO WOHL NICH WAR SIEN!!"
Wutentbrannt schwingt der dicke Smutje seine geballte Faust. Doch wie durch ein Wunder und zum Glück für die Umstehenden, durchschneidet diese nur wirkungslos die Luft.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Wasuren im Konflikt
Wasuren hebt ruhig und gelassen erst einmal seinen Spiegelpanzer wieder auf. Sein Gesicht ist vor grimm nur so verzerrt, aber er weiß genau das er hier ganz schön Tief in der Bredoullie sitzt wenn ihm nur ein falsches Wort zu viel über die Lippen kommt.
Mürrische Blicke und ein Knurren sind alles was er dem Lagerarbeiter neben sich zu wirft. Bevor er dazu kommt auf die Frage eine clevere Antwort zu finden, legt sich eine regelrechte Anspannung über die Kurve. Die Stille kommt Wasuren etwas komisch vor und so lenkt er seinen Blick wieder auf das Spielfeld.
'Oh die Hanvenaer versuchen einen gewaltigen Angriff.'
Gespannt verfolgt er ebenfalls das geschehen. Der Angriff steigert sich und als die Bullen gewaltsam durch die Reihe der Pottwale brechen, rutscht Wasuren eine Aufschrei heraus, den er vielleicht doch lieber hätte lassen sollen :
"Verflucht und Zugenäht, POTTWALE mach endlich das Feld DICHT!!! "
"He, der ist ja wirklich für die Pottwale", stösst der Lagerarbeiter neben dem spiegelpanzertragenden Matrosen hervor, auch wenn das niemand besonders gut hören kann bei dem allgemeinen Krach.
"Mach dich besser aus dem Staub, wenn dir dein Leben lieb ist, oder halt die Schnauze, sonst ergeht es dir wie der Tussi eben auf dem Feld!"
Er zeigt dabei in etwa in Richtung der Stelle, an der Dunvallo Frenhild niedergerannt hat.
Die Havena-Fans steigern sich in einen regelrechten Anfeuerungsrausch und Wasuren schaut nur noch gebannt auf das Spielfeld.
Da schreit ihn von der Seite wieder dieser Lagerarbeiter an.
"He, sprich nicht so mit mir du Halbe Portion von einem Bullen-Fan. Ich werd dir zeigen, was Die Pottwale mit euch machen werden !!!"
Wütend über diesen aufmüpfigen Typ, geht seine Temperament mit ihm durch und Wasuren rammt kurzer Hand dem Lagerarbeiter seinen zwergischen Spiegelpanzer in den Bauch.
Der Lagerarbeiter kommt nicht dazu, seine Drohung in die Tat umzusetzen, denn kaum ist sie ausgesprochen, muss er selbst genau das erfahren, was er dem Matrosen versprochen hat.
Hart trifft der Spiegelpanzer seinen Bauch, und er sieht Sterne vor den Augen tanzen, während er verzweifelt nach Luft ringt.
Ganz unbemerkt bleibt das indes nicht, denn die benachbarten Zuschauer merken auch, dass hier etwas im Argen ist, und so trifft eine harte Faust von hinten - zuerst den Lagerarbeiter, den das noch mehr ins Taumeln bringt, und dann den Matrosen.
"Hey, prügelt euch nachher, ich will da zuschauen, wie DIE sich prügeln!"
Ein kräftiger Mann spricht das aus, der sich dabei den beiden kaum wirklich zuwendet, viel zu sehr ist seine Aufmerksamkeit vom Vorsturm der Bullen gefesselt.
"Hah! " brüllt Wasuren dem neuen Wortschwinger entgegen, "Die Bullen sind nen Haufen Pferdedreck, die Packen das NIE !!"
Langsam drückt sich Wasuren mit seinem Rücken an die Mauer und bringt den Spiegelpanzer zwischen sich und die Bullen-Fans. Hinter der Mauer geht es fast 3 Schritt hinunter bis zum Spielfeldrand und dort unten hatte Wasuren vorhin niemanden entdecken können.
Wasuren schaut schon gar nicht mehr zum Spielfeld. Nicht nur das er befürchtet das die Bullen wahrscheinlich doch noch ein Gegentor erzielen könnten, nein er hat viel mehr Angst davor das ihm jemand gewaltig in den Rücken schlägt.
Mit tiefer rauher Stimme versucht Wasuren die tobenden Havena-Fans zu übertönen :
"Pottwal macht die Flanken dicht, Pottwal du zerbrichst mir nicht !!!"
Wasuren grölt einfach gerade heraus was ihm in den Sinn kommt und wundersamer weise klingt das sogar etwas nach einem Saufgesang. Der Seebär schein wie verändert und voll in seinem Element, doch läst er nie die gegnerischen Fans aus dem Auge. Schließlich ist er ja nicht Lebensmüde
Das Pro-Bullen-Geschrei der Umstehenden übertönt Wasurens kontraproduktive Rufe fast vollkommen - zumindest, was die Hörbarkeit nach außen hin angeht, aber kaum im näheren Umkreis.
Und dort taucht jetzt der Lagerarbeiter wieder auf, den der Matrose so gemein ausgeschaltet hat.
"Dich Stück Dreck werde ich..."
Mit geballten Fäusten springt er vor, und feuert eine kraftvolle Rechte in Richtung auf Wasurens Kinn ab. Schräg hinter ihm schiebt sich der andere Mann nun ebenfalls vor, dem langsam aufgeht, was hier vorgeht.
"Uuufff"
'Arrrg der Schlag war hart.'
Der Lagerarbeiter trifft Wasuren volle ins Gesicht. Sein Kinn rückt zur Seite und er spürt heißen Schmerz von diesem ausgehen.
Kurz entschlossen und viel zu sehr überrascht von dem plötzlichen starken Schlag des Bullenfan´s schmeißt Wasuren den Spiegelpanzer über die Mauer hinter sich.
Er schafft es gerade noch sich selbst hinüber zu schwingen, bevor ihn noch solchen ein Schlag treffen kann.
"Scheiß Bullenpack" brüllt er als er die drei Meter auf der Spielfeldseite die Mauer hinunter stürzt. Unsanft aufgekommen rappelt er sich zusammen und schnappt sich den Panzer.
'Nun aber nix wie weg hier, doch wohin'
Orientierungslos guckt sich Wasuren um.
Wasuren hebt den zwergischen Panzer auf und läuft immer an der Innenwand des Stadions entlang. Ehrfürchtig hält er Abstand zum Spielfeld und lässt seine Augen flink über die Mauer schweifen.
'Irgendwo muß es hier doch einen Ausgang geben.'
"Da !" ruft er freudig aus, als er einen Torbogen entdeckt. Gerade als er hinein treten will, hört er lautes Rufen hinter sich.
" Hey du da, was machst du da! Halt bleib stehen !!!"
Wasuren guckt sich nicht mal um, sondern rennt aufs gerade wohl in den dunklen Gang hinein. Rechts abgebogen, links abgebogen ... ein paar Türen aufgerissen und weiter geht seine Flucht. Den Panzer des Zwerges immer an sein Brust gedrückt rennt er wie ein wilder durch die Gänge und Räume. Ein Raum ist fast leer bis auf zwei große Bänke, ein paar Schränke und eine Menge Klamotten, kurz bleibt er stehen und verschnauft zwei, drei mal. Verwirrt schüttelt er den Kopf und schaut sich panisch um.
' Wo ist bloß dieser Ausgang'
Und dann läuft er auch schon weiter ... Ein leises Tosen und Jubeln tönt an seine Ohren, als er auf eine wirklich dicke Mauer stößt.
" Das muß die Außenmauer sein, bald bin ich hier raus!"
Wasuren latscht erschöpft den Gang an der Mauer entlang und kommt auf einem der großen Ausgänge. Zwei, drei Schritte und er steht wieder draußen. Einige Menschen verlassen das Stadion oder unterhalten sich schon in kleinen Gruppen davor. Drinnen scheint das Spiel zuende zu sein, denn der Jubel scheint unerschöpflich immer stärker zu werden.
Wasuren wendet sich entkräftet von Stadion ab und schlürft über den Platz in eine der Gassen Richtung Markt. Den Schuppen Panzer zieht er ein Stückchen über den Boden, bis ihn das zusätzliche Gewicht wieder daran erinnert. Wasuren kommt wieder das Bild dieses aufgebrachten Zwerges vor Augen und wie sauer der auf Ole gewesen war.
' Na dann trag ich diesen Zwergenpanzer halt lieber wieder.'
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen
Bei den Premer Fans wird es immer stiller. Jeder Angriff auf den vorrückenden wird mit einem leiseren Jubel begrüßt, zu deutlich ist es, daß der eigentliche Vormarsch nicht gestoppt wird.
Auch muß der ein oder andere Zinnkrug seinen Inhalt auf den Boden leeren. Feinstes Premer Feuer, sonst der Augapfel der Fans, ist jetzt nur zweitrangig vor der Katastrophe, die sich anbahnt.
Als schließlich Chatal das Holz hebt, hält die Hälfte den Atem an, die Anderen knirschen mit den Zähnen und der Rest tut beides.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Irritierter Fuchs - Torin
Torin Rotmarder kann die Spannung der Leute um sich herum fast körperlich spüren. Waren die Menschen vor wenigen Augenblicken noch euphorisch, so ist es nun bedeutend ruhiger um ihn herum geworden - zu still für ihn. So etwas ist gar nicht gut, wenn man in Ruhe 'arbeiten' will.
Trotz allem kann er ein "Miu pikusch!" nicht unterdrücken, als er für einen Augenblick hinunter auf das Spielfeld schaut.
"Was wird das denn?" fragt er sich selbst halblaut.
"Nix Gutes! Sieht man doch!" und andere gegrummelte Meinungen schwingen ihm entgegen. Doch alle starren gespannt auf das Spielfeld tief unter ihnen. Und selbst Torin - der diesen Moment eigentlich besser nutzen sollte - lässt sich von der Spannung mitreißen.
Je näher die sich langsam auflösende 'Meute' der Spieler dem Tor entgegen stürmt, desto leiser und unruhiger werden die Menschen um Torin herum und auch er selbst kann den Blick nicht mehr vom Spielfeld lösen.
Als die Spieler den Korkball immer weiter dem Tor entgegen schlagen, hält auch er gespannt den Atem an...
Vor der Stadt - In der Wildnis: Rückkehr der Druidin - Joanna
Nachdem die beiden Druiden gestern das Schiff verlassen hatten, vertrieben sie sich die Zeit noch etwas in der Stadt und gingen schließlich ein Stück des Weges gemeinsam landeinwärts. Fargus und Joanna wechselten ein paar Worte, doch ein richtiges Gespräch schien nicht zustande zu kommen, da ihre Gedanken hauptsächlich an die Zukunft gerichtet waren.
"Darf ich euch fragen was eine noch so junge Dame wie Ihr es seid an solch einen Ort verschlägt?"
Die Druidin schenkt Fargus ein trauriges Lächeln und ihre schwarzen Augen beginnen zu glänzen, da sich Tränenflüssigkeit darin ansammelt. Die letzten Tage hatte sie die Gedanken an ihren Mentor total verdrängt.
'Ist er nun .... ' Die ersten Tränen beginnen über ihre Wangen zu rollen. '... Tod...?'
Sie schluchzt leise und wendet ihr Gesicht von dem Druiden ab, da sie sich etwas schämt. Mit einer Hand wischt sie sich die Tränen weg und streicht eine Strähne ihrer braunen, leicht gewellten Haare, die nach vor gerutscht war und ihr ins Gesicht hängt wieder zurück hinter die Ohren. Schweigend gehen die beiden noch weiter.
Die Landschaft scheint sich nicht zu verändern. Rundherum ist ein kleiner nicht sehr dichter Wald. Bei jedem Schritt versinken die Füße etwas in dem sumpfartigen Boden. Im Hintergrund ist das leise Zwitschern der Vögel, das Rauschen eines Flusses und des Windes in den Blättern der Bäume zu hören. Joanna denkt zurück an ihre Heimat.
'Was werden sie sagen, wenn ich zurückkehre, ohne IHN gefunden zu haben. Selbst wenn ich kein geborenes Kind Sumu bin, lebe ich schon seit fast 20 Götterläufen bei den Druiden. Und auch wenn sie mich von meinen leiblichen Eltern geraubt haben, möchte ich jetzt nicht mehr zu diesen zurück. Diese Fähigkeit, die starke Bindung zu Osin al Gossara meinem Mentor - das kann alles kein Zufall sein. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und ich denke, nein, ich weiß dass er nicht in Borons Reich eingetreten ist.' "....noch nicht" murmelt sie leise vor sich hin. Zu leise, als dass es jemand hätte hören können.
Als Joanna noch immer nichts sagt, sieht Fargus sie fragend an, bemerkt dabei aber die leichte Rötung ihrer Augen nicht. "Das ist eine lange Geschichte. Wahrscheinlich zu kompliziert um sie hier zu nennen."
Der Wind weht ihren schwarzen Umhang nach hinten und spielt mit dem schwarzen Kleid. Es ist mit silbernen Stickereien besetzt und verleiht der Druidin dadurch einen magischen aber eher rätselhaften Eindruck.
"Außerdem möchte ich niemandem meine Probleme aufdrängen."
Schon seit einiger Zeit verwendet sie ihren Kampfstab als Hilfe zum vorankommen. 'Vielleicht ist diese Fähigkeit mehr ein Fluch? Jedenfalls kommt es mir so vor. Hätte ich damals kein Versprechen gegeben nicht ohne meinen Mentor zurückzukehren könnte ich jetzt ohne Probleme wieder in meine Heimat wandern.' Schön langsam beginnt der ansonsten so leichte lederne Rucksack sowie der Köcher und der Langbogen den sie über ihren Oberkörper gestreift hat schwer zu werden.
"Es tut mir leid, aber ich denke hier trennen sich unsere Wege."
Fargus deutet in eine Richtung, die von ihrem ursprünglichen Weg abweicht. "Außer ihr habt Lust mich noch ein wenig zu begleiten."
Er zwinkert der Druidin noch einmal zu und beginnt dann mit einem Lächeln auf den Lippen in die angedeutete Richtung zu marschieren.
Joanna blickt ihm noch eine Weile nach bis er aus ihrer Sichtweite verschwunden ist und sieht sich um. Ohne ihrem guten Orientierungssinn wäre sie wahrscheinlich verloren, alles sieht so gleich aus. Sie legt den Bogen mitsamt Köcher, Rucksack und Kampfstab auf den Boden neben einem Baum und beginnt sich zu strecken.
Joanna schlendert durch den nicht sehr dicht besiedelten Wald, während ihr Blick ist auf den Boden gerichtet ist. Sie pfeift leise ein Lied vor sich hin, doch an den Tönen die von ihr kommen scheint es so, als ob sie nicht gerade sehr musikalisch ist. 'Ein Glück, dass hier keine Leute sind' Die Druidin kichert und ihre Lippen formen sich zu einem Lächeln. Eigentlich konzentriert sie sich nicht besonders auf den Weg, sondern lässt sich durch Intuition und dem guten Orientierungssinn in Richtung der Stadt leiten. 'Soweit ich mich erinnere, kann es nicht mehr sehr weit sein.'
Und tatsächlich findest sie sich wenig später in einer der zahlreichen Straßen Havenas wieder.
Langsam und nach dem richtigen Weg suchend geht Joanna die Straße entlang. Unterwegs trifft sie ein paar Kinder, die zu spielen scheinen, an. Verträumt denkt sie an ihre Kindheit zurück, als sie sich nachts des öfteren hinausschlichen.
***
Der Sommertag ist noch nicht ganz vorbei, noch ist das Silbergrau der Dämmerung in der Luft und im Westen, wo die Sonne hinabging, ist noch ein tiefes Grün. Da glüht es hinter den Bäumen auf, das Rot nimmt zu, es flammt, eine mächtige, blutorangerote Kugel rollt herauf, der Mond. Effek, Novalis und Joanna liegen entspannt und noch kein bisschen müde auf dem Hügel der Waldlichtung. Sie bewundern die Feuerkugel. Bei längerem Beobachten merken sie, dass es keine Kugel sondern eine Scheibe ist, eine Scheibe aus einer Blutorange herausgeschnitten, gelbrot, gelbfeuerrot, von einem kriegerischen Glanz. Aber dann wird das Rot gedämpfter, es verblasst, und die Scheibe steigt höher und wird nun gelb, und wie sie gelb wird, wird sie kleiner und Sterne stehen um sie herum und das bläuliche Mondlicht fließt über den Fluß, über das Dorf, über die Brücke, weit hinaus über die Wälder, viel weiter als sich die drei erträumen hätten lassen können. Von unten rauscht der Strom herauf. Grün sieht er aus, und wo er sich an den Pfeilern bricht, schäumt er weiß, und je höher der Mond steigt, um so stiller wird es und um so lauter redet der Fluß. Das Dorf steht kohlschwarz im Licht, mit so schwarzen Konturen, so überscharfen, rasiermesserschneidigen, dass man denkt, der Nachtvogel, der auf einem der Häuser sitzt, könnte von der Schärfe des Daches zerschnitten werden und geteilt auf den Boden schmettern. Seine Rufe hallen durch die Wälder, und der Vogel sitzt unzerschnitten auf dem Dach, schwarz gegen den mondblauen Himmel bis er sich schließlich in die Lüfte erhebt, und im Dunkeln verschwindet. Unbeweglich und gelb spiegelt sich der Mond in Joannas pechschwarzen Augen wider. Sie wendet sich Novalis zu, der herzhaft gähnt.
"Bist du müde?"
Dieser schüttelt den Kopf, um die doch so eindeutige Tatsache zu verneinen und nickt mit dem Kopf zu Effek. Als Joanna sieht, dass sie die Augen geschlossen hat und wahrscheinlich auch schon schläft, beginnt sie zu kichern. Joannas kichern klingt so klar und rein wie das Rauschen des Flusses.
"Lass uns noch ein wenig hierbleiben und die Schönheit der Natur geniessen, bevor wir zurückgehen, ja!?"
Doch schon bald darauf schlafen auch die beiden ein und erst am Morgen werden die jungen Druiden von den ersten Strahlen der Praiosscheibe geweckt.
***
Joanna steht noch immer da und sieht zu den Kindern, auch wenn es ihnen wahrscheinlich nicht so recht ist, wenn ihnen eine 'ältere' Dame beim Spielen zusieht, und lächelt in ihre Richtung.
Joanna würde gerne noch so ungezwungen wie diese Kinder spielen können. Selbst, wenn es nur für einen Augenblick wäre. Jeder Moment ist zu kostbar um ihn zu verschwenden. So frei zu sein wie damals, bevor sie ging. Ihn, und vor allem sich selbst der Einsamkeit und dem Zwang anderer aussetzte.
***
"Deine Stimme klingt heute so fremd. Deine Augen, die ich voller Wärme kenne, schauen auf einmal so ernst und verraten nicht mehr, was du fühlst. Und ich hoffe wie ein kleines Kind, dass deine Worte nicht die Wahrheit sind, dass du lügst wenn du sagst, dass du gehst."
Einige Tränen rinnen aus Novalis Augen.
"Abschied ist ein bißchen wie Sterben, ist wie alles verlieren, weil es dich nicht mehr gibt. Wenn du nicht mehr bei mir bist, wofür habe ich dann gelebt?"
Seine Stimme beginnt sich in den Worten zu verlieren. Das Gefühl, dass etwas in seinem Hals steckt wird er nicht mehr los, und doch setzt er mit leisen und heiseren Lauten fort.
"Ich brauche deine Geborgenheit. Es ist nicht nur die Angst vor der Einsamkeit, die mir den Atem nimmt und mich traurig und fassungslos macht. Du bist für mich nicht bloß eine Frau, die man vergessen kann, denn selbst als es uns schlecht ging, hast du unter Tränen gelacht. Bitte lass mir die Hoffnung noch. Denk noch einmal darüber nach, ob der Traum den du träumst, deine Visionen, die du siehst, es auch wert sind, so einfach zu gehen. Du sollst wissen, ich kämpfe um dich, so wie du um deinen Mentor, nein.... viel stärker noch. Wenn du sagst, dass du gehst, dann glaube ich das nicht, denn ich brauche es dich reden zu hören und dein Lachen zu sehen. Du weißt wohl, was ich fühle! Soll das nun zu Ende sein?"
Er legt eine kurze Pause ein um auf eine Antwort zu warten. Es ist still, fast so, als ob rund um die beiden die Zeit stehengeblieben ist. Es ist so still, dass es schon fast in den Ohren weh tut und ein Gefühl von Druck im Kopf entsteht. Als von Joanna keine Meldung kommt und noch nicht einmal eine Gefühlsregung in ihrem Gesicht zu erkennen ist, setzt er fort.
"Und ist dir wirklich klar, was uns dann noch bleibt?"
Novalis räuspert sich um das ungute Gefühl im Hals loszuwerden, doch es will einfach nicht verschwinden.
"Auf den Trümmern der Liebe kann man keine Zukunft mehr bauen."
Nur zu gerne würde er sich nun von Joanna abwenden um seine Trauer zu verbergen, doch das Schwarz ihrer Augen hält ihn zu sehr gefangen. Liebevoll ergreifen ihre zarten Hände sein Gesicht. Sie zieht es langsam an sich heran und sanft nach unten. Ohne ein Wort zu verlieren drückt sie ihm einen Kuss auf die Stirn und tritt dann ihre Reise an. Eine Reise die wohl ihr ganzes Leben verändern würde.
***
Joanna schenkt den Kindern noch ein mildes Lächeln und einen fast sehnsüchtigen Blick bevor sie sich abwendet, um ihren Weg fortzusetzen.
IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena
Ohne darauf zu achten, dass ihr Umhang dabei schmutzig werden könnte, setzt sich Joanna ebenfalls auf den Boden unter den Baum. Sie nimmt ihren Lederrucksack und beginnt ihn zu durchwühlen. Da sie nur das nötigste zusammengepackt hatte als sie ihre Heimat verlassen hatte befindet sich nicht wirklich viel darin. Die Druidin bekommt einen harten Gegenstand zu fassen und zieht ihn heraus. Mit freudigem Glanz in den schwarzen Augen blickt sie auf den Vulkanglasdolch in ihren zarten Händen. Auf die Worte ihres Mentors kann sie sich noch genau erinnern, obwohl es schon einige Götterläufe her ist, als sie den Dolch erhalten hatte. Doch die Erinnerung wird ihr wahrscheinlich ewig bleiben, da dies eines der überwältigendsten Erlebnisse im Leben eines Druiden ist.
***
Joanna war damals ziemlich aufgeregt als sie den Dolch in Empfang nahm und wartete gespannt auf die bevorstehende astrale Verschmelzung bei der bestimmte magische Muster auf den Obsidian geleitet werden. Nach der Zeremonie würde ihr Vulkanglasdolch endlich für seine 'Taufe', die Kraft des Dolches, bereit sein.
"Unser Vulkanglasdolch ist die traditionelle Waffe, mit der wir in erster Linie unsere spirituellen Bräuche pflegen. Sie ist von niemand anderem zu tragen, da sie leicht verunreinigt werden kann. Davon ganz abgesehen ist der Obsidian bis vor Vollendung des dritten Dolchrituales sehr zerbrechlich und so mit höchster Sorgfalt zu behandeln. Zum Angriff wird er nur in äußerster Not verwendet. Gib stets Acht auf deinen Dolch, denn er bildet den Focus des Sumuseins und ein Verlust ist nur durch einen erneuten Ictus und eine anschließende Taufe wieder gut zu mache. Deswegen ist es auch nicht möglich den Vulkanglasdolch eines anderen Druiden zu benutzen, denn der Dolch wirkt als Arktefakt nur wenn sein Erschaffer ihn aktiviert."
***
Die Traurigkeit weicht aus dem Körper der Druidin und ein Gefühl der Kraft und Selbstsicherheit macht sich in ihr breit.
'Versprochen ist versprochen.... So wie du mich nie im Stich gelassen hast, werde ich auch dich nicht im Stich lassen.' Joanna steht auf und beginnt sich langsam im Kreis zu drehen. Mit herausfordernder Stimme ruft sie:
"Wo bist duuuuuu?"
Ihre Stimme hallt durch die einsame Landschaft.
"Sag mir wo du bist!?! Ich werde dich finden....!" Leise fügt sie dann noch hinzu: ".....selbst wenn es das Letzte ist was ich tue."
Joanna steckt den Vulkanglasdolch den sie noch immer in der Hand hält wieder zurück in den Rucksack Die Druidin will gerade den Langbogen hochnehmen, als sie plötzlich stockt.
'Nein, die brauche ich jetzt nicht mehr. Allein durch meine spirituelle Verbindung kann..... werde ich es schaffen.'
Sie dreht sich noch einmal zu ihren Waffen um und eilt dann schließlich in die Richtung aus der sie zuvor gekommen war.
'Hoffentlich liegt das Schiff noch im Hafen.'
Der Durchbruch ist geglückt und nun hat Chatal eigentlich alle Zeit der Welt. Der Verteidigungsring der 'Pottwale' liegt danieder, keiner der Premer Bremser hat jetzt noch die Möglichkeit Chatal's Handlungen zu stören.
Und Chatal läßt tatsächlich Ruhe einkehren. Er verlangsamt seine Schritte und atmet erst einmal tief durch. Auf jeden Fall möchte er sich jetzt zu einer unüberlegten Handlung hinreißen lassen. Er nimmt sich sogar die Zeit den Premer Torhüter direkt in die Augen zu schauen.
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Es gibt wahrscheinlich keinen Torhüter, der diese Situation nicht fürchtet. Der Gegner ist durchgebrochen und der Torhüter steht allein. Isleif zwingt sich zu langsameren Atmen, doch seine Nervosität macht ihm das nicht einfach. Sein Herz schlägt wie eine Trommel und seine Hände werden schweißnaß. Dem Blick Chatal's begegnet er mit einem trotzigen Gegenblick und er hofft, dass ihm seine Furcht nicht allzu sehr anzumerken ist. Die langsame Spielweise des 'Bullen'-Kapitäns geht ihm gehörig auf die Nerven. Der soll doch endlich schießen, dann ist es wenigsten vorbei - so oder so!
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Nervös betrachtet Dunvallo die Szene.
"Was macht da Chatal denn bloß? Das geht bestimmt in die Hose ...!"
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Nervös betrachtet Ifirnsgiron die Szene.
"Was macht da Isleif denn bloß? Das geht bestimmt in die Hose ...!"
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Nun wird Chatal wieder schneller. Er treibt den Kork vor sich her und tänzelt dabei um den Ball herum, dass der Torhüter unmöglich ausmachen kann, in welche Ecke der Ball einmal gehehen wird, wenn er, getrieben durch einen kräftigen Schlag Chatal's Schläger verlassen wird.
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Isleif ist verwirrt. Die Körperhaltung des 'Bullen' zum Ball ändert sich ständig. Er kann einfach nicht erkennen, ob der Stürmer nun schon schießen will oder den Ball noch ein wenig vorantreiben. Es ist ja auch nicht auszuschließen, dass Chatal plant den Torhüter zu umspielen, um dann in aller Ruhe den Ball zwischen die Pfosten und über die Latte zu heben. Das wäre der größte Triumph, den sich ein Spieler vorstellen könnte.
Isleif bewegt sich etwas nach links, damit macht er zwar das kurze Eck ein wenig zu offen, doch das gehört zum Plan. Er will Chatal dazu verleiten, die günstige Gelegenheit zu nutzen um den Ball abzuschießen. Darauf wäre Isleif aber dann geistig vorbereitet und hätte dann wahrscheinlich wenig Mühe, den Ball unschädlich zu machen.
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Chatal sieht die Lücke am kurzen Eck des Tors und muss lächeln. Vor vielen Götterläufen hätte er diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen und wie ein wilder auf den Ball eingedroschen, doch heute weiß er das besser. Das ist eine Falle, dass ist ihm klar, aber vielleicht läßt sich diese Falle auch zum eigenen Vorteil benutzen .....
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Bei allen Gehörnten, der Kerl schießt nicht, er schießt einfach nicht .....
Nun wird Isleif sehr unruhig und sehr angespannt. Er umfasst den Griff seines Schlägers fester. Gleich wird irgend etwas passieren und er wird eben nicht darauf vorbereitet sein können, aber er wird sich nicht kampflos geschlagen geben.
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Chatal hebt den Schlägerfast bis über den Kopf hinaus, geht einen kleinen Seitenschritt nach links und zieht die linke Schulter nach vorne, geht also in eine Grundstellung, die eigentlich sehr deutlich verrät, dass er auf das kurze Eck des Tores zielt.
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Isleif spürt eine gewisse Erleichterung, als er sieht, in welcher Weise Chatal ausholt um zu schießen.
'Das kurze Eck .... Na also!'
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Krachend trifft Chatals Schläger den Korkball ...
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DER BALL KOMMT! Isleif wirft sich ins kurze Ecke, sowie er das Geräusch hört, das ihm kündet, dass der Ball nun unterwegs ist. Er muss das tun, würde er warten, bis er die Flugbahn des Balls genau erkennen könnte, würde er auf jeden Fall zu spät kommen. So wie Chatal für seinen Schuß ausgeholt hat, muss der Ball in einer 'Affengeschwindigkeit' kommen....
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Es hat so ausgesehen, es hat sich so angehört, aber Chatal hat den Ball eben nicht voll getroffen, es war auch gar nicht die Absicht Chatal's den Ball voll zu treffen. Der alten 'Fuchs' hat ein paar Fingerbreit vor dem Ball in den Rasen geschlagen und dann erst den Kork. Dadurch wurde nicht nur die Wucht des Schlages erheblich abgebremst, sondern zudem der Ball in einer Weise getroffen, dass seine Flugbahn eben nicht, so wie erwartet, schnell und gerade sein würde.
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Als Isleif seinen Fehler erkennt ist es schon zu spät. Er liegt bereits hilflos auf dem Boden, als der Ball endlich daher kommt, hoch und gemütlich trudelnd, über ihn hinweg, ohne jede Möglichkeit ihn jetzt noch aus seiner Bahn bringen zu können ...
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Der Ball fliegt in hohem Bogen und ist derart langsam, dass ihn Isleif, würde er noch stehen, wahrscheinlich mit den Zähnen auffangen könnte. Doch der Premer Torhüter liegt geschlagen auf dem Boden und kann mit seinen Zähnen nur noch wütend knirschen.
Der Ball fliegt nun, als wolle er die gesamte Premer Hintermannschaft verspotten, mit einem leichten Bogen nach unten, langsam und würdevoll, wie eine Prinzessin beim Betreten des Ballsaals. Er kommt auf den Fingerbreit genau ins kurze Ecke, passiert die Torposten, berührt noch leicht die Querstange und das, zum Unglück der Premer auch noch von oben.
Dann fällt der Ballins weiche Gras hinter dem Tor und bleibt still liegen, als müsse er sich von seiner langen Reise nun endlich ausruhen.
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Damit steht fest: Drei Punkte für die 'Bullen' aus Havena! Und gerade so, als ob dieser Umstand noch mit Fanfarentönen gewürdigt werden sollte, ertönt nun das Signal zu Halbzeitpause .....
Noch vor wenigen Augenblicken wäre das Zeichen für die Halbzeitpause noch lieblicher ins Ohr gedrungen als der reinste Alveransgesang, eine Zeit des Luftholnes und der Erneuerung der Kräfte gewesen, um dann danach, in der zweiten Halbzeit, der hart erkämpften Vorsprung zu halten, ja vielleicht sogar noch auszubauen. Jetzt allerdings ist das Spiel wieder offen, es steht unentschieden. Fast die gesamte erste Halbzeit beherrschten die 'Pottwale' das Geschehen, es war ein Sturmlauf, wie unter EFFerd'S Gebrause, und nun hat Chatal, mit seinem Treffer im letzten Augenblick der ersten halbzeit alles wieder ausgeglichen.
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Müde und enttäuscht lassen die Pottwal-Spieler die Köpfe hängen. Algrid's Brustkorb schmerzt mit jedem Atemzug, so dass sie sich kaum noch zu hecheln getraut, Ifirnsgiron massiert sich den 'verschlungenen' Schenkel und auch Tula hält sich mit Schmerz verzerrten Gesicht die Seite. Die 'Fee' versucht noch immer Rumpo's Fußspur von ihren Trikot zu entfernen und die 'Tigerin' erhebt sich ächzend, obwohl sie jetzt liebend gerne an der Seite Dunvallos liegen geblieben wäre. Denn, obwohl sie ihn beschimpfte, fühlt sie sich dennoch stark zu ihm hingezogen. Allerdings denkt sie auch an diese unselige Wette, die sie mit dem Mann aus Havena eingegangen ist. Demnach müsste sie, sollte das Spiel ungünstig für die Nordleute enden, ihm rundum ergeben sein und diese Möglichkeit möchte Frenhild dann doch ausgeschlossen wissen.
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Hasgar und Aki stehen schreckensstarr. Sie sind von den letzten Ereignissen völlig kalt getroffen worden und nun schämen sie sich ihrer Überheblichkeiten.
Isleif liegt noch immer am Boden. Er fühlt sich genarrt und gedemütigt und auch der Trost Faenwulfs kann ihn nicht trösten.
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Ragnid allerdings scheint von allem völlig ungerührt zu sein. Lediglich ein leichtes Kopfschütteln verrät ihre tiefe Enttäuschung.
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Die Zeit des Jubelns liegt also nunmehr bei der Mannschaft aus Havena. Doch auch bei den 'Bullen' sind die Zeichen der Freude sehr zurückhaltend, denn der letzte Angriff hat ihnen alles, aber auch wirklich alles abverlangt.
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Scibor hat sich wohl am schnellsten erholt, er befindet sich bereits auf dem Weg ins Mannschaftslager. Romolosch hat ihn, mit Hilfe Tamlins so rasch wie möglich von Spielfeld gedrängt, damit der kleine, jähzornige Spieler sich durch unbeherrschte Handlungen nicht noch im letzten Augenblick schuldig macht.
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Rumpo steht auch schon wieder und er blickt verwirrt umher. Er kann sich das, was ihm durch Faenwulf widerfahren war nciht so recht erklären. Und nur langsam sickert es ihm ins Bewußtsein, dass die 'Bullen' einen Treffer erzielt haben. Das freut Rumpo außerordentlich, aber die Leute einfach zu überrennen oder zur Seite zu schieben, das war auch sehr schön gewesen.
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Zunächst war Duvallo fürchterlich erzürnt gewesen, auf Frenhild, die Tigerin, da sie ihn von hinten attackiert hatte, aber auch auf sich selbst, da er diesen Angriff viel zu spät bemerkt hatte. Doch das Tor durch Chatal hat ihn augenblicklich wieder mit der Situation versöhnt. Grinsend sieht er zu wie sich Frenhild stöhnend erhebt. Die Dinge stehen jetzt wieder gut und vielleicht lohnt es sich ja auch schon, sich die 'Tigerin' in der Phantasie einstweilen einmal ohne Kleider vorzustellen. Mal sehen, ob sich Vorstellung und Wirklichkeit treffen.
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Chatal ist der Mann des Augenblicks! Er steht da, stark und ruhig wie die Rondra zu Norburg, hebt triumphierend die rechte Faust nach oben, die Pose des Siegers. Zwar ist erst die halbe Spielzeit vergangen und es steht alles offen, doch zweifelt Chatal nunmehr keinen Moment mehr daran, dass es zum Besten für die 'Bullen' ausgehen wird. Eine augeklügelte Taktik, seine meisterhafte Einzelleistung und ein außerordentlich diszipliniert spielendes Team haben, innerhalb kurzer Zeit, den gesamten Sturmlauf der 'Pottwale' vergessen lassen. Chatal badet in der brausenden Anerkennung. Noch immer hält er die Faust steil nach ober gestreckt.
Tibraide ist als erste bei ihm, um ihn ihre Gratulation auszusprechen. Sie fühlt sich schon sehr erleichtert, dass das Spiel nun wieder offen ist und dass ihrer kleine taktische Spielerei vor dem Beginn des Spiels nun nicht mehr die fatale Auswirkung hat, wie sie sich in der letzten Zeit der Begegnung schon angedeutet haben mag. Das Spiel steht unentschieden und die zweite Halbzeit wird eine total ausgelaugte 'Pottwal'-Mannschaft sehen. Chatal's Siegerpose locker sich nun und bescheiden nimmt er den Dank der Gefährten entgegen. Er wiegelt ab, spielt seine Leistung herunter, doch seine Augen leuchten vor Stolz. Wieder einmal hat er bewiesen, warum man ihn einen der Besten des Immansports nennt.
IN HAVENA - Im Immanstadion - Zuschauereaktionen
Unter den Premer Fans ist es stockstill. Das einzige Wort, was man noch hört ist 'Drei', als man diejenigen, die die Schmach schon kommen sahen und nicht mit ansehen wollten, über den noch schrecklicheren Schrecken aufklärt.
Lediglich ganz vorne am Tor brüllte ein Premer mit riesigem Hörnerhelm und hochrotem Gesicht:
"ISLEIF, DU PFEIFE! DU ANFÄNGER! DU BIST KEIN TORWART, DU BIST EIN RÜBENSACK!"
Den Premer Fans jedenfalls scheint dieser unverdiente Ausgleich nach einer hervorragenden Halbzeit wie eine Niederlage.
"TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!!!!!!!!!!!!!!!!!"
Aus mehreren tausend Kehlen hallt dieser Ruf durch das Stadion, ein Ruf, in den sich die Freude über das Tor ebenso äußert, wie sich die aufgebaute Spannung entlädt, denn schließlich ist es nicht nur irgendein Tor, sondern ein wahres Meisterwerk von Tor, das den schmählichen Rückstand aufholt, und dazu die Premer so wunderbar ausgetrickst hat.
"WEITER SO!" Rufe dieser und ähnlicher Art begleiten die Bullen auf dem Weg vom Spielfeld in die Mannschaftsräume, und auch deren Wände sind kaum geeignet, solche stimmgewaltigen Rufe fernzuhalten.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Knurrende Reue - Fiana, Ole
In der Tat ist Fiana völlig überrascht und steht mit offenem Mund da und betrachtet Ole.
" O.. O.. Ole.....Was..."
Es dürfte für Ole nicht schwer sein an ihrem Blick zu erkennen, dass hier eine Grenze der Toleranz überschritten wurde.
Nach dem kurzen Begeisterungstaumel, der Ole förmlich hinweg gerissen hat, setzt nun langsam bei dem alten Schiffszimmermann eine Wahrnehmung ein, die nicht durch den, für die 'Pottwale' so günstigen Spielstand getrübt ist und es wird ihm mit einem mal bewußt, WEN er da so leidenschaftlich abgeküsst hat. Und nun kann man etwas sehen, dass man bei dem alten Haudegen Ole nicht sonderlich oft sehen kann: Er errötet!
"Oh ... auch du meine Güte .... nehmt mir das bitte nicht so krumm .. Herrin .. es ist ... es war ... nun ja ..." stammelt Ole vor sich hin, die rechten Worte wollen ihm einfach nicht einfallen. Verlegen kratzt er sich am Hinterkopf, streicht durch seinen wallenden Bart und schaut schuldbewusst auf seine Füße hinunter. Dann räuspert er sich, richtet sich auf und sagt mit klarer, sachlicher Stimme:
"Es steht drei zu null für die 'Pottwale', Herrin!"
Ein heiteres Lächeln schleicht sich wieder in sein Gesicht, denn es kann für Ole im Augenblick nichts Schöneres geben, als den Umstand, den er so eben verkünden durfte.
Fianas Blick ist streng, aber nicht böse, denn Ole hat sicher schon einige Premer intus und die Freude über das Ergebnis hat ihn in einen Ausnahmezustand versetzt.
Sie blickt sich kurz um und ist sicher recht sicher, dass niemand von der Mannschaft etwas mitbekommen hat.
"Bei SWAfnir und EFFerd Das kommt nie wieder vor Ole ist das Klar! Dann werde ich über den Ausrutscher ausnahmsweise wegen der freudigen umstände hinwegsehen"
Die Tonlage Fianas läst keinen Zweifel daran, dass eine falsche Antwort mindestens drei Monde Deckschrubben nach sich zieht, wenn nicht Schlimmeres.
Ole ist ziemlich zerknirscht. Er lächelt unsicher und läßt schuldbewußt alle Vorhaltungen Fiana's über sich ergehen. Ergeben senkt er den Blick, allerdings nicht ohne hin und wieder noch einmal kurz auf Fiana zu schauen, und dies nicht nur, um nachzuforschen, ob sie noch immer verärgert sein könnte, sondern um sich zudem noch an ihrer wunderbar fraulichen Gestalt zu erfreuen. Ihm war bisher noch niemals aufgefallen, wie anmutig Fiana aussehen kann, wenn sie nicht gerade am Steuer der NODRSTERN steht und wie eine Steinstatue zum Horizont starrt. Ihre liebliches Aussehen kommt eben nicht so gut zum Ausdruck, wenn sie einen vom einen Ende des Schiffs zum anderen hin und her kommandiert. Wenn EFFerd seinen Tribut fordert, dann muss RAHja außen vorstehen.
Es ist eigentlich schade, dass sie ein Offizier der NORDSTERN ist, sei wäre wirklich ein schmuckes Frauenzimmer, die einen echten mann wahrhaft reichlich glücklich machen könnte. Und so bitte Ole geduckt nach Pardon, aber irgendwo tief in ihm ist eine standhafte Stimme, die ihm rät, das Geschehen zwar zu bedauern, aber nicht zu bereuen.
In diesem Moment fällt der Ausgleich für die 'Bullen'. Ole hat das Tor, Chatal soll es geschossen haben, nicht gesehen. Aber er hätte es auch niemals sehen wollen. Dennoch fliegt Ole's gute Laune dahin, wie der Sand in der Khom. Im Nu ist sein Stimmung im Keller. Und auch die drei Küsse, die er Fiana aufgenötigt hatte, eben für jedes Tor der 'Pottwale' einen, kommen ihn nun so unbedeutend, ja sogar unpassend vor. In der Stimmung, in der er sich jetzt befindet, könnten ihn alle Rahjaha des Kontinentes gemeinsam ihn nicht zu einem Kuss heraus fordern.
Auch die Gestalt Fiana's verändert sich in seinem Augen von einem Augenblick auf den Anderen. Nun sieht Ole nicht mehr ihre wohlgeformten Rundungen und ihr anmutige, hochgewachsene Gestalt, sondern nur ihren strengen Blick und ihre menschliche Entfremdung, die einem außenstehenden Beobachter glauben läßt, dass sie ein herzhaftes Lachen für eine disziplinäre Verfehlung halten könnte. Auf einmal wirkt sie gar nicht mehr lustig und überhaupt nicht mehr begehrenswert. Nun bedauert Ole den Vorfall nicht nur, er bereut ihn zusätzlich, seiner inneren Stimme, die allerdings nach dem 'Bullen-Tor' erschrocken verstummt war, zum Trotz.
"Ja, Herrin! Es wird ganz bestimmt nicht mehr geschehen, mein Wort darauf!" brummt Ole vor sich hin. Und selten war ihm etwas ernster gewesen als dies!
Auch Fiana bleibt weder die Veränderung um Ole, noch der gefallene Ausgleichstreffer verborgen, dennoch konzentriert sie sich mehr auf Ole, als auf den Havener Jubel um sie herum. Ein Gedankliches 'Verfluchtes Bullenpack' kann sie sich jedoch nicht verkneifen.
"Gut Ole, dann ist der Vorfall vergessen."
Fianas Gesicht wandelt sich zwar nicht zum Lächeln, das liegt aber nicht an Ole, sondern an dem Tor der Bullen, aber ihr Gesicht wirkt deutlich freundlicher.
"Und jetzt lass uns mal sehen was die Kälbchen da treiben, nicht dass die noch ein Ei legen!"
Und da Fiana nicht alles mitbekommen hat, muss der herhalten, der es so oft muss.
"Wetten das der Schiedsrichter geschlafen hat, sonst wären die nie durchgekommen"
Sprachs und sucht die Schuld überall nur nicht bei -ihren- Pottwalen.
NORDSTERN - Im Laderaum: Diebische Gesellen - Anselm und Jarun
Die Schritte draußen auf dem Ladedeck hat Anselm kaum vernommen, so daß er sich voll und ganz darauf konzentriert hat, jede Kiste und jeden Sack innerhalb dieses großen Schrank zu untersuchen. Doch als dann plötzlich jemand da draußen zu reden beginnt und ihn anscheinend auch noch anspricht rutscht Anselm beinahe das Herz in die Hose.
Blitzschnell dreht Anselm sich um und schaut in Richtung Tür, doch er kann niemanden erblicken. In seinem Kopf schwirren wilde Gedanken wer ihn da wohl entdeckt hat... Die Stimme kommt ihm seltsam bekannt vor..
Sein Herz schlägt ihm noch bis zum Hals, während er in's dunkle flüstert:
"Jarun, seit ihr das?"
"Das Wohl! Würden wohl unsere Matrosen antworten. Aufmerksamkeit und Intuition sind die grundlegensten Talente, die man in unserem Handwerk besitzen muß."
Neugierig lugt Jarun in den kleinen Laderaum.
"Und diese Fähigkeiten scheinen euch eigen zu sein. Sicher habt ihr schon etwas Brauchbares gefunden?"
Doch einige geschlossenen Kisten und Beutel lassen Jarun erahnen, daß Anselm keineswegs so weit mit durchstöbern ist, wie er erhofft hatte.
"Ich glaube, ich helfe euch besser. Mir ist nämlich so, als würde das Schiff nicht mehr allzu lange so ruhig vorsichhinschwanken."
Doch bevor sich Jarun auf die geschlossenen Kisten stürzt, giert er doch noch einmal nach dem bereits gefundenen.
"Zeigt mir doch schon mal, was wir bereits gefunden haben."
"Gefunden?! Nun ja, ich bin einigermaßen froh die Hand vor Augen zu sehen. Zumal hier nicht nur Sachen von Wert sind." Anselm zeigt dabei auf einen großen Kartoffelsack.
"Aber zwei Augenpaare sehen mehr als eins, und da ihr ja auch ein fähiger Mann zu sein scheint wird das ganze sicherlich ein Kinderspiel. Aber jetzt keine Zeit verlieren. Ihr schaut am besten dort drüben nach und ich suche weiter hier, ja?"
Anselm deutet in eine Ecke des Laderaums und schaut Jarun dabei verschmitzt an.
"Wenn es hier etwas zu holen gibt, dann finden wir es!" flüstert Jarun und widmet sich der Seite des Laderaums, auf die Anselm gedeutet hatte.
Natürlich sind gute Augen unersetzlich für einen guten Dieb, gerade, wenn es darum geht, den genauen Wert eines Gegenstandes zu schätzen. Doch für das schnelle Durchsuchen eines kleines Raumes reichen Jaruns geübte Finger vollkommen aus. Blitzschnell gleiten die Finger über und in die Säcke, Kisten und andere Behältnisse, die sich in dem Laderaum aufbewahrt werden. Ab und zu verharren die Finger an einem Gegenstand, um seine Beschaffenheit genauer zu untersuchen.
Wie zwei kleine Nagetiere, auf der Suche nach Nahrung huschen die Hände völlig unabhängig durch den Raum. Immer auf der Such nach etwas 'Essbarem'. Auch das leise Trippeln der Fingerspitzen über die Kisten, erweckt den Eindruck, ein Mäusepärchen würde den Laderaum inspizieren.
Ein, zwei Mal, während seiner Suche, bleibt Jarun ruhig stehen, um in die Stille des Ladedecks zu horchen.
Ein relativ großer, aber nicht schwerer Sack, erweckt Jaruns Neugier. Vorsichtig entwirrt er den Knoten des Seiles, das den Inhalt momentan vor den diebischen Fingern des Gauklers schützt.
'So, dann woll'n wir mal sehen, was du in deinem Bauch trägst. Aha! Eine sorgfältig verpackte Rolle Stoff.'
Jarun streift die Öffnung des Sack über die Rolle um den Stoff genauer zu untersuchen. Langsam und behutsam, als würde er den sanften Körper einer Frau streicheln untersucht er den Stoff auf seine Beschaffenheit.
'Sehr glatt und angenehm kühl. Wahrscheinlich Seide! An den Rändern scheinen schon einige Stickereien eingearbeitet zu sein.'
Eine genauere Untersuchen der Stickereien, bringen Jarun aber keine neuen Erkenntnisse. 'Sicherlich einiges Wert. Aber zu sperrig, um es ungesehen von Bord zu bekommen. Schau'n wir mal weiter.' Sorgfältig bringt er den Sack in seinen Urzustand und setzt dann seine Suche fort.
Beim zurücksetzten des Sacks, bemerkt Jarun ein kleines Kistchen, das sich wohl hinter dem Sack befunden hat. Mit einem siegessicheren Lächeln bückt er sich nach dem Kästchen, das wohl höchstens eine Elle mißt. Lautlos stellt er es auf einer der großen Kisten ab.
Das Abtasten des Kistchens verrät, daß es mit keinem Schloß bewährt ist. Mistrauisch schaut Jarun in die Dunkelheit. Schnuppernd hält er seine Nase vor den winzigen Spalt der Kiste. Ein süßlicher Duft, der einen kleinen zwiebelhaften Unterton besitzt, ströhmt kaum merklich aus dem inneren des Kistchens.
Angewiedert richtet sich Jarun wieder auf und dreht das Kistchen gleichzeitig in Richtung der Rückwand des Laderaums. Mit einer Hand seine Atemwege durch den Umhang bedeckend, öffnet der das kleine Behältniss.
"Sssssssiiiirrrrrr - TOK"
Ein kleiner Pfeil schnellt aus der Kiste und findet das Ende seines Fluges in den Holzplanken der Rückwand.
'Kelmon!'
Nach Jaruns Meinung handelt es sich bei diesem Waffengift um das effektivste Gift, um einen Dieb davon abzuhalten sein Beutezug fortzusetzen. Recht günstig in der Anschaffung und doch so effektiv.
Nur zu gut kann sich der inzwischen gealterte Gaukler an seine Jugend erinnern, die in manchen Situationen durch das Glück des Gläubigen geprägt war.
'Wie eine Ewigkeit kam mir damals mein erster Kontakt mit dem Lähmungsgift vor. Unbeholfen und ein wenig tolpatschig, irrte ich schon vor dem Auslösen der Falle durch das kleine Haus des Händlers, dessen Arroganz mich mehr zu dieser Tat trieb, als daß ich es wirklich wollte. Doch schnell wich dieser Drang, nachdem ich die Falle an dem Schreibtisch übersehen hatte und machte Platz für eine weitaus mächtigeres Gefühl: ANGST. Ich schaffte gerade noch die ersten drei vier Schritt in Richtung der Tür zu machen, bevor meine Beine ihren Dienst versagten.'
Der Gedanke an die Minuten der Furcht lassen Jarun trotz der vielen Jahre noch immer einen Schauer über den Rücken laufen.
'Minute um Minute verbrachte ich auf dem Boden liegend. Unfähig mich auch nur wenige Finger von seinem momentane Ort zu bewegen. Einzig meine Ohren arbeiteten mit doppelter Leistung. Jedes Geräusch, wenn es auch noch so gering war, lies neue Angst in mir aufleben. Schließlich hörte ich wirklich etwas, daß mich fast in Ohnmacht fallen lies. Schritte in der unteren Etage des Gebäudes, die immer wieder hin und her, hin und her gingen. Einzig der Glaube an den Schutz des Fuchsgottes, gab mir Hoffnung. Ebenso schnell, wie sie gekommen war, verging die Lähmung wieder und ich wagte den Sprung aus dem Fenster. Humpelnd lief ich so schnell ich konnte in den nächsten Tempel und dankte PHEx für sein Wohlwollen.'
Recht glimpflich, mit einem verstauchten Fuß, aber ohne jede Beute, hatte er eine neue Lektion gelernt. Denn wenn auch die Angst vor solchen Situationen gewichen war, was wohl die Erfahrung mit sich bringt, so blieb der Respekt vor dem Gift doch ungebrochen.
Kaum das Jarun sich in die Ecke des Laderaums begab, hatte Anselm schon wieder die Suche nach potentiellem Diebesgut begonnen. Dabei betastete er vorsichtig ein paar größere Kisten die anscheinend versiegelt wurden.
'Die werden wir so nicht aufbekommen.. ich suche lieber woand--'
Der Gedanke bricht ab als Anselm hört wie Jarun anscheinend eine Falle auslöst. Blitzschnell eilt er rüber zu Jarun in der Hoffnung das nichts passiert ist.
"Jarun!" Anselm vergaß für einen kurzen Augenblick daß er sich leise verhalten müsste, besinnt sich doch wieder und flüstert:
"Jarun, was war das? Seid ihr in Ordnung?"
"Mir geht es gut! Könnt ihr einen Dorn mit Kelmon gebrauchen? Dort in der Rückwand der Laderaums steckt nämlich einer."
Die Ironie in Jarun's Worte ist durch das Lächeln des Gauklers auch in der Dunkelheit noch deutlich zu hören.
"Ein gefährliches Zeug! Zum Glück hat es einen starken, sehr eigenwilligen Geruch, der meist sogar durch eine geschlossene Truhe zu riechen ist. Aber schauen wir doch mal, was sich in dem Kistchen befindet. Wenn etwas dermaßen gesichert ist, sollte es doch einige Dukaten wert sein."
Neugierig dreht Jarun das Kistchen herum und tastet in das innere der Truhe. In ihr befindet sich ein Tuch, in dem sich ein paar Gegenstände hineingelegt wurden. Jarun faltet das Tuch auseinander und findet einige Ringe und Armbänder aus Metall, sowie eine Halskette mit einem großen Stein. Eine genauere Bestimmung des Metalls und des Steins ist auf Grund der Dunkelheit nicht möglich. Doch Jarun überlegt nicht lange über den Wert nach, sondern läßt die Schmuckstücke schnell in seiner Umhängtasche verschwinden.
Anschließend schließt er die Truhe, um sie wieder an ihren alten Ort zurückzustellen.
Anselm beobachtet was Jarun alles einsteckt und nickt ihm wohlwollend zu. Sofort begibt er sich selbst wieder an die Arbeit. Vor ihm steht eine große Truhe mit Schloß, welches Anselm kurz begutachtet. Schnell zückt er ein weiteres Mal seine Dietriche. Nach wenigen Momenten hat Anselm auch diese Hürde überwunden und er kann freudig lächelnd den Deckel der Truhe vorsichtig anheben.
Zum vorschein kommen viele kleine Beutelchen in denen sich allerhand befindet. Zum einen Teil eine Art Steinsammlung, die sowohl anscheinend aus billigen Kieslchen besteht wie aus selteneren Steinen. Anselm nahm auf gut Glück ein, zwei Säckchen dieser Steine mit. Des weiteren fand er eine Brille, welche separat in einem Säckchen aus besonders dickem/weichen Stoff lag. Auch diese wird mitgenommen. Danach schließt Anselm die Truhe vorsichtig und schafft es sogar mit dem Dietrich sie wieder zu verschliessen.
Sodann wendet er sich zu Jarun und spricht:
"Hör mal, ich bekomme so ein ungutes Gefühl, wir sollten hier nicht mehr allzu lange bleiben."
Jarun, der gerade ein kleines Säckchen, auf die Truhe vor ihm gestellt hat, um den Inhalt genauer zu untersuchen, flüstert nur ein kurzes, "Geht mir auch so.".
"Nur einige Augenblicke dann sollten wir gehen." fügt er hinzu während er einige hühnerei große Tonfläschchen aus dem Leinensäckchen zieht. Die Tongefäße sind alle mit einem Korken verschlossen und anschließend mit Wachs versiegelt worden. Langsam entfernt Jarun den Wachs eines Fläschchens und öffnet es mit gebührender Vorsicht.
Ein Duftwolke strömt ihm aus dem Tongefäß entgegen und läßt unwillkürlich das Bild des fasarer Basars vor seinen Augen entstehen. Gleichzeitig ist eine leises Magenknurren zu hören. 'Kräuter aus der Heimat! Wenn die Götter mir damit nicht ein Zeichen geben wollen, in Fasar einen längst überfälligen Besuch nachzuholen?'
Zufrieden verschließt Jarun das Tongefäß mit dem Korken und legt es zurück in das Säckchen. Sorgsam verschnürt verschwindet auch diese Beute unter seinem Umhang.
"So, wir können."
Ohne eine Antwort abzuwarten huscht er aus dem 'Ladeschrank' und bezieht Posten recht neben der Tür, um dort auf seinen Begleiter zu warten.
Schnell folgt Anselm seinem Kumpan raus aus dem Laderaum. Während er mit seinen Dietrichen die Tür verschließt sagt er zu Jarun:
"Ich glaube es ist das Beste wenn wir außerhalb des Ladedecks so tun als wäre nichts gewesen und uns dann still und heimlich davon machen, oder?"
Jarun nickt zustimmend.
"Also verhalten wir uns ruhig, bis es Nacht ist. Dann sollte es ein Leichtes sein, daß Schiff unentdeckt zu verlassen."
Einen Anflug von Trauer angesichts der Tatsache, daß Jarun das Schiff an diesem Abend noch verlassen muß, kann er er nicht verhehlen, zu schön und interessant war die Zeit auf dem Meer, zu stark die Gefühle, die ihn mit den Passagieren und der Besatzung verbinden.
'Es ist gut zugehen, bevor die Bindung zu stark wird, denn eigentlich ist sie schon stärker, als es mein Profession erlaubt.'
Mit diesen Gedanken schleicht er den Aufgang zum Unterdeck hinauf.
"Gut, so machen wir's." brummt Anselm Jarun nach, während er ihm in Richtung Unterdeck folgt. Als beide oben angelangt in Richtung Kabine weitergehen tut er so als hätte er mit Jarun 'nur einen Spaziergang' gemacht.
IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena
Viel zu kurz ist eine Halbzeitpause. Dem Publikum mag sie ja wie eine Ewigkeit vorkommen, aber für die Spielern ist sie rascher vorbei, als ihnen manchmal lieb sein kann. Missmutig trabt die mannschaft aus Prem wieder auf das Spielfeld. Man kann es den 'Pottwalen' ansehen, dass sie alles andere als ein vergnügte Pause erlebt haben, eingehumpeln, andere halten sich die Seite, der Rest läßt den Kopf hängen. Nur Faenwulf und Ifirnsgiron machen ein Gesicht als gälte es nun einen Lindwurm mit bloßer Hand zu erwürgen und Ragnids Haltung scheint so unbeteiligt, als berühre sie das alles überhaupt nicht. Sie ist die einzige, die lächelnd aus der Pause kommt, mit federndem Schritt, den Schläger lässig geschultert.
***
Algrid hält sich mit von Schmerz verzerrtem Gesicht die Seite. Sie atmet nur flach und alles deutet darauf hin, dass sie sich bei den letzten Aktionen der ersten Halbzeit eine oder mehrere Rippen gebrochen haben muss. Doch die 'Pottwale' sind ohne Ersatzspieler angereist und so hat sich das 'Feuerhaar' entschlossen
weiter zu spielen, allen Einwände Faenwulfs und Ifirsgiron zum Trotz. Tula humpelt. Ihr Knie rechtes Knie ist dick geschwollen, dennoch geht sie eisern aufrecht. Das Äußere kann täuschen, Tula wird sich von einem kaputten Bein nicht einschüchtern lassen. Ihr Kampfwille ist ungebrochen.
***
Thinmar sucht das Feld nach Scibor ab. Der 'Schlangen-Arsch' soll dafür bezahlen was er Algrid angetan hat. Das Scibor eigentlich gar nichts dafür kann, dass Algrid so verletzt wurde, ist für Thinmar von keinerlei Belang. Er braucht eigentlich keinen Grund mehr, um Scibor zu hassen, er braucht nur noch Scibor ......
***
Man kann es Frenhild, der Fee, ganz deutlich ansehen, dass sie unzufrieden ist mit ihrer Leistung bisher. Sie hat das Trikot gewechselt, das alte Trikot, zwangsweise geziert mit dem Fußabdruck Rumpos, mochte sie nicht mehr anbehalten. Lieber wäre sie ohne Trikot wieder eingelaufen, als immer dieses Zeichen des Versagens tragen zu müssen. Sie ist fest entschlossen ihre Sache in der zweiten Halbzeit besser zu machen.
***
Die Zuschauer sehen eine arg gebeutelte Mannschaft aus Prem einlaufen. Mehr noch als die kraftraubende erste Halbzeit, als das niederschmetternde Gegentor, ist den Spielern in der Pause Ifirnsgiron's Rede ins Gebein gefahren. Der Kapitän der Mannschaft hat es sich nicht nehmen lassen, während er sich selbst die Krämpfe aus dem Bein massierte, der Mannschaft deutlich zu machen, was er von ihrer bisherigen Leistung hält. Mit keinem Wort geht er auf das leidenschaftliche SPiel der Premer ein, er bemängelt vielmehr, dass sie aus der drückenden Überlegenheit in der ersten Halbzeit keinen größeren Vorsprung heraus schiessen hatten können. Auch auf den völlig aufgelösten Zustand der Abwehr beim Gegentor ging er ein und er verteilte Schelte großzügiger als FIRun Schnee im Winter. Jeder andere hätte bei einer solchen barschen Kritik den Schläger aus Eschenholz für immer auf die Seite gelegt. Nicht so die Spieler von 'Pottwal' Prem, die ihrem Kapitän bedingungslos vertrauen, auch wenn es Schimpfworte nur so hagelt. Und so gelingt es Ifirsgiron seine Wut auf die anderen Spieler zu übertragen, dass sie nun nicht mehr mit den Schicksal hadern, sondern mit sich selbst, verbunden mit dem Willen, alle Wut am Gegner auszulassen.
Als Ifirnsgiron seine Rede abschloss, hört er nun noch ein trotziges:
"Ho, ho, ho ..."
Der kapitän lächelt. Dennoch brüllt er:
"IST DAS ALLES?"
Sofort kommt die Antwort und es ist wieder ein:
"HO,HO,HO ... !"
Doch diesmal ist es schneller und sehr viel lauter. Und wieder lächelt Ifirsngiron, diesmal etwas ehrlicher als vorher. Dann sieht er mit sorgenvoller Miene zu, wie sich die Spieler müde erheben, um in das Spiel zurück zu kehren.
***
Nur die 'Tigerin' hat der Rede des Kapitäns nicht so richtig zugehört. Sie ist in eigene Gedanken versunken. Immer wieder erinnert sie sich der Wette mit Dunvallo. Ihre Siegeszuversicht ist, alles in allem, nicht mehr zu kräftig wie noch vor Kurzem. Was könnte sie nur tun, wenn die 'Bullen' das Spiel tatsächlich gewinnen sollten. Dunvallo wird mit Sicherheit kommen, seinen Gewinn einzufordern. Frenhilf seufzt, denn alle Ausreden, die sie sich für diesen Fall zurecht gelegt hat, klingen derart hirnverbrannt, dass es unter ihrer Würde sein würde, sie auch wirklich anzuwenden. Auf der anderen Seite kann sie sich aber auch nicht mit dem Gedanken anfreunden, sich einfach für Dunvallo hinzulegen. Frenhild, die 'Tigerin' presst ihre Lippen zusammen. Da hilft nur noch eins: Siegen oder Unterliegen! Wobei Frenhild selbstspöttisch feststellen muss, dass das 'Unterliegen' in ihrem Fall sogar wörtlich zu nehmen wäre.
***
Die beiden Frenhilds und Ifirnsgiron versammeln sich im Mittelfeld. Gleich wird der Korkball für die zweite Halbzeit eingeworfen werden.
***
Ein Pfiff ertönt...
Die Bullen dagegen kommen mit einem Lächeln aus ihren Kabinen. Aufrecht und energiegeladen marschieren sie ein. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie schon die Sieger - und genauso fühlen sie sich.
Sicher, noch steht es unentschieden, doch sind die Premer sicherlich total verausgabt (auch wenn sie etwas Zeit hatten um sich zu erholen) und der Drei-Punkte-Treffer kurz vor Schluss muss ihnen gezeigt haben, wie schwach sie sind.
***
Wo manche der Premer deutlich Federn lassen mussten, sehen die Bullen fit aus. Sicher, viele haben sich blaue Flecke und Schürfungen eingefangen, doch das ist nichts, was einen echten Immanspieler aufhalten könnte. Einzig Raika sieht noch blasser aus als sonst - doch wer lernen musste, mit den Wölfen zu laufen, der verlässt das Rudel nicht wegen eines kleinen Bisses.
***
Lange hatte Cathal überlegt, ob er Scibor in der zweiten Halbzeit wieder mit aufs Feld nehmen sollte. Sicher, nach der Ermahnung hatte er sich benommen, doch der Kapitän ist sich nicht sicher, ob der rasende Zorn nicht wieder erwachen wird. Schließlich hatte ihr Trainer entschieden: er spielt mit. Das einzige was Cathal tun kann ist nun, ihn im Auge zu behalten. etwas, worum er auch andere Spieler gebeten hat...
***
Und so läuft Scibor wieder mit gewohnt grimmigen Gesicht mit ein. Seine tiefliegenden Augen suchen die Spieler der Premer Mannschaft. Zufrieden nimmt er zur Kenntnis, dass einige der "Piraten" kaum noch laufen können und das freut ihn.
`Und am Ende des Spiels werden noch weniger von Euch dazu in der Lage sein` denkt er grimmig.
***
Tibraide hatte zugeben müssen, dass sie die Kraft und Ausdauer der Premer unterschätzt hatte. Das würde ihr nicht noch einmal passieren. Auch wenn die Premer nun erschöpft scheinen - Tibraide kann sich nicht vorstellen, dass sie sich kampflos ergeben werden. Sie würde auf der Hut sein, die Abwehr noch besser organisieren! Und dann würden sie die Pottwale vom Platz fegen!!!
***
Genau das wurde auch während der Besprechung der Bullen in der Kabine gesagt. Cathal zeigte sich zwar zufrieden über das perfekte Zusammenspiel am Ende der Halbzeit - die Leistungen am Anfang konnte er dagegen nicht loben.
"Behaltet sie im Auge!!! Sie sind gut - noch immer! Unterschätzt sie ja nicht noch einmal!"
Aufmerksam sah er sich in der Kabine um, sah seinen Spielerinnen und Spielern in die Augen. Sie alle waren noch trunken von dem Tor am Ende. Doch dies war kein Grund so zu jubeln, im Gegenteil.
"Denkt daran, dass wir noch nicht führen! Also, ich will Tore sehen!!!"
Zustimmendes Gemurmel brandet ihm entgegen. Die Freude der Havener hatte einen Dämpfer erhalten - doch ihre Entschlossenheit ist stärker als zuvor.
***
Und so sind die Bullen gefangen zwischen zwei Stühlen. Einerseits gilt es, die Premer nicht zu unterschätzen, ihnen keine Möglichkeit zu geben, weitere Tore zu erzielen. Andererseits gilt es, offensiv zu werden, in Führung zu gehen. Doch bei dem Anblick der Premer hegen die Bullen keinen Zweifel mehr: Das ist zu schaffen!!!
Und sie würden es schaffen!
Das sind sie sich und den Fans schuldig. Und sicherlich haben sie die Unterstützung der Mehrheit der Zuschauer auch weiter sicher...
***
Dunvallo blickt suchend über die Reihen der Pottwale. Dann hat er sie gefunden, die »Tigerin«, deren Hartnäckigkeit und Kraft ihm imponiert hat. Das Lächeln, das vage in ihre Richtung blitzt ist nicht etwa überheblich siegessicher, sondern eher freundlich und aufmunternd. Aus diesen Wettkampf ist für ihn inzwischen schon beinahe mehr geworden. Sie ist eine Frau, wild und stürmisch, die erobert werden will.
`Was sie wohl gerade denkt`
***
Mit blitzenden Augen und doch angespannt nehmen die Bullen ihre Plätze ein. An der Aufstellung hat sich im großen und ganzen nichts verändert. Noch immer bietet sie ein gesunde Mischung aus Abwehr und Angriff, auch wenn sie gerade in der »Mitte« etwas nach vorne gerückt scheint.
***
... und der Ball fliegt ....
***
Sofort sind die Bullen im Angriff! Cathal schnappt sich den Ball, schnell wie RONdras Blitz und treibt ihn nach vorne. Dunvallo ist nahe an seiner Seite wie auch andere Bullen aufrücken.
***
Doch die Premer schlafen nicht - und sie sind weit davon entfernt aufzugeben. Mit vereinten Kräften bringen sie den Vormarsch zum Stehen und sammeln ihre Kraft um zum Gegenangriff auszuholen, der jedoch ebenfalls bald auf eine Mauer prallt. Eine Zeitlang wechselt der Ball hin und her, wogt vor und zurück, mal in jenes, dann in dieses Feld. Ganz klar, die Bullen sind momentan die kräftigeren Spielern und könnten das Spielgeschehen bestimmen. Doch gelingen will es ihnen nicht wirklich. Was den Pottwalen an Kraft fehlt, machen sie durch Einsatz und Entschlossenheit wieder weg. Ein echter Thorwaler gibt sich nicht geschlagen, hört nie auf zu kämpfen - es sei denn, er reitet schon auf Golgaris Rücken...
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen
Hey .. O
HEY .. O
Ball VOOR
Pottwal
ejn TOOR
Mit leichtem Entsetzen haben die treuen Fans der Premer den Einmarsch ihrer Spieler mit angesehen. Aber wenn die Kraft nicht mehr in den Beinen steckt, dann muß sie eben aus den Lungen der Fan kommen. So geben sich die Premer alle Mühe, die zahlenmäßig überlegenen Anhänger der Bullen zumindest durch Lautstärke zu schlagen. Jeder Spielzug der eigenen Mannschaft wird von Jubel und Gesängen begleitet.
IN HAVENA - Auf dem Marktplatz: Stockfisch - Silana und Darian
Nachdem der schlacksige Blonde mit seiner Beute zur Seite getreten war und die Novizin und der Adeptus stehe vor einer Art Theke. Von vorne strömt ihnen Rauch und Hitze entgegen, aber eben auch der verlockende Duft der Fische. Der hünenhafte, korpulente Verkäufer, ohne es zu wollen, kommt Silana das Wort 'bullig' in den Sinn, steht gerade mit dem Rücken zu ihnen, um an den Stecken, an denen die Fische aufgespießt sind, zu drehen.
Silana öffnet kurz den Mund, in der Absicht, ihn anzusprechen, schließt ihn aber sofort wieder. Sie erinnert sich an den Gesichtsausdruck Darians, als sie den Mann vor dem Stadion nach dem Weg befragt hatte, da hatte sie so etwas wie Peinlichkeit drin gesehen und daraus schlussfolgert die junge Frau, dass es Darian wohl lieber ist, wenn er die Gespräche führt.
So sieht dreht sie sich zu ihrem Begleiter um und sieht ihn Erwartungsvoll an.
´Was ist denn jetzt los?´ denkt sich Darian.
Will Silana ihn etwas fragen?
Aber warum sagt sie dann nichts?
Oder erwartet sie, daß er das Gespräch mit dem Händler führt?
Zwar ist es in `besseren Kreise` oftmals üblich, daß der Mann für seine Frau die Geschäfte übernimmt, aber weder sind der Adeptus und die Rahjani ein Traviapaar, noch ist Silana eine Vinsalter Zierdame. Sie ist eine Geweihte der Zwölfgötter und sollte somit doch durchaus zu selbständigem Denken und Handeln in der Lage sein. Oder sollte mit dem Stand irgendetwas nicht stimmen?
Aber Darian kann daran nichts anstößiges erkennen.
Da Silana nicht sagt, was nicht stimmt, bleibt dem jungen Adeptus kaum etwas anderes übrig, als ebenso fragend zurück zu gucken.
Der Gegenblick Darians bring die im Leben außerhalb des Tempels recht unerfahrene Silana erneut in's Grübeln. Wollte er gar nicht den Händler ansprechen? Oder hat sie jetzt wieder etwas anderes falsch gemacht?
Während sie noch überlegend in die Augen ihres Gegenübers sieht, fällt ihr zum ersten Mal ihre schwarze Farbe auf. Was für eine ungewöhnliche Färbung, beinahe kann man die Iris kaum von der Pupille unterscheiden, oder ist es nur ein sehr dunkles Braun?
Während sie so in sich versunken unverwandt in Darians Gesicht sieht, reisst sie plötzlich ein lautes Räuspern aus ihre Gedanken, dass sie zusammenzucken lässt.
Das Räuspern wird sogleich von den Worten
"Na, ihr Turteltäubchen, was darf's denn sein", gefolgt, das auf Silanas Gesicht mal wieder sanfte Röte zaubert.
Es kommt, wie es kommen mußte: Natürlich führt der direkte Blickkontakt mit der jungen Rahjani nicht zu einer Klärung der Situation, sondern nur dazu, daß der Adeptus Minor völlig in den blauen Augen der jungen Frau versinkt.
Erst eine nur allzu männliche, erwachsene Stimme reißt ihn in die Wirklichkeit zurück.
´Nandus! Wie sieht das denn jetzt wieder aus? Heute scheint wirklich nicht mein Tag zu sein ...´
Um den peinlichen Moment nicht noch unnötig zu verlängern, ergreift nun doch Darian die Initiative:
"Wir hätten gern zwei Eurer Stockfische gekauft, am besten von jenen dort."
Der junge Magier zeigt auf eine Reihe von besonders großen Exemplaren, denn sein Hunger ist recht groß.
Mit großen Augen sieht Silana zu den Fischen, auf die ihr Begleiter zeigt. Die Grösse ist auch ganz nach ihrem Geschmack, denn während ihre der Geruch von Fisch und verschiedenen Gewürzen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, macht sie sich keinerlei Gedanken darüber, dass sie bei diesem Mengen bereits nach der Hälfte satt sein könnte.
Während sie mit glückstrahlender Miene zusieht, wie der Händler zwei wahrhaft riesenhafte Fische samt Stock aufnimmt, kommt ihr plötzlich ein Gedanke. Vorsichtig stellt sie sich auf die Zehenspitzen und flüstert Darian so leise wie möglich zu:
"Was sind das eigentlich für Fische, die man da aufgespießt hat?"
Während der Händler die beiden Stockfische zum Verkaufe fertig macht, fragt Silana den jungen Adeptus leise, um welche Art von Fischen es sich denn handele.
"Na, Stockfische", gibt dieser ebenso leise mit einem Lächeln zurück.
Silana verzieht ein wenig das Gesicht. Versucht der junge Adept, ihr hier einen Stockfisch aufzubinden? Oder heißen die Fische tatsächlich Stockfisch? Vielleicht sollte sie in den nächsten Tagen, einen Efferdgeweihten dazu befragen, obwohl sie eigentlich Darian vertraut.
Verwundert sieht sie in das Gesicht des Jungmagus, kann aber außer dem freundlichen Lächeln nichts weiteres entdecken.
"Na, ihr beide kommt ja heute echt nicht voneinander los."
Lässt die kräftige Stimme des Händlers, der die Fische jetzt soweit hat, die Rahja-Novizin abermals zusammenzucken.
Erneut reißt eine kräftige, männliche Stimme den jungen Adeptus vom Anblick der Rahjani los.
´Bei Mada! Schon wieder!´
Diese Stimme ist es auch, die Darian ablenkt, so daß er nicht richtig mitbekommt, ob Silana auf seinen kleinen Scherz nicht eingeht oder ob sie seine Aussage bezüglich des Namens der Fische tatsächlich für bare Münze genommen hat. Zwar hat Darian, trotz seines Hungers, derzeit größeres Interesse an der jungen Geweihten, als an zwei geräucherten Fischen, doch wenigstens einmal an diesem Tag, will er ein wenig Beherrschung und Geistesgegenwart zeigen. So nimmt er also die Fische entgegen, von denen er einen sogleich an Silana weiter reicht. Noch bevor er erneut an ihren Augen ´hängen bleibt´, wendet er sich wieder an den Händler:
"Was macht das dann?" Daß er beide Fische zu zahlen gedenkt erwähnt er nicht extra, das sieht er als selbstverständlich an.
Silanas größtes Interesse gilt dem ihr überreichten Fisch, eigentlich symbolisiert er recht gut diesen Tag, vereinigt er doch das EFFerdstier mit der Gastfreundschaft TRAvias, zudem duftet er einfach unwiderstehlich.
Dennoch reißt sich die Novizin gedanklich von ihm los, hat man ihr doch beigebracht, dass es in Städten wenig ohne metallisch glänzende Gegenleistung gibt.
Also greift sie mit der Linken in ihre Gewandung und holt von dort das wohlverschnürte Seidentüchlein, das ihr als Geldbeutelchen dient, hervor, während auch sie den Händler fragend ansieht.
Darian bekommt aus den Augenwinkeln mit, wie Silana sich offenbar anschickt, ebenfalls ihren Geldbeutel zu zücken. Dazu passend antwortet der Händler auf die Frage nach dem Preis mit einer Gegenfrage: "Zusammen oder getrennt?"
"Zusammen", antwortet der Adeptus, bevor ihm Silana zuvorkommt.
´Selbstverständlich´, ergänzt er in Gedanken.
"Das macht dann 16 Kreuzer."
Darian wühlt ein wenig in seinem Geldbeutel, kann dort jedoch keine 16 Kreuzermünzen finden und übergibt dem Mann daher zwei Heller. Während dieser das Wechselgeld abzählt, gleitet der Blick des Jungmagus einmal mehr zu Silana, ein Lächeln ziert sein Gesicht ...
Ein Lächeln ist ebenfalls auf dem Gesicht Silanas zu sehen. Der Grund sind nicht die eingesparten Kreuzer, sondern die Freude über die Erkenntnis, wie galant doch ihr junger Begleiter ist.
Somit wird Darian als 'sehr nett und hilfsbereit' eingestuft und bekommt direkt einen Platz hinter Hjaldar, der Silanas "Sympathieliste" noch eindeutig anführt.
"Vielen Dank," strahlt sie den großzügigen Adeptus an und wünscht dem Händler, der das Wechselgeld nun bereit hat, einen schönen Feiertag.
... "und vier zurück"
Mit einem beiläufigen "ja, danke" nimmt Darian das Wechselgeld entgegen und läßt die Münzen wieder im Geldbeutel verschwinden. Seine Augen verweilen nur für einen sprichwörtlichen Augenblick bei Händler und Kreuzern, dann sind sie auch schon wieder auf Silana gerichtet. Auch die Worte an Silana, "aber das war doch selbstverständlich", sind wesentlich geformt, als die an den Fischverkäufer. Wieder einmal lächelt er sie an, reißt sich dann aber noch einmal los, um den Weg Richtung Brunnen einzuschlagen.
Sich rundum wohlfühlend und vollkommen zufrieden läuft Silana leicht federnd neben Darian her. Sie kann es kaum erwarten, endlich den Fisch zu verzehren, deswegen beschleunigt ihre Schritte noch ein wenig, wohl aufpassend, dass sie mit niemanden zusammen stößt.
Die warmgoldenen Strahlen der Traviasonne spürt sie wohlig auf ihrem schwarzglänzendem Haar, das immer wieder ihren Nacken und Rücken kitzelt.
Gerade ist niemand sonst am Brunnen, also setzt sich Silana an dessen steinernen Rand und sieht kurz in die dunkle Tiefe hinunter, bevor sie sich endlich dem Stockfisch zuwendet, nich ohne vorher Darian ein
"Lass es Dir schmecken" zuzurufen und sich innerlich bei TRAvia und EFFerd für die folgende Mahlzeit zu bedanken.
Auch Darian läßt sich auf der Brunneneinfassung nieder.
"Du auch, einen traviagesegneten Appetit wünsche ich Dir", erwidert er die Worte Silanas. Wieder einmal lächelt er die junge Rahjani an, bevor er sich - vorläufig - seinem Fisch zuwendet.
Das lässt sich Silana nicht zweimal sagen. Wie ein ausgehungerter Waldwolf macht sie sich über den Stockfisch her, als ob die Götter für die nächsten Monde eine Hungersnot geplant hätten.
Doch es ist nicht nur Hunger, der Silana so essen lässt, als sei sie unter Ogern großgeworden und nicht in einem Tempel, denn es ist offensichtlich, wie sehr sie die Abwechslung eines unzivilisierten Essens, ohne Beaufsichtigung genießt, bei dem sie nicht ermahnt wird, sie solle doch auf ihre grazile Handhaltung achten, gerader sitzen und nur so wenig in den Mund nehmen, dass sie jederzeit in der Lage ist, die Bemerkung eines Gastes zu erwidern.
Erst nachdem sie den gröbsten Hunger gestillt hat, schlägt sie eine gemäßigtere Essgeschwindigkeit ein.
Darian schlingt den Fisch zwar nicht ganz so schnell hinunter, wie die Rahjani, doch auch er ißt nicht gerade wie ein Vinsalter Höfling. Ein Stockfisch auf dem Marktplatz ist auch nicht unbedingt das rechte Menü, um auf höhere Tischmanieren zu achten. So macht sich der junge Magus recht zügig über den geräucherten Hering her und achtet dabei wenig auf das Verschmutzen seiner Finger. Lediglich für einen kurzen Blick auf Silana hält Darian gelegentlich einen sprichwörtlichen Augenblick mit dem Essen inne.
Während einer solchen Augenblicke, hat Silana gerade zufällig den Mund leer, Die noch immer schmutzigen Füße, streifen über die angenehm kühlen Steine des Brunnens.
Bevor sie einen weiten Bissen nimmt, beschließt sie, ein wenig Kommunikation einfließen zu lassen.
"Darf ich fragen, seit wann Du schon an Bord der NORDSTERN bist?" lächelt sie Darian mit ihren kristallklaren Blauaugen an.
Fast ein wenig hastig schlingt Darian den Bissen hinunter, um die Frage der Schönen nicht mit vollem Munde beantworten zu müssen. Wieder einmal schaut er in ihre kristallblauen Augen, wieder einmal hält ihn ihr Blick gefangen.
"Ich ging in Prem an Bord", antwortet er schließlich nach einiger Verzögerung.
Gleichzeitig reifen in seinem Kopf Worte heran, deren Überflüssigkeit seiner hesindianischen Lebensweise geradezu zuwiderläuft: Es liegt ihm auf der Zunge, der Rahjani zu sagen, daß er sie als schön empfindet. Wenn Silana eine einfache Bürgerin wäre, dann wäre es sicherlich angemessen, doch sie ist eine Geweihte der RAHja, eine Rahjageweihte WEIß, daß sie schön ist. Sie auf ihre Ausstrahlung hinzuweisen wäre etwa so, als würde man ihn, angetan mit Robe und Stab, darüber aufklären, daß er die Kraft besäße ...
Doch schließlich triumphiert dann doch HESindes hübsche Schwester:
"Du hast wunderschöne Augen", spricht der Adeptus. Fast ein wenig entfernt klingen seine Worte, so sehr konzentriert er sich auf eben jene Augen, in die er noch immer blickt.
Noch ein kleines Stück rücken die Augenbrauen der Rahja-Novizin zusammen, irgendwie scheint ihr der sprichwörtliche Faden des Gesprächs entglitten zu sein, denn als sie in ihrem gedanklichen Handbuch der gepflegten Konversation nachschlägt, wäre die Antwort auf die ihr gestellt Frage eine Gegenfrage nach ihrem Ankunftsziel gewesen. Die Sache mit den Augen und anderen Körperteilen hatte sie erst einige Dialoge später erwartet.
Auch wenn die Bemerkung ihr schmeichelt, ist sie sich unsicher, wie sie darauf reagieren soll, schließlich wird von ihr als Vertreterin der schönen Göttin Perfektion in der Aufnahme von netten Komplimenten erwartet.
So stellt sie sich im Geiste ihre wunderschöne Mentorin vor, wie würde Rahjina wohl das Gespräch weiterführen?
"ähm, danke," strahlt sie Darian lieblich an "Ihr habt ebenfalls interessante Augen, ich habe Augen solcher Farbe noch nie gesehen."
Beinahe körperlich spürt sie in dieser Sekunde den Schlag auf den Hinterkopf, den ihr die Rahjine vor ihrem inneren Auge, ihr versetzt.
Es dauert ein wenig, bis die Worte der jungen Rahjani Geist und Bewußtsein des Adeptus erreichen.
´Sie findet meine Augenfarbe interessant?´
Fast schwarz ist seine Iris, kaum noch zu unterscheiden von der Pupille, so sieht man auch nicht, daß sich seine Pupillen beim Anblick Silanas merklich geweitet haben.
Darian kommen die Scherze seiner Kommilitonen an der Akademie in den Sinn: "Schwarzes Auge" ist der Name eines sehr begehrtes Artefakt, von dem wohl jeder Magier bisweilen träumt eines zu besitzen. Nun, für die meisten bleibt es auch beim Traum, so daß es nicht weiter verwunderlich ist, daß jemand auffällt, der eben schwarze Augen hat ...
Kaum einen Herzschlag später, macht Silana plötzlich den Eindruck, als habe sie sich "auf die Zunge gebissen", als schäme sie sich für ein falsches Wort.
´Was hat sie nur?´
Ohne weiter darüber nachzudenken, rezitiert er einen, der eben in Erinnerung gerufenen Scherze, um sie aufzuheitern:
"Ja, so ein schwarzes Auge ist sehr mächtig, man kann damit an jeden Ort der Welt sehen."
Sein Gesicht verzieht sich zunächst zu einem Lächeln, doch dann ist es plötzlich Darian, der verunsichert dreinschaut.
´Und was ist, wenn sie nun noch nie von Schwarzen Augen gehört hat? Artefaktkunde steht wohl kaum auf dem Lehrplan einer Rahjatempelschule.´
Mit großen Augen starrt Silana Darian an, doch der intensive Blickkontakt wird durch einen jähen Hustenanfall der sich am Fisch verschluckenden Novizin unterbrochen.
Es dauert ein paar Sekunden, bis sie sich wieder unter Kontrolle hat und ein wenig heiser fragt sie den mächtigen Magier, während sie sich mit einer Hand die kleinen Tränchen aus den Augenwinkeln wischt:
"Und was seht Ihr momentan?"
Vor lauter Respekt vor den unheimlichen Fähigkeiten, entschlüpft ihr nun doch wieder die förmlichere Anrede.
Unklarer hätte Silans Reaktion kaum ausfallen können. Ihre Antwort läßt wirklich vollkommen offen, ob sie nun auf Darians Scherz eingegangen ist und ihn nun fortführt oder aber ihn gar nicht verstanden hat.
Weniger aus bewußter Überlegung, vielmehr aus der Intuition heraus, entscheidet sich der Adeptus für ersteres:
"Nun, momentan sehe ich junge Geweihte der Rahja, die die Schönheit ihrer Herrin wahrhaft vortrefflich in der hiesigen Sphäre zu repräsentieren versteht."
Ein bißchen wundert sich der Adeptus über sich selbst, da er nun einen Satz, den er vor noch gar nicht so langer Zeit für überflüssig und unpassend befunden hat, so ernsthaft und geschraubt formuliert, als gelte es mit einem Kollegen über die Sphärologia zu disputieren.
Einen Moment lang scheint Silana durch Darian hindurch in's Nichts zu schauen, zwar versteht sie den Sinn der einzelnen Worte und auch den Kontext, jedoch braucht sie eine Weile, um zu überlegen, in welche Schublade sie die Bemerkung wohl stecken soll.
schließlich entscheidet sie sich für das Schubfach 'Komplimente', denn schließlich ist es sehr nett und schmeichelhaft, wenn ein so großer Magier, dessen Augen in der Lage sind, alles zu erspähen, sich mit einer jungen Novizin beschäftigt.
"Vielen Dank," lächelt sie mit strahlenden Augen und zeigt dabei kurz ihre ebenmäßigen, weißen Zähne.
"Jedoch bin ich ja erst Novizin und noch lange nicht würdig mit der Schönsten auch nur verglichen zu werden, denn zu viel habe ich noch zu lernen."
Dabei kommen ihr wieder ihre schmutzigen Füsse in den Sinn und sie beschließt, diese sofort zu waschen, wenn der große Magier sein Mahl beendet hat
"Nun, auch wenn Du erst Novizin bist, so tut dies doch deiner Schönheit keinerlei Abbruch. Auch ich bin erst Adeptus Minor, habe also erst kürzlich die heimische Akademie verlassen. Dennoch besitze ich von Geburt an die Kraft, denn wem HESinde die Kraft verleiht, dem verleiht sie sie stets vom Anbeginn an."
Kurz zögert der junge Magus, dann korregiert er den letzten Satz ein wenig:
"Oh, versteh mich nicht falsch, ich verstehe mitnichten, was die Allwissende oder einen anderen der Zwölf bewegt, kein sterblicher kann dies, es ist nur vielmehr so, daß wir von keinem Fall wissen, bei dem es anders gewesen sei."
Wieder einmal gibt es eine kurze Pause, als Darian bemerkt, daß er völlig vom Thema abschweift.
"Nun, wie dem auch sei - Du bist eine Novizin der RAHja. Auch wenn du noch nicht die Weihe empfingst, also die endgültige Anerkennung durch die Göttin noch aussteht, so wurdest du doch ins Novizitat aufgenommen, also von ihren Geweihten akzeptiert. Wärest du nicht von erlesener Schönheit, so hätte man dich wohl kaum aufgenommen, wie auch keine Akademia einen Scolaren annimmt, der nicht die Kraft besitzt."
Wieder einmal verstummt der Adeptus apruppt.
´Heilige Noionia! Erst stottere ich, wie ein Bauernjunge beim Anblick des Schlangenhalsbandes, jetzt rede ich als referierte ich über das Ergebnis meines letzten ANALÜS ARCANSTRUKTUR!´
Wie passend, daß der letzte ANALÜS, den Darian wirkte, auch noch mißlang ...
Um etwas Zeit zu gewinnen, nimmt er erstmal einen weiteren Bissen seines, bereits merklich geschrumpften, Herings. Als er wieder aufschaut, verzichtet er lieber vorerst ganz aufs reden. Ein von Herzen kommendes Lächeln, das nun wieder das Gesicht des Adeptus ziert, sagt ohnehin mehr, als Worte, die akademisch hochgestochen und zugleich völlig ungelenk sind. Wieder einmal verliert sich Blick des jungen Magus in den blauen Tiefen Silanas Augen, wie in fernen Sphären.
Ein kleiner Schauer jagt bei den Worten Darians nun doch Silanas Rücken hinunter. Wenn es stimmt, dass dieser alles sehende Meister der Magie erst am Beginn seiner Ausbildung steht, dann möchte sie nicht wissen, über welche Macht wohl ein solcher Mann am Ende seiner Ausbildung verfügt.
Sie selbst dagegen ist sich bewusst, dass es zu ihrer Weihe noch sehr, sehr lange dauern kann, auch wenn die meisten Geweihten in ihrem Alter das Novizentum bereits abgeschlossen haben. Doch in ihrem Fall scheint es ihr, als wäre sie der Göttin so nah, dass sie sie fast mit den Fingerspitzen berühren könnte, doch dann stets an eine gläserne Wand stößt, die sie von der Schönen trennt.
Je mehr sie sich bemüht, eins mit der Göttin zu werden, desto fremder scheint ihr die Angebetete zu werden, da ist ihr ihre äußerlich Schönheit nur ein geringer Trost.
Als sie sich aus ihren Gedanken reißen kann, sieht sie in das lächelnde Gesicht des Adepten. Auch wenn sie sich nicht sicher ist, warum er jetzt lächelt, lächelt sie mal für alle Fälle zurück.
"Vielleicht sollte ich jetzt mal besser meine Füße waschen," schlägt sie vor, ohne dass das Lächeln, von ihrem Gesicht verschwindet.
Zwar erwidert die Rahjani sein Lächeln, doch zuvor scheint es, als sei sie irgendwie ... besorgt? Unsicher? Oder gar ängstlich? Dann lenkt sie schnell vom Thema ab und will sich lieber erstmal die Füße waschen. Innerlich seufzend beschließt Darian, nun doch einen anderen Weg im Gespräch mit Silana einzuschlagen:
"Wenn dich meine Worte verunsichert oder gar beleidigt haben, so bitte ich vielmals um Entschuldigung ..."
Wider einmal verliert sich ein Satz des Adeptus in der Unendlichkeit, statt zu einem klaren Ende geführt zu werden. Die Rahjanovizin macht es ihm aber auch nicht leicht, die rechten Worte zu finden, ist die hesindianische Weltsicht dem Adeptus doch um einiges vertrauter, als die rahjanische.
'Warum entschuldigt er sich?' geht es der Rahjani durch den Kopf, schließlich hat Darian doch gar nichts Schlimmes getan oder gemacht.
"Ihr.. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen," erwidert sie und steht nun endlich auf, um Sandalen und Fischüberreste erstmal auf dem Boden zu lassen.
Ein wenig hilflos sieht sie den steinernen, kühlen Brunnen hinab, um dann Darian ebenso hilfesuchend anzusehen.
´Wenigstens nimmt sie es mir nicht übel.´ stellt der junge Adeptus erleichtert fest.
Die letzten Bissen des Stockfisches verschwinden im Mund und schließlich im magen des Magiers, dann legt er die Gräten auch erstmal einfach zur Seite. Er blickt die Rahjani an, die ihn ihrerseits fragend ansieht. Auch Darians Gesicht nimmt einen fragenden Ausdruck an.
Mit einem, nicht unfreundlichen, sondern einfach nur ahnungslosen, "Stimmt etwas nicht?" durchbricht er schließlich das Schweigen.
Irgend jemand hatte Silana einmal in einem Moment der Redseligkeit anvertraut, dass manche Männer in der Lage seien, schönen Frauen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.
Ein wenig enttäuscht es die Novizin, dass Darian scheinbar nicht zu diesen Männern gehört, aber sie hält ihm zu Gute, dass ihm wahrscheinlich noch die dazu nötige Erfahrung fehlt.
Oder war das mit den augenablesenden Männern nur eine Flunkerei?
Wie es auch immer sein mochte, bleibt Silana in diesem Falle nichts weiteres übrig, als die Lippen statt den Augen sprechen zu lassen, aber gedanklich behält sie sich vor, das mit den Augen in einem günstigeren Augenblick noch einmal zu versuchen.
"Doch, es stimmt schon alles... ich wollte nur fragen, ob Du mir... mit dem Wasser behilflich sein könntest."
Es war der jungen Frau klar, dass sie, sollte das mit den Augen unschaffbar sein, an ihren rhetorischen Fähigkeiten feilen mußte.
"Aber selbstverständlich", antwortet Darian hastig und macht sich auch sogleich an die Umsetzung.
´Da hätte ich auch gleich drauf kommen können´ schilt er sich innerlich, während er den Eimer hinunter läßt.
Doch auch andere Gedanken gehen im durch den Kopf, Gedanken, die mehr dem hesindianischen Lebensstil des Adeptus entsprechen:
´Zu dumm, daß wir hier in Havena sind ... wann wir wohl die nächste Akademiestadt erreichen? ... Grangor? Jedenfalls sollte er nicht schwer zu beschaffen sein ... auch sagt man ihm nach, daß er leicht zu erlernen sei ... wie lange wir wohl in Grangor liegen werden? ... Aber für eine Abschrift sollte die Zeit reichen ...´
Gegenstand dieser Überlegungen ist die Formel OHNE SEIFE, BÜRSTE, BAD mit der er bei Silana sicher großen Eindruck hinterlassen hätte - so er ihn denn beherrschte ...
Nach einer Weile befindet sich der Eimer wieder auf dem Brunnenrand, diesmal wohlgefüllt. Nun nimmt das Gesicht des jungen Magiers wieder einen fragenden Ausdruck an.
´Wie weit wünscht sie meine Hilfe jetzt?´
Nicht, daß Darian etwas dagegen hätte, der hübschen Geweihten auch beim waschen der Füße selbst behilflich zu sein, ganz im Gegenteil, aber er weiß auch, daß er ihr diese Art Hilfe niemals aufdrängen darf.
Momentan stehen auch Silana weder Seife, noch Bürste oder Bad zur Verfügung, dafür Finger und ein Eimer kaltes Wasser.
Zwar ist dies nicht die vornehmste und sicherlich auch nicht die gründlichste Form der Reinigung, aber bis zum Tempel ihrer Göttin wird es seinen Sinn erfüllen, schließlich will sie der Schönen und auch ihren Mitmenschen nicht mit völlig verdreckten Füßen entgegentreten.
Auf dem Brunnen sitzend hebt sie die Beine, damit sie leichter an die Sohlen kommt. Da sie nicht gleichzeitig rubbeln und schütten kann, überlegt sie einen Moment, ob sie Darian bitten soll, für sie das Schütten zu übernehmen, oder es noch einmal mit den Augen versuchen soll.
schließlich entscheidet sie sich aber doch für die direkte Bitte, um den hohen Herrn Magus nicht erneut in Verlegenheit zu bringen.
"Könntest Du mir bitte beim Waschen helfen?"
Während Darian noch so dasteht und überlegt, wie es jetzt weitergeht, spricht Silana die Bitte um Hilfe auch schon aus. Trotz seiner Unerfahrenheit in solchen Situationen, ist ihm klar, daß sie mit `helfen` das Schütten - und nicht etwa das Schrubben - meinen wird.
"Aber, selbstverständlich", antwortet er eilig.
Dann greift er erneut nach dem Eimer, um das Wasser nun vorsichtig über die Fußsohlen der Rahjani zu gießen. Die Dosierung ist mit dem schweren Eimer gar nicht so einfach, schließlich soll weder die Kleidung in Mitleidenschaft gezogen werden, noch der Schmutz trocken abgerieben werden. Nach einer etwas tolpatschigen `Einschwingphase` gelingt es ihm aber recht gut, einen konstanten Wasserfluß zu erzeugen.
Der Adeptus nutzt die Gelegenheit, um Silanas Füße eingehend zu betrachten, diese zarten Füßchen, von denen man kaum glauben mag, daß sie das Gewicht eines Menschen tragen können.
´Rahja hat wirklich alles bedacht - sogar die Füße´ denkt er verträumt.
Das Wasser ist kälter, als Silana eigentlich angenommen hat, doch sie schafft es gerade noch, einen kleinen Quietscher zu unterdrücken, als der eisige Schwall auf ihre schlanken Füßchen niedergeht und beginnt, fleißig mit den Fingern zu rubbeln.
Die Tropfen des Wassers, die ihre Haut benetzen, glitzern diamant artig in der Sonne, doch dort, wo die Finger schrubben, bekommt es eine unschöne, schmutzfarbene Färbung.
An ihren beiden großen Zehen finden sich die meisten Rinnsale wieder und fließen gemeinsam gen Boden, wo sie auf Nimmerwiedersehen versickern.
Als der Eimer leer ist, kann man die Füße noch immer nicht wirklich sauber nennen, auch wenn man jetzt wieder mehr von der nun etwas geröteten Haut erkennen kann, doch Silana ist für's erste mit dem Ergebnis zufrieden und schlüpft wieder in die Sandalen, die nun allerdings ein wenig unangenehm reiben.
Nun bleibt nur noch die Frage, was sie mit ihren nassen Händen machen soll, schließlich kann sie sich nicht so einfach an ihrer seidenschimmernden Kleidung abwischen. Sie löst das Problem, indem sie die Hände schnell und hundeartig schüttelt, so dass die Tropfen durch die Luft fliegen, auch wenn ein paar auf Darian landen. Den Rest wird wohl die Sonne übernehmen.
"Vielen Dank", erneut fliegt ein strahlendes Lächeln in Darians Richtung "Dann können wir ja langsam wieder weitergehen."
Bei diesen Worten steht Silana auf und klopft mit den Händen reflexartig ihre Kehrseite ab, nicht bedenkend, dass die Hände ja noch recht nass sind.
NORDSTERN - Im Laderaum vier: Rattenjäger - Meergrün und Traumauge
Auf Meergrüns Brummen antwortet Traumauge mit seinem behaglichen Schnurren.
Er legt sich jetzt vor dem Klabauter auf die Planken des Laderaums und reibt sein Köpfchen noch sanfter an dem neuen Freund.
So eine Katze ist ein toller Freund. Das Fell ist wirklich so weich wie feinster Samt. Sogar besser, weil warm und flauschig. Und mit ihrem magischen Schnurren können sie sogar griesgrämige Trolle glücklich machen.
"danke meiin freund
du giibst miir trost"
So umarmt Meergrün weiter den Katerkopf und streichelt sanft mit seinen kleinen Fingern darüber. Alle Sorgen sind vergessen, Trauer und Ratte und Wut auf die Welt. Das Einzige, was ein wenig stört, sind die Körner, die wie Wasser aus dem Loch hervorquellen, Meergrün auf den Rücken fallen bevor sie eine trockene Pfütze auf dem Boden bilden.
Aber das ist keine echte Sorge, Meergrün schiebt sich einfach etwas zur Seite und entkommt so dem Körnerregen, der munter weiter herab plätschert.
Auch Traumauge vergisst die Probleme, die sich mit der Ratte noch ergeben könnten und ist im Augenblick vollauf damit beschäftigt den Freund zu trösten.
Daher verstärkt er die Wirkung des Schnurrens noch, indem er die Tonhöhe noch weiter nach unten schraubt, ein winziges Wesen wie der Klabauter mag das daran spüren das eine Welle des Schnurrens wie ein sanftes Streicheln des Bauches erscheint, alles andere als unangenehm und der hörbare Ton verbreitet eine geradezu ansteckende ruhe und Gelassenheit, wohlige Freude und zufriedenheit, ja das liegt im Schnurren des kleinen Schiffskaters.
Langsam und zögerlich trennt sich Meergrün wieder aus dem weichen Fell.
"danke es geht
miir wiieder gut"
Meergrün schaut dem Kater tief in die Augen. Wie geheimnisvoll Katzenaugen glänzen. Bisher ist ihm das noch nie aufgefallen.
"deiin fell es iist
wunderbar weiich
sehr mag iich diich
mhoohiianiin
und biin so froh
wiie iich diich fand"
Die Freundlichen Worte Meergrüns lassen Traumauges Schnurren noch ein wenig weicher und sanfter werden.
Tief blickt der kleine Kater dem Klabauter in die Augen und langsam schließen und öffnen sich die Katzenaugen, ganz so als wolle er sanftheit und ruhe so sehr ausstrahlen, das auch der Freund von dieser ergriffen wird.
"Meau Mee Maui Iaue Meiieaiu Majaui"
Meergrün sieht dem jungen Kater tief in die Augen und blinzelt ihm vergnügt zu.
"alles schaffen
wiir zusammen
gehen wiir dann
ratten fangen"
Meergrün trennt sich zögerlich aus der warmen Zärtlichkeit des Freundes und geht zwei Schritte über die weiter hervorquellenden Körner auf seinen Ger zu.
Gerade als er seine Hände heben will, um den Holzspeer zu greifen, gelangt ihm ein Korn unter die Füße und er landet auf dem Hintern in einem flachen Hügel von Getreide. Auch das Aufstehen in dem rollenden Gut ist nicht so leicht, so daß er etwas zögerlich zu seinem Ger aufblickt, der fest im Leinen des Sackes steckt.
"viier siind besser
als meiine zweii
Mhooiianiin
meiin freund darf iich
kurz diir auf den
rücken steiigen"
Traumauges Ohren, Augen und Nase zeigt deutlich an das der kleine Kater von Meergrüns Vorschlag sehr angetan ist, ja man könnte fast sagen er ist begeistert, denn das wird sicher lustig, im kopf des Schiffskaters galoppiert ein mächtiger schwarzer Hengst rasant und unaufhaltsam voran.
Zu schade nur das Katzen nicht grinsen können, denn könnten sie es, so wäre Traumauge sicher jetzt ein Meister darin. Traumauge duckt sich flach auf den Boden und maunzt dem Klabauter dann auffordernd zu.
Vorsichtig steigt Meergrün auf die Schultern des Katers. Dadurch hat er noch mal Gelegenheit in das samtweiche nachtschwarze Fell zu greifen, das ihn so sehr fasziniert, daß er es kaum loslassen will. Nie hätte er erwartet, daß der Kater ihn so bereitwillig auf die Schultern nimmt.
Oben angekommen und vorsichtig balancierend streckt er sich nach dem Ger, kann aber nicht ganz heranreichen.
"iich komme niicht
ganz biis heran
kannst du noch was
höher reiichen"
Traumauge miaut nur bestätigend und reckt und streckt sich auf das er ein ganzes Stück größer wird. Doch offensichtlich reicht das noch nicht, so das er sich mit den Vorderpfoten in zwei drei Finger höhe in den SAck verkrallt. Dadurch ist die Höhe jetzt wohl ausreichend um die Waffe aufzunehmen, jedoch muss Meergrün jetzt auf die balance aufpassen, da der Katzenrücken nun zwangsläufig eine Schräglage vorweist.
Meergrün hält sich vorsichtig an Traumauges Fell fest. Aber irgendwie geht das nicht. Wenn er sich mit beiden Händen festhält, kann er den Ger nur mit den Zähnen raus ziehen. Und wenn er mit beiden Händen den Ger packt, rutscht er über das glatte Katzenfell ab. Und wenn er Katze und Holz je eine Hand gibt, wird beides nichts und es gibt Klabauterkopf auf Schiffsdielen.
"Mhooiianiin
wenn es diich drückt
dann giib miir laut
und iich hör auf"
Der Klabauter setzt sich rittlings auf den Katerrücken, dicht beim Hals, und klammert sich mit den Beinen fest. So hat er beide Hände frei und zieht den Ger mit Leichtigkeit heraus.
"da iist er raus
iich habe iihn"
Mit Freude blickt er auf den Ger seinen Großvaters und achtet nicht auf den steten Strahl von Körnern, der jetzt zu dem fingerdicken Loch heraus fließt.
Vorsichtig geht der Schiffskater wieder in eine Normale Standposition über und versucht vorsichtig einige Schritte zu gehen 'Mal sehen ob er sich halten kann'
Dabei achtet Traumauge sorgsam darauf nicht auf den hervor rieselnden Körnern auszurutschen.
"meiin freund wohiin
jagen wiir jetzt?"
Meergrün blickt sich kurz nach links und rechts, um sich zu orientieren. Den tollen Plan auf dem Boden hat er jetzt schon vergessen. Der Sitz auf dem er sitzt ist sehr bequem. Im Moment hätte er durchaus Lust noch ein Weilchen dort zu bleiben.
"kannst du das biiest
hierrum riiechen?"
Gleichzeitig hebt er die Nase und saugt prüfend etwas von der Laderaumluft ein.
Gerüche sind hier viele an der Zahl. Recht starke zum Teil, so dass Traumauges Nase ein wenig beeinträchtig ist, doch das wichtigste Peilorgan der kleinen Katze funktioniert prächtig: Sein Gehör.
"Mi Ma Mieaue"
gibt er von sich und dann drehen und peilen seine Ohren, als handele es sich um einen Südweiser. Nach kurzer Zeit richten sie sich schräg nach vorne aus und Traumauge schickt sich an auf eine Wand zuzuhalten. Zielstrebig schleicht er auf ein loses Brett zu und taucht darunter hindurch, denn bei der Berührung klappt es leicht nach vorne, wohl einer der unzähligen Gänge die nur ein Schiffskater entdecken und nutzen wird.
Im Laderaum zwei angelangt hält der Kater kurz inne und peilt erneut nach dem leisen tippelnden Geräusch, das so typisch für eine Ratte ist.
Kaum wahrnehmbar maunzt er:
"Meau ma miu meau"
Meergrüns Ohren sind nicht so gut wie die des Katers. Er lauscht etwas in die Dunkelheit, kann aber nichts hören. Und von vorne sieht die Kiste ganz normal aus. Daher beugt er sich vor und flüstert der Katze ins Ohr.
"kannst du noch was
näher heran"
Zuerst ist er erstaunt, wie laut seine Stimme noch ist. Dabei hatte er sich so viel Mühe gegeben leise zu sein. Aber gegen die zauberhafte Lautlosigkeit der Katzen ist selbst ein unsichtbarer Klabauter noch ein rotes Tuch.
'katzenpfote
leiise schriitte
rattenkralle
das deck zerkratzt
klabauter siitzt
unsiichtbar da'
Hoffentlich hat die Ratte sie nicht gehört. Gerade wo Meergrün doch noch glaubt, daß ihre Jagd etwas werden könnte.
Vom Geplapper seines Reiters einmal abgesehen, bewegt sich der Schiffskater vollkommen Lautlos voran.
Die Worte des Klabauters lassen die Beute innehalten und das Rascheln verstummt für einen Augenblick. Traumauge hält in jenem Augenblick inne, verharrt still, als sei er eine steinerne Statue in irgendeinem reichen Liebfeldschen Herrenhaus. So dauert es auch nicht lange und das kaum hörbare, für eine Katze jedoch gut wahrnehmbare Scharren setzt wieder ein und Traumauge tut genau das, er schleicht sich näher heran, langsam und lautlos, gelangt er immer näher an das ersehnte Ziel. Antworten tut er jedoch nicht, vielleicht ist es eine stumme Warnung an seinen neuen Freund nicht so laut zu sein, doch er folgt auch kein Hinweis darauf, denn dieser würde auch einen Laut erfordern.
Meergrün beugt sich über den Hals des Katers ein wenig vor, um neugierig um die Ecke zu spähen. Der Klabauter ist ganz gespannt, und läßt sich durch nichts von der Jagd ablenken.
Außer vielleicht von den Kribbeln, das ihm langsam in der Nase aufsteigt. Wie wild beginnt Meergrün mit dem Zeigefinger unter der Nase hin und her zu reiben, so wie sein Großvater das immer gemacht hat. Das wäre peinlich, jetzt los zu niesen!
Trip trip trip trip.
Gemütlich und mit dem selbstgefälligem Wissen um die absolute Alleinherrschaft in allen tiefen und versteckten Regionen des Schiffes trabt Renzo Attus durch die Finsternis. Das es hier dunkel ist stört ihn nicht, ganz im Gegenteil, hier fühlt er sich sicher und wohl.
R. Attus hält kurz inne um an gewohnter Stelle das Revier zu markieren. Das ist mehr als eine bloße Pflichtübung, gibt es doch in seiner Großen Sippe mehr als einen gierigen Anwärter auf die Führungsposition...
Plötzlich beschleicht den Ratterich ein seltsames Gefühl.
'Nanu? Noch jemand in der Nähe? Hab ich da nicht was gehört?'
R. Attus hält inne und reckt Ohren und Näschen in die Höhe. Zu hören ist im Augenblick nichts mehr, und zu riechen auch nicht. Viel Wind weht ja hier unten nicht.
So beschließt er erst einmal, die Götter eine gute Familie sein zu lassen und einmal unter der Kombüse nachzuschauen, da fällt schließlich immer mal wieder was Leckeres durch die Ritzen zwischen den Decksplanken.
Trip trip trip trip...
Das Kribbel in Meergrüns Nase steigt immer höher. Wie verzweifelt reibt Meergrün an der Nasenspitze. Zwei kleine Ameisen laufen links und rechts in der Nase hoch. Meergrün reibt mit der ganzen Hand die ganze Nase.
'nur niicht niiesen
niicht jetzt biitte'
Die Ameisen sind oben in der Stirn angekommen und feiern ein Wiedersehensfest. Laut und mit viel Hergetrampel. Meergrün zwickt sich in die Nase. Es soll einfach bitte aufhören.
Jetzt fangen die Ameisen an sich einen Festschmaus aus der Nase heraus zu beißen. Meergrün tränen die Augen. Der Klabauter schiebt einen Zeigefinger ganz tief in die Nase. Vielleicht kann er so eines der Tierchen in der Nase erwischen - hoffnungslos.
Er muß den Mund öffnen und tief einatmen. Er schließt die Augen. Plötzlich ... ist das Kribbeln weg. Nichts mehr da. Wie weggeblasen. Erleichtert stößt Meergrün den Atem aus.
"puuuh war das knapp"
Als ihm bewußt wird, daß er normal laut gesprochen hat, schlägt er beide Hände auf dem Mund übereinander, schaut sich schuldbewußt um und murmelt leise zwischen den Fingern hervor.
"huch, tschuldiigung"
Ungebannte Anspannung entspringt dem Geiste des kleinen Katers und so erwidert Traumauge erneut keinen Laut auf des Klabauters Worte, schließlich dürfte seine Stimme nicht so erschreckend wirken, wie die eines Katers.
Vorsichtig und lautlos schleicht er voran, immer näher an die verräterischen Geräusch, bis er erneut den dicken, fiesen Schwanz der Ratte zu Gesicht bekommt...
Zu einem gewaltigen Sprung setzt er an und springt...
Eigentlich hätte er die fette Ratte sicher genau getroffen, hätte seine Reißzähne in ihren Nacken schlagen können, doch das kleine, aber eben zusätzliche Gewicht des Klabauters lassen seinen Sprung fehl gehen, lediglich das hintere Ende des Rattenschwanzes erreichen seine Krallen bewehrten Pfoten.
Messerscharf stechen sie in den fetten Schwanz, doch vermag das wohl kaum zu reichen den riesigen Körper zu halten, zumal Traumauge sich erst einmal auf die neue Situation einstellen muss.
Plötzlich sind Traumauge und Meergrün über der Ratte. Mit einem Kampfruf sticht auch der Klabauter gegen das riesige Ungetüm, von dem im Moment nur der riesige Hintern zu sehen ist.
"ratteriich du
übelnager
horch, das war deiin
letztes glasen"
Naja, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und für einen ersten Stoß war er gar nicht so weit daneben. Hoffentlich steht RONdra auch Klabautern und Katzen bei, denn die Ratte hat bei weitem das größere Kampfgewicht.
Gerade noch hat er sich so sicher gefühlt, wie überhaupt nur möglich, da wird Attus durch ein Geräusch alarmiert. Noch während er sich orientiert, und sich gerade umdrehen will, wird er sogar attackiert!
Er! Hier! Auf seinem Schiff! Unerhört!
Natürlich nimmt R. Attus den Schmerz in seinem Schwanz war, aber das ist nichts, was ihn von einer Demonstration seiner Macht abhalten könnte! So wirbelt er herum und bleckt seine feisten gelben Riesennagezähne.
"Hah, lächerlich! Wollt Ihr mich damit beeindrucken?"
Aus böse glänzenden Äuglein schaut Attus auf einen kleinen entschlossen-erschreckt wirkenden Katernachwuchs und auf ein seltsames kleines Männlein, daß sich auf seinem Rücken festklammert.
"Da muß Euch schon was besseres einfallen, denn hier ist mein Revier!"
Mit einem leisen Knurren reißt der Ratterich sein Maul auf und stürzt sich ohne zu zögern auf das seltsame Reitergespann.
"aaahiiii giib acht"
Von dem Sprung gerät Meergrün doch recht aus dem Gleichgewicht. Weit vornüber gebeugt über den Kopf des Katers erhält es es zurück. Zufälligerweise ist das gerade die Haltung, in der der Schwertmeister von Havena immer seine Lanzengänge gewonnen hat. Glück braucht der Klabauter.
"du rattenviieh"
Auge in Auge mit dem Rattenungetüm muss der Kater in der Tat kurz bangen, doch mit seinem neuen Freund fühlt er sich sicher, zu zweit kann ihnen nichts passieren - 'hoffentlich'!
Von diesem Mut getrieben, blickt Traumauge auf die riesigen, scharfen Zähne und erwidert seinerseits scharfe Drohgebärden.
Zunächst ein lautes Fauchen und Präsentieren der nadelspitzen Fangzähne, dann ein gewaltiges, grollendes Maunzen, das mehr an das Knurren eines Hundes oder das Rollen eines tiefen "RRRRRRRRRRRR" erinnert. Allesamt Geräusche, die man einem so kleinen und zarten Kater wohl kaum zutrauen würde, die aber dennoch seine Kehle verlassen.
Dann, als sich das Untier erdreistet auf ihn anzugehen, springt der Schiffskater gleichzeitig mit allen Vieren senkrecht in die höhe, weswegen die Ratte einfach unter ihm hindurch taucht.
Kaum gelandet dreht er sich sofort um und ein noch lauteres und wohl selbst auf dem Gang noch hörbares "RRRRRRRRRRRRRRRCHHHHHH" ertönt, unmittelbar bevor er zur Verfolgung des Rattenmonsters ansetzt. Es ist der Mut des Verzeifelten, der ihn treibt. Jetzt heißt es dranbleiben und hoffen, dass man die Überraschung nutzen kann.
Gerade beißt er zu, da stellt er auch schon fest, daß seine Zähne ins Leere schnappen. Verdutzt schaut Renzo Attus nach vorne, wo gerade noch dieser kleine Kater war. Doch statt kleinlaut davon zu rennen, hat dieser äußerst bedrohlich gefaucht und ist dann plötzlich verschwunden. Als dann auch noch hinter dem Ratterich ein lautes Fauchen ertönt ist es plötzlich um Attus Selbstbeherrschung geschehen.
Schnell wie eine Ratte saust er los, mit wild peitschendem Schwanz verschwindet er zwischen einer Batterie Fässer und taucht auf der anderen Seite an einigen Säcken wieder auf, von denen einer beschädigt ist.
'Ah, Körner... wenn ich diesen Teufel los bin, muß ich hier vorbeischauen!'
Mit mächtigen Sätzen springt die Ratte die Stufen des Niederganges hinauf und wieselt flink bugwärts. Mit der überlegenen Logik einer Chef-Ratte saust Renzo nach oben. Schließlich würde er selbst sich zwar unten am wohlsten fühlen, allerdings hat er dort ja auch dieses Katzenvieh getroffen. Und das muß von dort verschwinden!
Mit scharrenden Pfoten geht es weiter, den Atem des Todes im Nacken, der ihn zu erstaunlicher Geschwindigkeit antreibt. Kurzerhand saust er den vorderen Niedergang hinauf, wo er gleich in den Schatten der Relingsbeplankung ausweicht. Etwas geblendet von dem ungewohnten Sonnenlicht bleibt Attus erst mal in guter Deckung zwischen einer Taurolle und einem der Spanten sitzen.
'Denen habe ich es aber gezeigt!'
Dann dreht er sich siegesgewiß um.
Traumauges Mut wächst mit jedem Sprung der Ratte. Ja, er hat es geschafft! Sie hat Angst und diese Gefühl beflügelt ihn zu weiteren Höchstleistungen. Den Klabauter auf dem Rücken, kann der kleine Kater zwar nicht ganz so schnell folgen, wie er das gerne hätte, doch sie feinen Katzenohren wissen genau, wohin das Ungeheuer flüchtet und so liegen nicht mehr als eine Hand voll Schritt Abstand zwischen den Kontrahenten. Beim empor jagen des niederganges hat er kurz das Gefühl der Klabauter müsse hinunter purzeln, doch der scheint sich mittlerweile ja ganz gut halten zu können und so jagt er, das Gewicht beständig noch spürend weiter.
Kaum, dass die Ratte siegessicher zurückblickt, erscheint der Schiffskater, mitsamt seinem Reiter, auf dem Oberdeck. Ein, für seine Körpergröße gewaltiger Sprung bringt ihn direkt ans Licht der Praiosscheibe.
Das Siegessichere im Blick der Ratte bringt in ihm das Jagdfieber weiter in Wallung. Ein unsäglich tiefes Grollen steigt seiner Kehle empor, durchbrochen von schrillem Fauchen, wer nie eine Katze bei der Jagd erlebt hat, muss glauben hier wird eine Sau abgestochen oder ein Hund verteidigt sein Revier. Ohne das Grollen abzubrechen spurtet Traumauge urplötzlich auf den Ratterich zu, eiskalte Entschlossenheit liegt in dem, sonst so niedlichen Gesicht des Katers.
"halt neiin stop jetzt
niicht da autsch lang
langsambiitte
großvaterhiilf
gleiich falle iich
iich fall runter"
Ganz so schlimm ist es nicht, aber mindestens einmal sieht es so aus, als würde der Klabauter verkehrt herum auf dem Kater sitzen. Doch als die fiese Ratte auf dem Oberdeck Halt macht, ist Meergrün noch dabei. Er hat sogar den Ger noch. Jetzt wird es ernst, als Traumauge auf die Ratte losgeht.
"ei da kann iich
niicht hiinschauen"
IN HAVENA - Im Tempel des EFFerd: Caiden - Efferdan
'traurig', denkt Caiden und nickt. 'Traurig war Aillil oft, und teilweise auch sehr vorsichtig und ängstlich, wenn es um ihre große Liebe ging. Dennoch schien diese Liebe immer größer zu sein als alle Gefahren die damit verbunden gewesen waren. Bis eines Tages...'
Caiden wundert sich ein wenig ob Aillils Tod vielleicht irgend etwas mit ihrem Liebsten zu tun hatte, aber er konnte sich nicht wirklich vorstellen wie das zusammen hängen sollte. EFFerd hatte sie zu sich geholt. Daran gab es nichts unerklärliches oder geheimnisvolles. Caiden äußert keinen dieser Gedanken gegenüber Efferdan. Er glaubt nicht, daß es in irgendeiner Weise helfen würde über Aillils Tod zu reden. Aber über ihre Ängste...
"Du hast Recht. Sie war oft traurig und besorgt wegen irgend etwas. Und das du deinen Vater nicht kennen gelernt hast mag vielleicht daran liegen, daß deine Mutter wohl selbst Schwierigkeiten hatte ihn gelegentlich zu sehen. Ich glaube es war eine Verbindung, die zwar EFFerd und RAHja erfreute, aber aus menschlicher Sicht nicht hätte zu Stande kommen dürfen. Vielleicht war dein Vater von hohem Adel, Efferdan. Aber ich weiß nicht so Recht wer in Frage käme. Er muß dir wohl recht ähnlich sein. Aillil erwähnte einmal etwas in dieser Richtung."
Caiden überlegt noch einmal ein wenig welche Person von Adel in Frage käme, die auch noch etwas mit Efferd zu tun hatte, aber es mag ihm immer noch niemand einfallen. Außerdem passte zu niemanden der Name. 'der Name...'
Entgegen seiner sonstigen Ruhe wird Caiden fast ein wenig hektisch als es ihm einfällt:
"Efferdan.. eines weiß ich doch über deinen Vater. Dein Nachname... der Teil 'Aquirial'.. das ist der Name oder ein Teil des Namens deines Vaters."
..und schon ist Caidens plötzliche Hektik wieder vorbei. Denn wie soll dieser Name Efferdan weiter helfen?
Efferdan sieht Caiden mit offenem Mund an. Seine Augen schillern Caiden meersblau entgegen, wogendem Wasser gleich, das einen Pfad sucht. Die Dinge, die Caiden ihm da offenbart lassen ihn schwindlig werden.
"Aquirial... mein zweiter Vorname ...mein Vater?" haucht er hervor. Schon oft hatte er sich gefragt, woher dieser Name - so ungewöhnlich - stammt. War er wirklich sein Vatername? Doch - wer hies so? Efferdan ist sich sicher, dass der Name keiner Sprache entstammt, die er kennt und doch... Irgendwie klingt er so vertraut und das nicht nur, weil es auch sein eigener Name ist (den er eigentlich nie benutzt). Etwas tief hinter seiner Stirn regt sich. Für einen Moment ist ihm so, als kenne etwas tief in ihm die Bedeutung des Namens, doch je mehr er sich darauf konzentriert, desto weiter weg rückt dieser flüchtige Funke des Wissens.
Und da ist noch etwas:
"Ich ähnle ...meinem Vater? Wie?"
Auch dies ist Efferdan neu und wieder wird ihm schmerzlich bewusst, wie wenig er eigentlich weiß. Caiden dagegen scheint einiges zu wissen und so ist der Geweihte ein Quell des Wissens für ihn.
`...mir recht ähnlich sein...`
Würde er seinen Vater erkennen, wenn er ihn sähe. Wie sieht er ihm ähnlich? Konnte es wirklich sein dass... Aber, solch helles Haar, solche Augen... Efferdan hat so etwas ähnliches bisher nur bei Elfen gesehen.
Efferdan ist verwirrter als vorher. Jede kleine Antwort wirft ei Berg neuer Fragen auf. Ihm ist so, als würde ihn jemand von dem unsicheren Boden auf dem er die ganze Zeit stand wegnehmen und ihn ins Nichts setzen. Woran sollte er sich klammern? Unsicherheit steht in seinen Augen, Ratlosigkeit, ja, vielleicht sogar eine Spur Furcht. »Wo gehöre ich nur hin« scheinen sie zu flehen.
"Du sollst wohl ähnliche Haare und Augen wie dein Vater haben und..."
Caiden stockt. Das was er noch erfahren hatte, hatte er nicht gerade auf feine Art erfahren. Eines Tages hatte Aillil mit einer Freundin geredet in einem Moment wo sie dachten, daß sie wohl unbeobachtet gewesen wärem. Aber Caiden hatte in der Nähe zu tun gehabt. Und anstatt ein wenig lauter zu werden, um auf sich aufmerksam zu machen war er leiser geworden und hatte den beiden gelauscht.
"..und... einmal hat deine Mutter etwas erwähnt, daß die Lippen ihres Liebsten ganz weich seien."
Caiden ist sichtlich unwohl dabei das zu äussern, was eine Frau über ihren Liebsten sagte und schnell fügt er hinzu:
"aber das gehört wohl nicht ganz hierher."
Caiden schweigt einen Moment und betrachtet Efferdan von der Seite. Er versuchte heraus zu finden wieviel von Efferdan ihn an Aillil erinnerte und wieviel wohl von dem was nicht passte wohl zu Efferdans Vater gehören mochte.
`Meine Augen und Haare...`
Gedankenverloren fährt Efferdan sich mit der rechten Hand seitlich über das Haar, die Ange hinab, berührt seine Lippen
`...weiche Lippen...`
und lässt die Hand wieder sinken.
Die Frage nach dem wer ist noch immer nicht geklärt, doch Efferdan weiß nun, wie er seinen Vater erkennen kann - wenn er ihn jemals trifft.
`Wo er wohl ist...`
Fragend sieht er wieder zu Caiden hin.
"Weißt... weißt du, woher er kam...?"
Es ist als habe Efferdan beinahe völlig vergessen, wer vor ihm steht. Er sieht in Caiden nicht mehr den Geweihten, sondern einen Freund seiner Mutter. Er sieht wieder vage ein jüngeres Gesicht vor sich, dass auf ihn aufgepasst hat, wenn seine Mutter beschäftigt war. Caidens Stimme erinnert ihn wieder an einen mann, auf dessen Schoß er einst saß... Ein Onkel, dessen Erinnerungen ihm helfen können.
***
Eine schattenhafte, schlanke Gestalt verharrt still und unbemerkt wie ein Raubfisch auf Beutefang in einem Seitengang, ganz von einem Wandvorhang verdeckt. Das schon leicht verblichene Muster zeigt einen weißen Delphin, der kraftvoll aus dem sturmumpeitschten Wasser springt, ein Wegweiser für ein verirrtes Schiff. Und ganz klein in der Ferne, schon beinahe hinter dem Horizont, liegt das rettende Land, in silbriges Licht getaucht. Normalerweise ist es nicht ihre Art, doch jetzt wartet sie wie ein stiller Teich, lauscht dem murmelnden Wasserfall der Worte. Schon gestern war ihr ein junger Mann aufgefallen, dessen ungewöhnliches Äußeres sie an etwas erinnerte. Und nun... Sie glaubte zu wissen! Sie, die viele Geheimnisse kannte, die der uralte Tempel vor den Augen und Ohren der meisten Menschen verbarg. Noch war sie sich nicht ganz sicher. War der Lachs bereit für das Süßwasser?
"Woher er kam?"
Caiden schüttelt etwas energischer den Kopf. Ein Zeichen, daß er sich zwar viel damit beschäftigt hatte, aber es nie heraus gefunden hatte.
"Ailil hat nie erwähnt woher dein Vater kam. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, daß sie ihn relativ häufig traf. Gelegentlich ließ sie sich entschuldigen und war dann irgendwo anders. Üblicherweise sprach sie nicht darüber wo sie war, aber ich schätze sie traf deinen Vater."
Caiden runzelt ein wenig die Stirn.
"Seltsam eigentlich, daß nie jemand sie häufig mit einem Fremden zusammen gesehen hat. Vielleicht war es jemand der sogar allgemein bekannt ist, aber ich könnte wirklich nicht sagen wer. Ich schätze jedoch, daß er nicht sehr weit entfernt lebte oder sogar noch lebt. Allerdings ist es auch möglich, daß er nur auf Reisen hier halt machte. Wenn man Ailil nach deinem Vater fragte hieß es meist er sei auf See."
'Zu jemanden der viel auf Reisen war und nur gelegentlich jeden Ort mal besuchte passt allerdings nicht, dass er sich dann wohl doch relativ häufig mit Ailil getroffen hat', fügt Caiden nur in Gedanken hinzu, aber er war sich sicher, daß Efferdan selbst darauf kommen würde. Andererseits wollte Caiden Efferdan keine falschen Hoffnungen machen, daß sein Vater vielleicht sogar noch in der Nähe war.
'Bei EFFerd... was machst du dir darüber Gedanken, wenn du nicht mal die geringste Ahnung hast wer es sein könnte', schimpft Caiden in Gedanken mit sich selbst... 'ob es vielleicht noch andere Leute gibt, die Efferdan weiter helfen können?'
Der Schimmer der Hoffnung in Efferdans Augen flackert, wird kleiner. Irgendwie wirkt er ziemlich niedergeschlagen, als er wieder nach unten sieht, die Fliesen anstarrt.
"Schade"
Nur dieses eine Wort kommt aus Efferdans Mund und das nicht einmal besonders laut. Und doch drückt es all die Empfindungen aus, die Efferdan in sich fühlt:
Niedergeschlagenheit. Ersterbende Hoffnung, je etwas zu erfahren. Trauer. Wut. Verzweiflung. Einsamkeit. Furcht vor der Zukunft. Unsicherheit. Zweifel an sich selbst. Und die bohrende Frage »Was nun?«
***
Die Gestalt hinter dem Vorhang späht durch einen Spalt um die beiden Gesprächspartner genauer zu betrachten.
`Caiden... du standst ihr immer schon sehr nahe. Und Efferdan war wie ein Neffe für dich. du weißt viel. Doch das wichtigste hat man auch dir nicht gesagt. Noch immer kratzt du nur an der Oberfläche...`Der Blick der Gestalt bleibt auf dem blassen Matrosen hängen. `So ratlos... Fest entschlossen, das Geheimnis deiner Herkunft zu ergründen, doch wo du hinkommst stößt du auf eine Mauer. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, dass du dich erkennst. Lange ist es schon her... Vielleicht wird es Zeit, dass du einiges erfährst. Die Schleier über den Tiefen sollten gelüftet werden. Muss ihm Bescheid geben...`
Und so lautlos wie die Muräne im tiefen Wasser, still, wie sie gekommen ist, huscht die Gestalt wieder zurück durch den Gang um bald darauf hinter einer reich mit efferdgefälligen Motiven verzierten Tür zu verschwinden. Wer an ihr vorbeigehen würde, könnte kurz darauf zwei Stimmen vernehmen. Die einer jungen Frau und die eines alten, aber immer noch rüstigen Mannes...
***
Tränen sammelt sich in Efferdans Augen. Seine Hände sind zu hilflosen Fäusten geballt. Seine Lippen zittern.
"Gibt - es - denn - niemand - der - mir - helfen - kann?"
Jedes Wort durchtrennt die Luft wie das Beil eines Henkers.
***
Die Götter sind keineswegs taub und erhören verzweifelte Fragen wohl - manchmal. Und ganz ganz selten hören sie sie schon, bevor die Frage überhaupt ausgesprochen wurde. Dann ist die Antwort schon auf dem Weg...
Caiden hat einen Fehler gemacht. Er wollte Efferdan nicht zu viel Hoffnung machen, damit er nicht zu enttäuscht wäre, falls er zu keinem Ergebnis käme. Doch darüber schien Efferdan schon längst hinaus. Caiden hätte beinahe auch noch den letzten Rest Hoffnung der noch in Efferdan war zerstört. Doch wer mochte Efferdan weiter helfen können. Wem hatte Ailil vertraut und somit vielleicht mehr anvertraut als ihm selbst.
Caiden versucht darüber nachzudenken während er versucht Efferdan zu beruhigen. Er legt beruhigend die Hand auf Efferdans Schulter, schaut ihn an und spricht dabei ruhig:
"Keine Angst Efferdan. Wenn die 12 es wollen werden sie dir helfen und ich bin mir sicher, daß keiner von ihnen einen Grund hätte dir zur zürnen und dich absichtlich im Dunklen lässt. Es gibt sicherlich noch andere die dir weiter helfen können. Nur ich bin nicht der Quell der dir alle Antworten liefern kann und ich denke es wird kein einfaches Unterfangen bleiben mehr über dich und deinen Vater herauszufinden."
'Das war nicht sehr hilfreich...', meckert Caiden in Gedanken mit sich selbst, 'über all die Jahre solltest du es doch langsam gelernt haben wie man Menschen beruhigt und ihnen neuen Mut gibt.'
"Graustein...", sagt Caiden als ihm die Antwort auf die Frage kommt die er sich selbst stellte. "Vielleicht weiß der Hochgeweihte Graustein mehr", vervollständigt Caiden die Information, "Ailil vertraute ihm. Du solltest vielleicht erst einmal mit ihm reden. Falls Du von ihm nichts neues erfährst, so können wir uns später gerne noch einmal zusammen setzen und sehen ob uns noch mehr einfällt."
Caiden hofft, daß Graustein Efferdan wirklich weiter helfen konnte. Ansonsten schien es schwierig an weitere Informationen zu kommen.
'Vielleicht sollte ich selbst noch ein wenig nachforschen, damit ich Efferdan später vielleicht noch ein wenig mehr helfen kann.'
"Vielleicht hast du Recht, Illarea. Es wird Zeit, dass die Gestaden des ewigen Ozeans wieder einmal ein Geheimnis enthüllen."
Der Mann erhebt sich. Schon will die Frau ihm stützend zu Hilfe kommen, doch der alte Mann wehrt ab.
"Schon gut."
***
Als Caiden ihm die Hand auf die Schulter legt zuckt Efferdan - beinahe schon aus Gewohnheit - zusammen. Gerade noch kann er den Impuls unterdrücken, zurückzuspringen. Traurig starrt er geradeaus, auf Caidens Brust und hört stumm Caidens tröstenden Worten zu, die ihn doch nicht so recht trösten wollen. Niedergeschlagen wirkt er und irgendwie auch so als hätte er beinahe aufgegeben.
`Caiden kann mir nicht helfen - wer dann???`
***
Mit einer Geschmeidigkeit, die ihm niemand, der ihn nicht kennt, zugetraut hätte, schreitet der alte Mann den Gang entlang, dicht gefolgt von der Illarea Efferdtreu, einer der Geweihten des Tempels.
Schon können die Beiden den Wandteppich sehen und auch die Stimmen derer hören, die dahinter stehen und reden. Der alte Mann lächelt, als er die Stimme Caidens erkennt und sein Lächeln wird zu einem Grinsen, als er den Namen vernimmt, den der Geweihte aufgeregt hervorbringt. Der Mann vollführt eine abwinkende Geste in Richtung der Geweihten.
"Ich gehe alleine, schließlich wollen wir ihn nicht verschrecken"
***
Efferdan sieht auf, als er den Namen des Tempelvorstehers hört.
`Sollte er? Aber kann ich...?`
Hoffnung und Verunsicherung widerstreben in seinen Augen.
"Glaubst... glaubst du wirk..."
Abrupt hält Efferdan plötzlich inne. War da nicht ein Geräusch hinter dem Wandvorhang? Efferdan hatte schon immer scharfe Ohren gehabt und eben war ihm so, als hätte er eine Stimme gehört.
Doch noch bevor er dazu kommt, etwas zu sagen, schiebt eine schmale, runzlige, von Altersflecken gezierte Hand den Teppich zur Seite.
***
Wie bereits erwähnt, erteilen die Götter die Antwort auf eine Frage ganz selten noch, bevor sie richtig gestellt wurde. Und manchmal muss ein Sterblicher nicht nach der Antwort suchen, sondern sie findet ihn.
***
"Ich glaube, dass wird nicht nötig sein, Caiden" nimmt der Alte auf Caidens letzte Worte bezug.
"Dein Einfall war richtig. Ich denke, ich kann dem Jungen wirklich helfen"
Efferdan reißt die Augen auf und starrt die Gestalt an. Erst einige Augenblicke später wird ihm überhaupt bewusst, wen er da sieht und sofort verneigt er sich tief.
"Eurer... Hochwürden..." stammelt er.
Hochwürden Graustein wirkt trotz seines Alters nicht gebrechlich. Seine sehnige Gestalt steht noch immer aufrecht, die Haut wettergegerbt und noch immer strahlen seine Augen mit dem Feuer. Er trägt die Robe eines einfachen Geweihten, lediglich das Stirnband aus Blutrochenhaut, dass sich deutlich von seinen ergrauten Haare abhebt, zeugt von seiner Würde als Tempelvorsteher.
"Schon gut, Efferdan."
Seine Stimme ist klar und freundlich.
"Es ist lange her... 8 Jahre, seit du das letzte Mal hier warst, nicht?"
Seine Worte klingen nicht tadelnd, eher bedauernd.
"Sieht man einmal von gestern ab..." fügt er rasch hinzu.
"Fast neun" erwidert Efferdan kläglich. Er erinnert ich noch gut an seinen TSA-Tag Anfang des letzten Mondes, den er ganz still für sich gefeiert hatte. Und er erinnerte sch noch genau daran, wie er damals, kurz nach seinem 12. Tsatag zum Hafen gegangen war und als Schiffsjunge angeheuert hatte. Seitdem hatte er nie den Mut gefunden, während eines Aufenthaltes in Havena den Tempel, seine alte Heimat und die seiner Mutter, zu besuchen. Zu schmerzlich schienen ihm die Erinnerungen. Und auch jetzt rinnt ihm eine Träne die Wange hinunter.
"Schon gut, ist nicht schlimm" spricht Graustein sanft auf den jungen Matrosen ein. "Du bist groß geworden! Hast wohl viel erlebt? Und doch ist da eine brennende Frage, auf die du nach all den Jahren noch keine Antwort finden konntest."
Graustein mustert Efferdan eindringlich, fast so wie ein Vater, der erkennt, dass sein Sohn erwachsen geworden ist.
"Ich glaube, es gibt da etwas, was ich dir sagen sollte. Deine Mutter hat sich mir anvertraut, weißt du? Wir wollten warten, bis du alt genug wärst, weißt du? Und dann warst du plötzlich weg..."
Nachdenklich blickt er auf.
"Caiden? Könntest du dich bitte um das Nachmittagsgebet kümmern? Illarea und ich sind beschäftigt..."
Sanft legt sich seine Hand um Efferdans Schulter.
"Komm mein Junge, wir sollten in mein Zimmer gehen...
***
Gerade kommt Efferdan noch dazu, Caiden ein aus tiefsten Herzen kommendes "Danke" zuzuwerfen, als ihn Graustein auch schon zu seinem Zimmer führt. Auch Illarea schließt sich den beiden an. Etwas mulmig ist Efferdan schon, doch endlich sollte er etwas erfahren. Endlich!
***
"Also" beginnt Graustein. "Alles begann etwa anderthalb Jahre vor deiner Geburt, als..."
Und so erzählt Graustein Efferdan eine Geschichte, eine Geschichte, die ihm viele seiner Fragen beantwortet.
So kommt es, dass der junge Matrose den ganzen Mittag lauschend, staunend, verwirrt, verblüfft und von vielen Gefühlen mehr geschüttelt in diesem Zimmer verbringt und es erst verlässt, als andernorts Menschen aus einem gewissen Stadion strömen und die zwischenzeitlich recht leeren Gassen und Tavernen Havenas wieder mit pulsierendem Leben füllen...
Auf dem ersten Blick könnte man meinen, der junge, blasse Mann, der da aus dem Tempel tritt und die Stufen hinunter stolpert, wäre krank. Taumelnd ist sein Schritt und in seinem Blick steht Verwirrung.
Efferdan weiß nicht, was er denken und fühlen soll. Zu ungeheuerlich sind die Dinge, die man ihm soeben, nach all den Jahren eröffnet hatte. Er wußte jetzt, wer sein Vater war - oder ist, denn ob er noch lebt konnte auch der Hochgeweihte ihm nicht mit Sicherheit sagen - dafür weiß Efferdan jetzt noch weniger, wer er selbst ist.
Stammelnd hatte er sich bei dem Hochgeweihten und seiner Vertrauten bedankt und war einfach hinaus getaumelt. Er brauchte Zeit - Zeit um sich über so einiges klar zu werden.
Vieles in seinem Leben wurde deutlicher - doch auch neue Fragen taten sich vor ihm auf. Es war nicht so, dass die Fragen verschwunden wären - sie hatten sich nur verändert. Aus "Wer? wurde "Wo?", aus "Was?" "Warum?".
Halt suchend tastet seine Linke nach einer Säule, während seine rechte den Kopf voller umherschwirrender Gedanken stützt. Er bereute nicht, endlich Antworten erhalten zu haben - auch wenn er sich wünscht, die Antworten wären... nun »einfacher« gewesen.
***
Besorgt sieht Illarea immer noch zur Tür, durch die Efferdan vor Kurzem verschwunden war
"Meinst du, er kommt damit klar?"
Vor ein paar Stunden noch erschien es ihr eine gute Idee zu ein, Efferdan alles zu sagen, doch jetzt, nachdem sie gesehen hatte, wie der junge Mann reagiert hatte, ist sie sich da nicht mehr ganz so sicher.
Sie selbst hatte von der ganzen Sache erfahren, als sie zufällig auf ein altes Tempelbuch stieß, dass offensichtlich nur von den jeweiligen Hochgeweihten geführt wurde. Neugierig wie sie war hatte sie es durch geblättert und war dabei auf einige, schon von Graustein verfasste Einträge gestoßen. Und SIE hatte ihr mehr erzählt, als sie gefragt hatte.
"Er wird. Und er wird froh sein es zu wissen" antwortet die sanfte Stimme des Hochgeweihten. "Mach dir keine Sorgen. Er ist stark, wie seine Mutter."
"Warum hast du ihm nicht gesagt, wo er seinen Vater finden kann. ich bin sicher, SIE weiß es. SIE weiß alles darüber."
Graustein schüttelt bedächtig den Kopf.
"Das wäre nicht gut gewesen. Er muss ich erst klar werden, wer er ist und was er will. Er wird es schon selbst herausfinden, wenn es an der Zeit ist."
***
Tränen treten Efferdan in die Augen
`Und was jetzt?`
IN HAVENA - Im Immanstadion: Stürze und Zusammenstöße - Hjaldar, Alberik und Garulf
Eigentlich erscheint Hjaldar die Aussicht auf eine Rauferei mit mehreren Bullenfans gar nicht mehr so rosig und spaßbringend wie gestern/vorgestern auf der Brücke ... zum einen ist sein rechter Arm kaum einsatzfähig und ein empfindlicher Angriffspunkt dazu und zum anderen fehlt hier auch das Geländer für den taktischen Rückzug nach moralischem Sieg.
Aber der Schulterschluß von Garulf und Alberik, sowie der nicht wirklich vorhandene Zusammenhalt der Havener gibt ihm wieder Oberwasser
"Wat is Bangbüx, hess din Büx voll? Komm hierher Bulle, ick wull Di wat!!!" ruft er dem Entweichenden mit einladend winkender Geste der linken Hand zu.
Der Ruf des Thorwalers bringt den Hanvenaer, der zu Beginn die Schmähungen ausgestoßen hatte, dazu, sich noch schneller flüchtender Weise zu entfernen.
Allerdings... zu seinem großen Pech und dem großen Gelächter der Umstehenden schafft er es dabei nicht wirklich weit, denn ein korpulenter Handwerker, den er zur Seite zu schubsen versucht, hebt nur kurz den Fuss und tritt ihm damit das Bein weg, so dass er in nur wenig mehr als drei Schritt Entfernung von den beiden Thorwalern und ihrem zwergischen Freund der Länge nach hinschlägt - DAFÜR machen die umstehenden Zuschauer bereitwillig Platz, auch wenn ihre Aufmerksamkeit sich zunehmend dem wieder anlaufenden Spiel zuwendet.
Eben noch wollte Garulf dazu ansetzen, den flüchtigen Havener am Kragen zu packen und zurückzuziehen, doch dann zieht der Feigling es vor, sich freiwillig in den Matsch zu werfen. Eben noch die Fäuste geballt, fängt der Smutje jetzt lautstark an zu lachen:
"Nu kiek di den an! ... HA HA HA ... konn nichma op twe Benen gen un mokt hi den Lauten! ... HO HO HO"
Laut fällt Alberik in das Gelächter des Thorwalers mit ein und hält sich den Bauch.
"HA HA HA! Ja genau!"
Mal wieder versteht er eigentlich gar nichts aufgrund des thorwalschen Akzents, aber das ist im Moment auch nicht wichtig, denn jeder weiß, worüber gelacht wird. Und deswegen kann man ruhigen Gewissens zustimmen.
"HUA HUA HUA!"
Hjaldar stimmt in das spöttische Gelächter von Alberik und Garulf ein.
"Wat is Bangbüx, biss uff'em eegenen Mumm aafglitscht? Hess din Büx vullschieten? Pass up, ick hol Di!"
Er macht einen schnellen Schritt nach vorne, so als ob er sich den Flüchtenden jetzt greifen wollte, um dessen Angst noch ein wenig anzuheizen, bleibt aber gleich wieder stehen und lacht weiter.
IN HAVENA - In Immanstadion: Der Gestürzte auf der Flucht
Mit einem Mal wird dem Hanvenaer klar, dass er keinesfalls in einer gewaltigen Übermacht EINEM Thorwaler gegenübersteht, sondern zwischen seinesgleichen DREI Gegnern! Und... seinesgleichen steht nicht so sehr auf seiner Seite, wie er das zu glauben scheint, denn fast parallel zu dem hilfesuchenden Blick, den er nach links zu einem kräftig gebauten Nachbarn wirft, stösst dieser hervor:
"Könnt ihr das nicht draußen ausmachen? Oder nach dem Spiel?"
Es gilt Hanvenaern und den "anderen" gleicher maßen, und ist in einem fast gelangweilten Ton ausgesprochen.
Der erste der Hanvenaer Fans, der die Stimme gegen den Thorwaler erhoben hat, zieht sich nun noch weiter zwischen die anderen zurück, bereit, sich jeden Moment flüchtend zwischen diesen in Sicherheit zu bringen.
"FEIGLING!" stößt sein Nachbar auf der anderen Seite hervor, während er ein Stückchen zur Seite weicht.
Der Gestürzte hat mit einem Schlag nicht nur ein Problem, sondern gleich deren drei. Zum einen ist er immer noch durch die Thorwaler bedroht, und möchte so weit wie nur irgend möglich fliehen, aber zum anderen schmerzen seine Knie ziemlich, mit denen er hart auf einer Steinkante gelandet ist, und zu guter (oder unguter?) Letzt hat die zweite Halbzeit begonnen, und damit ist er den Umstehenden vollkommen egal, ihnen ist das Spiel viel wichtiger als er dort auf dem Boden, der dabei auch den einen oder anderen nicht beabsichtigten Fußtritt abbekommt.
So ist an eine Flucht nicht wirklich zu denken.
Bei dem schnellen Schritt des Thorwalers rappelt der Gestürzte sich auf, um weiter zu fliehen, was aber nicht wirklich von Erfolg gekrönt ist, denn zwischen den Beinen der Zuschauer ist einfach nicht genug Platz, und diese zu sehr vom Spiel mitgerissen, um auf derlei "unwichtiges" zu achten.
schließlich schafft er es aber doch, wieder auf die Beine zu kommen, nicht, ohne dabei den einen oder anderen Ellbogen oder das eine oder andere Knie abzubekommen, und schaut sich gehetzt um, auf welche Weise und in welche Richtung er am schnellsten entkommen kann.
IN HAVENA - In Immanstadion: In der Arena
Auch wenn sich das Bild gegenüber der ersten Halbzeit nun, nach dem Signal zur zweiten Spielhälfte gründlich gewandelt hat, man kann nicht sagen, dass die 'Pottwale' sich verloren geben. Auch wenn die 'Bullen' momentan aufspielen, als hätten sie wesentlich mehr Spieler auf dem Feld als die Mannschaft aus Prem, so können sie aus ihrer Überlegenheit, genauso wie die 'Pottwale' vorher, keinen zählbaren Vorteil heraus streiten. Allerdings wehren sich die Premer mehr mit dem Mut der Verzweiflung, als aus taktischen Überlegungen heraus. Doch gerade die angeschlagenen Spielerinnen der Mannschaft erzwingen sich dabei eine zentrale Bedeutung. Auf der einen Seite des Feldes ist es Algrid, die sich, trotz ihrer Verletzungen, immer wieder erfolgreich in das Aufbauspiel der 'Bullen' wirft, auf der anderen Seite entwickelt sich Tula zu einer schier unüberwindbaren Barriere. Tula humpelt zwar zusehends mehr und mehr mit jeder weiteren Handlung, jedoch, wenn die Lage es verlangt bewegt sie sich leicht und behende, auch wenn man an ihrem von Schmerz verzerrtem gesicht gut ablesen kann, was sie diese Abwehrtaten kosten.
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Frenhild, die Fee, bemüht sich verzweifelt um einen geordneten Spielaufbau im Mittelfeld, doch nur selten bekommt sie den Ball zugespielt und wenn sie ihn dann doch einmal führen darf, mangelt an Anspielpartnern. Waren die Stürmer der 'Pottwale' in der ersten Spielhälfte noch sehr offensiv eingestellt, so lassen sie sich nun etwas zu weite nach hinten fallen. Doch die Kraft für einen schnellen Gegenangriff reicht bei Hasgar und Thinmar einfach nicht mehr aus. Allein Ragnid und Aki scheinen noch im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte zu sein. Jedoch hat Aki die unheilvolle Neigung etwas planlos nach vorne zu stürmen und er stellt sich meistens in eine Position, von der aus er einen guten Weg zum Tor der 'Bullen' antreten könnte, nur kann man ihn dort nicht anspielen. Aber auch Ragnid ist schlecht in das Aufbauspiel einzubinden, da sie nun doppelt und dreifach abgedeckt wird, offensichtlich ist man sich der Gefährlichkeit dieser Spielerin auch in den Reihen der 'Bullen' bewusst geworden und ist nun versucht ihre 'Kreise' zu beschneiden. So kommt es, dass Frenhild oftmals den Ball vertändelt oder nach einem riskanten Abspiel an den Gegner verliert.
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Thinmar ist erschöpft. Mehrmals muss er lange Balle ziehen lassen, obwohl er sie noch vor kurzer Zeit mühelos erlaufen hätte. Aber Algrid läßt immer mehr nach, obwohl sie ihre Sache noch sehr gut macht, dennoch öffnen sich für die 'Bullen' zu oft freie Räume, durch die sogar solche Hau-Ruck-Spieler wie dieser kleine 'Schlangenkopf' einen ANgriff einleiten könnten. Thinmar ist nunmehr derart in die Verteidigung eingebunden, dass er an den Angriff schon längst nicht mehr so recht denken mag. Der Ausgleichstreffer der 'Bullen' hat ihm viel von seinem spielerischen Elan geraubt.
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Was er in de ersten Halbzeit an Wegen hat sparen können, das holt Thorlif nunmehr ordentlich nach. Die 'Otter' agiert außerordentlich schnell, in einer Weise, dass man den Eindruck bekommen könnte, er wäre sogar mehrmals auf dem Platz. Seine Leidenschaft kommt aber auch keinen Moment zu früh, denn immer öfter dringen die 'Bullen' in eine gefährliche Nähe zu Tor Isleif's. Thorlif spielt sehr geschickt und hat manchen Angreifer den Ball vom Schläger geholt, ohne den Mann oder die Frau selbst zu behelligen. So kennt man die 'Otter' gar nicht, was mag nur dahinter stecken ... ?
***
Faenwulf ist unzufrieden, sogar sehr unzufrieden. Es ist ja nicht so, dass ihm das Verteidigen keinen Spaß machen würde, aber immer nur verteidigen, den Ball weg schlagen und darauf zu warten, dass ihm der nächste Angriff entgegen brandet, das ist auch nicht seine Vorstellung von einem guten Spiel. Sicherlich hat er gefordert, dass die Abwehr verstärkt werden sollte, aber doch nicht um den Preis, dass nach vorne gar nichts mehr geht. Außerdem verlangt der momentane Spielstand nun wirklich etwas mehr Druck auf das gegnerische Tor und ein Tor ist nur dann zu erzielen, wenn man sich auch in die gegnerische Hälfte wagt.
Faenwulf brummt mürrisch. Doch als er noch so seinen Gedanken nachhängt, wie das Spiel nach vorne besser zu gestalten wäre, wird er plötzlich von Ifirnsgiron anspielt. Faenwulf flucht innerlich, er hat bei seinen Überlegungen um eine mögliche Zukunft ein bißchen zu sehr die Gegenwart aus den Augen gelassen und nun hat er den Ball, dafür aber keinerlei Überblick und daraus resultierend auch keine Ahnung wohin er ihn abspielen könnte. Es tut sich im Augenblick auch keiner seiner Mannschaftsfreunde hervor, denn die sind offensichtlich recht froh, den Ball, also die Verantwortung nicht zu haben. Und da Faenwulf überhaupt nichts besseres einfällt, fängt er an zu rennen und den Ball vor sich her zu treiben. Immer geradeaus läuft er und er erspart sich jeden Blick nach links und nach recht, da er nicht erwartet, dass er dort günstiges erblicken könnte. Faenwulf rennt nicht schnell, doch wird er, seltsamer weise kaum attackiert. Vielleicht hat man von ihm ein derartiges Vorgehen nicht erwartet. Einzig die beiden Frenhilds erkennen die Besonderheit der Lage und eilen herbei, nicht um von Faenwulf den Ball, sondern um ihn an den Flanken abzusichern. Auch Aki verhält sich ausnahmsweise der Mannschaft dienlich und bereitet freie Räume Mittelfeld.
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Auf diese Weise kommen die 'Pottwale' endlich wieder einmal in geschlossener Formation in die Hälfte der 'Bullen'. Es ist das erste mal inder zweiten Halbzeit, dass ein Spielzug der 'Pottwale' wieder geordnet wirkt. Vielleicht hat dieses Aufbäumen einer ausgezehrten Mannschaft die 'Bullen' zu diesem Zeitpunkt überrascht, vielleicht war es auch die plötzliche Ordnung in einem sonst so chaotischen Spiel 'Pottwale' oder unter Umstände die Rückkehr zu einer Spielmoral, die man dieser Mannschaft in dieser Situation nicht mehr zugetraut hätte, vielleicht war es aber auch alles miteinander, auf jeden Fall bahnt sich momentan ein Spielzug an, der den bisherigen Spielverlauf in der zweiten Halbzeit auf den Kopf stellen könnte, denn schon sind die 'Pottwale' tief in die Hälfte der 'Bullen' eingedrungen.
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Ragnid betrachtet die Situation und beginnt zu lächeln. Zur Verwirrung aller Abwehrspielerinnen und -spieler unternimmt die Yeshinna nicht, aber auch gar nichts, um ihren Leuten zu helfen oder sie zu unterstützen. Sie stützt sich einfach nur auf ihren Schläger und schaut zu, wie Faenwulf und seine 'Eskorte' näher kommen ....
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Nur selten ist Faenwulf jemals in einem Spiel nervös geworden. Das war schon früher so, als er damals, als Grünschnabel, zum erstenmal in die Mannshcaft aufgenommen worden war. Nun ist er erfahren und er gilt als einer der abgebrühtesten Spieler im Immansport. Doch war seine Position immer die eines Bremsers gewesen und das war und ist er mit Leib und Seele. Seine Auflüge jenseits der Mittellinie sind seltener gewesen als Regen in der Khom und nun ist ihm tatsächlich so, als habe er seine angestammte Heimat verlassen und er fühlt sich wie ein Fremder, so kurz vor dem Tor des Gegners. Da sieht er Ragnid, die sich untätig auf ihren Schläger lümmelt, er sieht ihr Lächeln und fast muß Faenwulf auch lächeln.
'Wollen wir es zu Ende bringen!' denkt er sich, hebt den Schläger und treibt den Korkball mit einer immensen Geschwindigkeit auf das Tor Brendan's zu .....
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen
In der zweiten Hälfte des Spieles gibt es auch für die Fans der Premer Mannschaft nichts zu lachen. Allzuhäufig steht nur noch Thorlif zwischen dem Kork und dem Tor. Und wenn der Mann seine Pflicht tut, so ein echter Grund zum Jubel ist das nicht. Auch ist der ein oder andere der Zugereisten noch ziemlich sauer auf den letzten Mann.
Und der Rest des Haufens in der Arena ist auch nicht viel besser dran. Kaum kommt mal ein richtiger Spielzug zustande und wenn man gerade anfängt sich warmzubrüllen ist der Ball auch schon wieder weg. Holz und Gras und Gehumpel. Kein Grund zu Feiern. Bis dann ...
Faenwulf
Faenwulf
Faenwulf!
Faenwulf!
Faenwulf!Faenwulf!
Faenwulf!Faenwulf!Faenwulf!
IN HAVENA - Im Immanstadion: Wechsel der Aufmerksamkeit - Hjaldar und Garulf
Noch eine ganze Zeit lang dröhnt Hjaldars spöttisches Gelächter den nicht wirklich erfolgreichen Fluchtversuchen des Haveners entgegen und wird von einigen bösartigen Grimassen begleitet, wenn dieser sich gehtzt nach den drei 'verfolgern' umdreht.
Bis seine Aufmerksamkeit schließlich wieder dort landet, wo sie eigentlich die ganze Zeit hätte sein sollen: auf dem Spielfeld, verursacht durch die lauten 'Faenwulf' Rufe der Thorwaler Anhängerschaft.
"Garulf, kiek, dat wird'n Dreefacher Eumel! Faenwulf los, giffem Saures!!!"
In der ganzen Zeit in der die zweite Spielhälfte nun schon währt, üben die Bullen Druck auf die Premer aus. Wie Hammerschläge prasseln die Angriffe der wesentlich ausgeruhteren Mannschaft auf die erschöpften und angeschlagenen Pottwale ein. Doch durch viel Einsatz - und vielleicht auch etwas Glück - hält das »Schild« der Premer, etwas, was die Bullen immer mehr anstachelt, wie ein angriffslustiger Hornissenschwarm schwirren sie über das Feld. Doch wie so oft, wenn ein Kämpfer wild mit dem Schwert zu treffen versucht, ist das eigene Schild gesenkt. Noch dazu weil Ragnid eine »Ehrengarde« erhält.
Mehr und mehr hat sich die Linie der Bullen nach vorne verlagert, so dass die Bullen wie in der ersten Halbzeit schon die Premer sehr offensiv spielen - entgegen aller anordnungen Cathals. Es ist, als wollten sie endlich noch ein Tor erzwingen - nach dem sie auf das erste so lange warten mussten.
Sie sind selbstsicher die Bullen - zu selbstsicher? Manchmal wird man dafür bestraft...
***
Es scheint so, als würde Faenwulf zu anfangs gar nicht beachtet. In ihrer Euphorie kommen die meisten Bullen gar nicht auf den Gedanken, dass Faenwulf seinen wichtigen Platz in der wankenden Premer Abwehr verlassen könnte um nach vorne zu stürmen. Irgendwie erwarten sie, dass er gleich abspielen wird - und so machen sie die Abspielmöglichkeiten dicht.
Doch die Augen der Bullen werden immer erstaunter, als sie Faenwulf weiter rennen sehen - und fluchend erkennen, dass er wirklich das beinahe undenkbare wagt: Er öffnet die Abwehrreihen um 'aufs Tor zu stürmen'!
***
`Verdammt!`
Cathal spurtet los, dem vorbeigezogenen Faenwulf hinterher.
"Abfangen brüllt er"
Der Blick auf die eigenen Abwehrreihen bereitet ihm Bauchschmerzen - löchrig wie ein Fischernetz.
Dunvallo hat gar nicht auf nicht auf Cathals Anweisung gewartet - wie dieser hat er erkannt, was los ist - und handelt.
Er spurtet los, um Faenwulf aufzuhalten.
Auch Romolosch setzt sich in Bewegung. Doch im Gegensatz zu den anderen beiden stürmt er Faenwulf nicht hinterher, sondern entgegen.
Lyn erwacht ebenfalls aus ihrer Erstarrung, als sie Cathals Ruf hört. Den Premer würde SIE aufhalten - und sich damit natürlich wieder glänzend in den Mittelpunkt rücken. Schließlich muss man sie doch einfach bewundern, oder?
***
Da, Eine Chance - die Pottwale scheinen plötzlich von neuer Vitalität erfüllt. es ist, als würden sie ihre Müdigkeit abschütteln, um sich ganz auf den ersten geordneten Angriff in dieser Halbzeit zu konzentrieren.
Tula beißt wieder die Zähne zusammen und stellt sich Dunvallo in den Weg. Sie würde nicht weichen und wanken, nein! Ihm würde sie es zeigen, er würde Faenwulf nicht erreichen!
***
Frenhild und Frenhild laufen immer noch auf den Flanken, haben sich aber etwas von Faenwulf gelöst. Allein hat Faenwulf wohl keine Chancen, jetzt, da die Bullen aus ihrem erstarrten Staunen erwacht sind. Aber, wenn sie sich anstrengen und mit etwas Glück...
***
Faenwulf stürmt weiter. Mittlerweile hat die Aufregung die Unsicherheit fast verdrängt. Er kann es noch kaum fassen - er, auf dem Weg zum Tor. Ganz ruhig und sicher läuft er nach vorne, den Kork feinfühlig am Schläger und die Augen auf dem kleinen Hindernis, dass von vorne immer näher kommt...
***
Dunvallo sprintet weiter, direkt auf Tula zu, die sich ihm entschlossen in den Weg stellt. Kurz überlegt er, ob er sie durch einen Schlag in den Magen ausschalten kann, doch ihre Körperhaltung und ihr entschlossenes Gesicht lassen ihn zu dem Schluss kommen, dass das wohl doch nicht so einfach wäre.
`Verdammt, ich habe keine Zeit für lange Spielchen - wird Zeit die Taktik zu ändern!`
Und so tut er etwas, was wohl keiner erwartet. Während er auf Tula zurennt wird er immer gebückter und hält den Schläger waagrecht vor seine Brust
***
Tula stutzt `Was hat er vor?`
***
Kurz vor Tula bremst Dunvallo ab, geht etwas in die Knie, spannt seine Muskeln und springt. Exzellente Körperbeherrschung drückt sich nun in einem eleganten Salto aus, mit dem Dunvallo geradezu über Tula segelt.
`Die Yeshinna ist nicht die einzige...`
***
Überrascht sieht Tula nach oben
"Wie...???"
***
Ragnid zieht überrascht die Augenbraue hoch, während sie diese Szene auf ihren Schläger gestützt beobachtet.
`Das hätte ich ihm nicht zugetraut...`
Bisher hatte sie geglaubt, dass solche Manöver allein ihre Domäne wären - doch anscheinend wird sie in Zukunft auch ein Auge auf Dunvallo haben müssen...
***
Aki - ebenfalls vorne mit dabei, um »den Weg frei zu räumen«, wie es so schön heißt - grinst, als er die schlanke, blonde Gestalt erblickt, die sich da vor ihm in Richtung Faenwulf schiebt. Wie ein Raubtier auf Beutefang bleckt der juneg Thorwaler die Szene. So gefällt es ihm. Er kann einen Gegner für Faenwulf aus dem Weg räumen und wahrscheinlich dabei auch noch Spaß haben.
"Na, meine Süße?" ist das letzte was Lyn hört, bevor sie ein schwerer Körper, auf den sie in der ganzen Aufregung gar nicht geachtet hatte, anspringt und einfach zu Boden reißt.
Verdutzt weiten sich ihre Augen
`Was!!!`
Das nächste was zu hören ist, ist ein spitzer Schrei, aus dem man
"Geh runter von mir, du Flegel" heraus hören könnte - so man sich für diese Stelle des Spielfelds interessiert...
***
Faenwulf mustert die mehr als 1.40 Schritt kompakte Muskelmasse, die in Form Romoloschs auf ihn zuhalten. Die felsgrauen Augen funkeln wild und die Kohlenstreifen auf der Wange wirken nicht gerade einladend. Für einen Moment sieht er ein Bild vor seinem inneren Auge: Kleine, schwerbewaffnete »Felsen«, die plötzlich lebendig geworden zu sein schienen stürmen die Berge herab. Kettenhemde glitzern im Licht, Axtklingen verheißen funkelnd Schärfe, lange Bärte wehen im Wind. Grimmige Gesichter... Faenwulf schüttelt das Bild ab.
`Ich muss an ihm vorbei!`
Hastig sieht er sich um, um zu sehen, was für Möglichkeiten ihm bleiben.
"Frenhild!" brüllt er plötzlich
Romolosch stürmt weiter vor, den Schläger erhoben, bereit Faenwulf den Ball vom Schläger zu schlagen.
***
Beide Frenhilds spannen sich. Jetzt!
Gleich würde der Ball kommen, bestimmt.
***
Wenn zwei Spielerinnen den gleichen Namen haben, kann es naturgemäß dazu kommen, dass die Aufmerksamkeit geteilt wird, geteilt werden muss. Doch diesmal scheint die Situation klar. Die Augen vieler Bullen richten sich auf Frenhild, »die Tigerin«. Sie hat in der ersten Halbzeit bewiesen, dass sie gefährlich ist, während die »Fee« eher dadurch glänzte, vielfach Bekanntschaft mit dem Boden gemacht zu haben.
Dunvallo ändert die Richtung - auf Frenhild, natürlich die Tigerin, zu.
Cathal unterdessen hällt immer noch auf Faenwulf zu.
***
Brendan lockert seine Schultern und spannt seine Beinmuskeln. Es gefällt ihm gar nicht, dass die Pottwale plötzlich so nahe am Tor sind. Seine Augen fixieren den Kork an Faenwulfs Schläger.
***
Faenwulf hatte wirklich einen Moment lang erwogen, die Tigerin anzuspielen. Denn in dieser Situation versuchen Romolosch auszuweichen ist riskant und Frenhild stünde durchaus günstig. Doch...
Faenwulf holt aus und schlägt den Kork ab.
***
Die Tigerin sieht sich um. Wie schon so oft fällt ihr Blick auf Dunvallo. Seid sie ihm die Wette angeboten hat, wird sie ihn kaum noch los, er scheint ihr wie ein Schatten zu folgen. Eigentlich logisch, bestimmt will er sicher gehen, dass er seine Wette gewinnt.
`Diesmal nicht, mein Süßer`
Entschlossen beschleunigt sie ihren Schritt.
***
Die Fee hingegen fühlt sich irgendwie niedergeschlagen. Klar, dass der Kork zur Tigerin fliegt, schließlich hatte sie sich heute nicht mit Ruhm bekleckert. Sie verlangsamt ihren Schritt... und hätte beinahe den Kork verpasst, der in IHRE Richtung geflogen kommt!
Hastig springt sie nach vorne, stoppt den Ball mit ihrer Brust. Sie kann es gar nicht fassen. Vor ihr, der Weg zum Tor. Nur noch ein kleines Stück - und alles frei! Sogar Brendan scheint seine Konzentration für einen Moment in die andere Richtung verlagert zu haben.
Stille! Alle Geräusche scheinen verstummt. Die Fee hat nur Augen für das Tor vor ihr. Es kommt ihr sogar so vor, als hätte Satinav selbst die Zeit um sie herum verlangsamt,m als würden sich alle außer ihr nur noch halb so schnell bewegen.
"Danke Faenwulf" flüstert sie, holt aus und schickt den Ball nach vorne, auf eine schnelle Reise auf das Tor der Bullen zu.
***
Brendan zuckt zusammen
`Was?`
Wie all die anderen hatte er seine Aufmerksamkeit zur Tigerin gerichtet, als klar war, dass Faenwulf einen Seitwärtsschlag ausführen würde. Doch jetzt...
Fluchend wirft er sich zur Seite. Sein ganzer Körper streckt sich, in der Hoffnung, den Kork rechtzeitig aufzuhalten.
***
Kerzengerade folgt der Ball seiner Flugbahn. Hart schneidet der Kork durch die Luft. Schnell ist er, mit aller Kraft geschlagen die Frenhild aufbringen konnte. Wie ein kleiner Komet zischt er fort, direkt auf den gewünschten »Einschlagspunkt« zu. Und doch ist nicht sicher, ob er trifft, den Brendans Hand rückt immer näher...
***
"VERDAMMT!" brüllt Brendan, als er hart auf dem Boden aufkommt. Stöhnen breitet sich wie eine Welle innerhalb der Bullen aus, während es die Premer gar nicht fassen können. Dumpf schlägt der Kork an die Stadionwand hinter dem Tor. Ulferts Pfeife verkündet, was sie alle schon wissen - es steht wieder 4:3 für die Pottwale!
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen
Nach einem Moment der ungläubigen Stille, als der Ball plötzlich weg ist und dann erst, während andere noch bei der Tigerin danach suchen, das laute, befreiende Pochen gegen die Torbande von einem Siegpunkt kündet, braust der Jubel unter den Fans der zukünftigen Siegermannschaft auf:
Frenhild!! TOOOOR! Faenwulf! JauJauJauJau! TOOOR! Feeeeehiiiild!
Der Jubel legt sich langsam zu einem siegessicherem Sprechgesang:
Metzger ins Stadion
Metzger ins Stadion
jetzt sind die Bullen dran
IN HAVENA - In Immanstadion: Leidenschaft und Beherrschung - Fiana und Ole
Gerade und aufrecht steht Ole in der Menge, starr und steif, als hätte er ein Gelübde abgelegt einen Wehrheimer im 'stramm stehen' zu übertreffen. Jetzt nur keine Leidenschaft mehr zeigen! Er steht wie ein Leuchtturm im aufgewühlten Meer, da er die umstehenden Zuschauer um mehr als zwei Haupteslängen überragt. Auch die hoch gewachsene Fiana wirkt fast klein und zierlich neben ihm, obwohl auch sie wesentlich grösser ist, als jene, die sich um sie herum aufhalten.
Der alte Schiffszimmermann stopft sich eine Pfeife und ignoriert dabei die Proteste seines Vordermannes, dem er dabei eine stattliche Menge Tabak über den Kragen ins Genick bröselt. Aber Ole zündet sie nicht an. Das hat allerdings kaum etwas mit rücksicht auf seine nebenleute zu tun, als mehr mit dem Umstand, dass er in diesem engen Gedrängel nicht an seinen Glimmstab herankommt. Aber Ole ist dennoch zufrieden, auch eine 'kalte' Pfeife hilft ihm seinen Blick, seine Gedanken auf das Spielfeld zu konzentrieren, weg von Fiana, weg von der steten Frage, ob sie wohl mehr Offizier oder Frau sein könnte.
Ein bisschen neidisch ist Ole allerdings schon. Während er krampfhaft bemüht ist alle Leidenschaft zu verbergen, um sich nicht wieder auf unerwünschte Weise gehen zu lassen, läßt Fiana ihrerseits alle Begeisterung im Überfluss heraus.
"Ja, Herrin!" sagt er immer wieder bestätigend, wenn Fiana eine Szene aus dem Spiel aus ihrem Gesichtspunkt heraus kommentiert, auch wenn er dieselbe Szene ganz anders gesehen hat oder auch anders werten würde. Das Spiel selbst ist ja mittlerweile mehr als unansehnlich geworden. Ole ist sich in diesem Punkt mit Fiana einig. Auch der Schiffszimmermann kann sich nicht an den gelungenen Spielzüge und Kombinationen der 'Bullen' ergötzen, das einzige, was ihn begeistern könnte wäre ein Erfolg der 'Premer', Lokalpatriotismus geht ihm wesentlich näher, als die Freuden des 'edlen' Immansports im Allgemeinen.
Doch zwischendurch verliert Ole ein wenig seiner Selbstbeherrschung und er blinzelt forschend zu Fiana hinüber. Doch immer wieder ruft er sich selbst zurück, als müsste er fürchten beim Anblick Fiana's das Augenlicht zu verlieren. Seine Laune sinkt immer tiefer, wie ein Kiste voll mit Steinen, die man ins Meer geworfen hat. Seine Stimmung erhellt sich noch nicht einmal, als Faenwulf den ersten, ansehnlich Angriff der 'Pottwale' seit Beginn der zweiten Halbzeit einleitet.
Er verfolgt das Geschehen auf dem Spielfeld mit versteinerter Miene und als Frenhild den Ball über die Torlinie peitscht nimmt er nur gelassen die Pfeife aus dem Mund und erklärt ruhig und sachlich:
"Tor!"
Ein Wandel der Gefühle, ja - das ist es, denn jetzt, wo Ole eher sachlich das Geschehen beobachtet, da scheint das vorangegangene Geschehen für Fiana tatsächlich, so wie sie gesagt hat, vergessen zu sein.
Die 1. Offizierin beobachtet das Spiel mit Herzblut, jubelt und leidet mit jedem Spielzug, der dort unten gemacht wird. Als sich dann abzeichnet, dass sich DIE Chance anbahnt, da wird sie ganz hibbelig und hüpft auf und ab. Das Ganze gipfelt in einem die Ohren betäubenden:
"TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR"
IN HAVENA - Im Immanstadion: Des Smutjes Freude - Garulf
Eben noch hat Garulf dazu angesetzt, sich zwischen die Havener zu schieben und dem flüchtenden nachzusetzen, als ihm bewußt wird, daß das Spiel längst weitergeht. Hastig wendet er seinen Blick wieder zum Spielfeld, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie die Fee den Kork dorthin befördert, wo er hingehört: Ins Tor der Bullen!
"TOOOOOR!! TOOOOOOR!! TOOOOOOR FÜR SWAFNIR!!" brüllt er aus Leibeskräften, daß allein seine Worte den ängstlichen Zuschauer weiter flüchten lassen sollten.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen
Es trifft die siegessicheren Havenaer wie ein Schock, als die so schwach und dem Aufgeben nahe scheinenden Premer auf einmal ein Tor schiessen. Ein Schock, der das die letzten Minuten beherrschende Jubeln jäh abwürgt, und einer fast grabesähnlichen Stille weichen lässt - zumindest wäre es eine solche, wenn nicht die Premer Anhänger ihrerseits für den ausgleichenden Lärm sorgen würden.
"BULLEN VOR!" schreit ein wohlbekannter stimmgewaltiger Bootsmann, doch erst einmal bleibt das einer der ganz wenigen optimistischeren Rufe.
Und ebenso ist die Freude darüber, dass es "nur" ein 1-Punkte-Tor war, und kein solches, dass ganze drei Punkte bringt, recht gedämpft, denn eigentlich dürfen die Pottwale GAR KEIN Tor mehr schiessen, und erst recht keines, dass sie so in Führung bringt.
IN HAVENA - In Immanstadion: Der Gestürzte auf der Flucht
Die Thorwaler toben, und die Hanvenaer sind geschockt - eine ideale Chance für den am Boden Liegenden, dem der Spielstand im Moment angesichts der dreifachen Bedrohung recht egal ist. Wieselflink krabbelt er ein Stück zwischen den Beinen der Zuschauer hindurch, dann kommt er auf die Füsse und verschwindet in der unübersichtlichen Menge der Bullen-Anhänger.
IN HAVENA - Im Immanstadion: Prioritäten - Alberik, Garulf und Hjaldar
Alberik verfolgt noch einen kurzen Moment lachend den fliehenden Hanvenaer, der sich stolpernd und stürzend durch die Menge bewegt. Doch die lauten Rufe seiner Nachbarn veranlassen den Zwerg dazu, sich zu dem brüllenden Schiffskoch zuzuwenden.
'Muß man denn wegen einem Spiel gleich so ausrasten?'
Alberik schüttelt sein Haupt, als wenn er seine gedachte Frage damit beantworten würde, und ein leises "Tz Tz Tz" ist von ihm zu hören.
"Sagt mal, können wir jetzt weiter Wasuren suchen gehen,damit ich noch heute meinen Panzer zurückbekomme? Oder wollt ihr noch länger schreiend hier herumstehen?"
Die feige Ratte ist geflüchtet, aber das ist ja nun auch egal, jetzt, wo die Pottwale wieder angefangen haben Imman zu spielen. Eigentlich könnte man jetzt einfach hier stehenbleiben und sich das Spiel angucken ... eigentlich, wäre da nicht ein Zwerg, der immer noch seiner Rüstung nachläuft ...
"Nu, guck Di doch erstmo dat Speel an, dien Blech wart di schon nich weglöpen!" ist dementsprechend auch Garulfs Reaktion.
"Ha- HAAAA!" begleitet Hjaldar den Flug des Korks in das Tor der Havener. Das es dabei doch nur ein Punkt wird und nicht drei, ist zwar schade, aber kein Grund die Thorwaler nicht noch anzufeuern.
"Pottwal vor, noch een Tor!" brüllt er laut, als die Spieler wieder auf ihre Positionen gehen.
Schieres Unverständnis ist daher Hjaldars Reaktion auf Alberik, der wieder mal nörgelnd nichts anderes im Sinn zu haben scheint als seine dumme Rüstung.
"Nu frei Dik doch uk mal, Manneken!!! Dat wat en Siegpunkt! Allweil ..." er blickt suchend nach vorne in den Bereich, in dem er das lette mal Wasuren gesehen hat "... is Wasuren sounso nich mehr da vörn."
"Blech? Das ist kein Blech! Wie kann man einen Spiegelpanzer, der extra für mich mit größter Sorgfalt von einem Zwergen angefertigt wurde, Blech nennen?"
Alberik wird etwas unruhig. Nervös kratzt er sich an seinem Unterarm, und wirft einen kurzen Blick in die Richtung, wo Wasuren vorhin vermutet wurde, denn das, was Hjaldar gesagt hat, hörte sich gar nicht gut an.
"Und weglaufen tut er anscheinend doch. Zumindest der Matrose, bei dem sich mein Panzer befindet."
Zu dem nervösen Kratzen gesellt sich jetzt auch ein leichtes Trappeln mit dem Fuß.
"Und was meinst du damit, daß Wasuren nicht mehr da vorne ist? Wo ist er denn hin?"
'Wasuren sollte meine Rüstung nur kurz halten, und nicht damit weglaufen. Wenn ich den in die Finger bekomme, dann.....dann.....ja dann wird er schon sehen.'
Alberik wird immer unruhiger. Immer wieder schaut er zu dem Punkt, an dem sich der Gesuchte aufgehalten haben soll, auch wenn er wegen der Menge und der eigenen Größe nichts entdecken kann.
'Wehe mein Spiegelpanzer geht verloren. Den wird er mir auf Heller und Kreuzer zurückzahlen.'
"Dat wet ick doch net." antwortet Hjaldar Alberik auf dessen Frage nach dem Verbleib Wasurens. "Der wat schon wedder uftauchen, das Wohl! Nu kiek di mol dat Speel an, wir sin' ja nun al weet jenug bugwärts, ooch für Di!"
Tatsächlich haben die drei bei ihrem Vormarsch, der erst durch die Grösste Bangbüx Havenas aufgehalten wurde, eine Position erreicht, die Garulf und Hjaldar quasi freies Blickfeld auf das Spiel gibt und auch Alberik mag, wenn auch nicht alles, so doch vieles vom Spielgeschehen mitbekommen, 'wenn er es denn man wollen dät und nich' um si'n olle Rüstzeug heulen dät, das wohl!'
IN HAVENA - Irgendwo in der Stadt / Im Hafen: Die beste Schülerin
Ein letztes Mal sieht sich Zoraklea in dem Zimmer um. Gut zwei aufregende und anstrengende Sommer lang hatte sie es bewohnt, zusammen mit dieser biestigen Valissa. Zum Schluß war sie unerträglich geworden und das nur weil sie gelb vor Neid war.
'Aber ich bin die beste!' denkt Zoraklea und lächelt vor sich hin. 'Wenn Blicke töten würden wäre ich spätestens heute morgen gestorben, als Meisterin Yashima vor allen gesagt hat, daß ich die beste Schülerin bin, die sie je hatte, und daß ich eines Tages besser sein werde als sie selbst es je sein könnte. Hah, wie Valissa geguckt hatte!'
Grinsend erinnert sie sich daran, wie sie kurz darauf Valissa die Zunge herausgestreckt hatte, nur um sie noch mehr zu ärgern.
'Fast hätte mich die blöde Kuh angesprungen, aber statt dessen ist sie über die Teppichkante gestolpert. Das hat die verdient.'
Zorakleas Blick wandert über die fertig gepackte Reisetruhe und über ihr gemachtes Bett, vor dem die Truhe steht. Sanft streicht sie mit ihren Händen über das glattpolierte Ebenholz der Kiste und versuchsweise hebt sie die Truhe auf einer Seite ein Stück an.
'Puh, ist die schwer! Dabei sind nur Kleider und meine Leibwäsche darinnen und natürlich meine Tanzkleider, und ein klein wenig Schmuck, meine Schuhe, die Öle und Schminken, Spiegel, dann die Duftflakons und die Pinselchen. Die Kämme und Bänder. Das Buch der Geistigen Bewegung und das Buch der Vollendeten Tanzkunst, das mir Yashima zum Abschied geschenkt hat und den dicken Brief, den ich meiner Mutter überreichen soll. Was wohl darinnen steht? Und dann ist da natürlich auch noch die gefütterte Jacke, die ich vorgestern bei der Schneiderin abgeholt hat. Es soll ja selbst im Spätsommer auf dem Meer sehr kalt werden können. Und sonst ist ja fast nichts mehr drinnen, nur noch mein Kästchen.'
Noch einmal versucht sie die Truhe hochzuheben. Mit zusammengebissnen Zähnen und angehaltener Luft schafft es Zoraklea, die Kiste zwei Schritte in Richtung der Türe zu tragen, bevor sie sie mit einem leichten Poltern unsanft wieder zu Boden fahren läßt.
'Nein, das schaffe ich einfach nicht, verflixt! Kalid wird mir wieder einmal helfen müssen, und es wird ihm gefallen, daß ich auf ihn angewiesen bin. Wie ich das hasse! Wenn ich eines der anderen Mädchen bitte, mir zu helfen? Nein, lieber nicht, sonst tanzt mir Valissa auf meinen Nerven herum ehe ich mich versehe. Das auch ausgerechnet sie die stärkste von uns sein muß, und ausgerechnet ich.'
Mit einem tiefen Schnaufen tritt Zoraklea vor den großen Wandspiegel, der gegenüber dem Fenster angebracht ist. Aufmerksam mustert sie das Bild, daß der Spiegel zeigt.
Eine junge Frau, eher noch ein Mädchen von knapp 17 Sommern und fast 1 Schritt 60 Größe blickt ihr entgegen. Gekleidet ist sie in ein grünes kurzärmeliges Kleid von der Farbe der Birkenblätter im Frühling. Es ist knielang und gibt den Blick auf die bis zu den Knien hochgeschnürten Sandalen frei, die die Füße gut stützen. Ab der Taille aufwärts ist das Kleid bis unter den in dunkelgrünem Stoff extra angesetzten Brustaufsatz fest geschnürt; kritisch betrachtet Zoraklea ihre schlanke Gestalt. In den letzten Monaten hatte sie sich mehrfach ermahnen lassen müssen, nicht zu viel zu essen, denn nur eine ranke Gestalt könne die erforderliche Anmut und Geschwindigkeit mancher Techniken entwickeln, sagte Yashima immer. Alleine die Brust schien sich nicht um die Vorstellungen ihrer Lehrerin zu kümmern, im vergangenen Sommer hatte ihr Umfang zu Zorakleas Irritation um mehrere Fingerbreit zugenommen.
'Ach weißt Du, so schlimm ist das nicht, den Männern gefällt es, und Dir werden die Männer auch bald gefallen' hatte Valissa neulich zu ihr gesagt, als sie ihr in einem seltenen Moment ihre Sorgen mitteilte. Hätte sie bloß ihren Mund gehalten, sie hätte wissen müssen, daß sie nur eine schnippischen Antwort erhalten würde!
"So schlimm ist das nicht!" äfft Zoraklea mit heruntergezogenem Mundwinkel Valissa nach.
"Pute!" setzt sie hinzu, dann wandert ihr Blick weiter aufwärts, über den schmalen Hals auf das helle, zart gebräunte Gesicht. Große, leuchtendgrüne Augen mit goldfunkelnden Sprenkeln blicken sie an, Wimpern und Brauen sind mit Kohlestiften leicht nachgezogen, die Lieder hat sie mit ihrer Lieblingsfarbe passend zu den Augen leicht grün gefärbt. Die Nase wird verziert von einem Schwarm Sommersprossen, die sie abwechselnd ganz nett findet und dann wieder hinter den Mond wünscht. Passend zu den schmalen Wangen und den hervortretenden Wangenknochen sitzt unter der Nase ein kleiner Mund, mit gerade kritisch herab gezogenem linken Mundwinkel. Die Lippen sind heute ungeschminkt, die neue Lippenpaste hatte sie heute morgen nicht finden können, und daß, wo diese so teuer gewesen war. Dafür hatte sie einen Verdacht, wer jetzt neue Besitzerin des Tiegelchens war. Wieder steigt ihr die Wut auf Valissa ins Gesicht. Auf den Wangen haben sich leichte rote Flecke gebildet, nicht zuletzt wegen der Anstrengungen, die Kiste tragen zu wollen.
Weiter wandert ihr Blick, auf die kastanienrote Haarpracht, die sich in unzähligen Löckchen aus ihrer Frisur zu ringeln versuchen. 'Ein ewiger Kampf!' denkt sie, noch mit einem säuerlichen Lächeln auf den Lippen. Rasch greift sie einige besonders vorwitzige Ringelsträhnen, die es wieder einmal geschafft haben, sich dem festen Griff der acht Kupferspangen zu entziehen, mit denen die Haare kunstvoll zu einem zweifachen Knoten hochgesteckt und gehalten werden. Diese Frisur läßt ihre Ohren fast ganz frei, und nachdenklich streicht sie mit der Hand über deren Kontur. Die beiden Spitzen, die die langgestreckten Ohren zieren, sind ebenso wie die Augen und die zierliche Gestalt eine Gabe ihres Vaters, während sie von ihrer Mutter die Haare und die vollen Lippen geerbt hat.
Das leise Knirschen von herannahenden Schritten auf den Dielen vor ihrer Türe läßt sie aus ihrer 'Bestandsaufnahme' schrecken.
'Wer das wohl ist?'
***
Mit zügigen Schritten schreitet ein nicht mehr ganz junger Mann den Kai des Hanvenaer Stadthafens entlang und nähert sich stetig der Laufplanke, die an Bord der NORDSTERN führt. Er ist gekleidet in eine schwarze Hose und eine ebensolche Weste, die er über einem blauen Hemd aus feinstem Leinen trägt. Auf seinem Kopf sitzt eine schwarze Samtkappe, die mit einer feinen Silberborte verziert ist. Auch die Weste trägt solche Borten, zudem noch einen aufgestickten Schlüssel über einer Schriftrolle und auf der anderen Brustseite einen feingestickten Schuh unter einer Schelle, die traditionellen Wahrzeichen eines Majordomus und jenes der Schule.
'Ja', denkt er bei sich, 'jetzt ist es also bald soweit, daß uns unsere beste Schülerin verläßt. Schade, aber ihre Zeit ist um. Die einen gehen, die nächsten kommen, das ist so und wird auch so bleiben.'
Bevor er das Schiff betritt wirft er noch einen ausführlichen prüfenden Blick auf das Schiff, dann klettert er an Bord und bleibt auf dem Deck stehen, wo er sich nach dem Kapitän oder einem Offizier suchend umsieht.
´Na, hier ist ja einiger Andrang, von unten habe ich das gar nicht gesehen.´
Langsam tritt er an den Mann, den er aufgrund seines Verhaltens für den Kapitän hält heran, hält sich jedoch noch drei Schritte zurück und wartet darauf, daß er sein Gespräch beendet. Um nichts in der Welt würde er sich unnötigerweise unhöflich verhalten, und so beschränkt er sich auf eine dezente Musterung des vermeintlichen Kapitäns und seiner weiblichen Gäste. So entgeht ihm auch keinesfalls der hinzutretende Matrose, in dessen Tonfall er auch sogleich eine gewisse Unmotiviertheit heraus hört. Fast unmerklich hebt er seine linke Braue an.
´Faules Pack gibt es wohl auf jedem Schiff... Auf See wird dem Burschen hoffentlich Wind unter dem Allerwertesten gemacht.´
Nach kurzem Gerede werden den ersten Damen die Kabine gezeigt, wie nicht anders erwartet kümmert sich der Kapitän, dass er es ist, ist sich Kalid inzwischen sicher um die andere Frau, die augenscheinlich erst kurz vor ihm das Schiff betreten hat.
´Ein anständiger Mann als Kapitän ist jedenfalls Gold wert. Yashima hatte wohl recht, mich zur Nordstern zu schicken. Die Kleine wird bei ihm wohl in guten Händen sein.´
***
Unterdessen ersterben die Geräusche vor der Türe, und nach einem kurzen Zögern öffnet sich die Türe. Herein tritt die Dame, die in der Stadt unter ausgewählten Kreisen als Yashima von Fasar bekannt ist. Sie ist eine eindrucksvolle Gestalt, groß, schlank und mit Feuer im Blick.
"So, da bist Du ja, mein Täubchen." Ernst Blickt sie Zoraklea an. "Jetzt geht es also wieder los für Dich. Siehst Du, letztendlich sind diese Jahre doch sehr schnell umgegangen, nicht wahr? Fast zu schnell, doch ich kann dich nichts mehr lehren, das liegt nun in den Händen anderer. Nun, bist Du aufgeregt wegen der Seereise?"
"Ja, Meisterin, ein wenig." In der Tat fliegt Zorakleas Blick unruhig durch den Raum, und das liegt nur teilweise an den heißen Gedanken, die sie sich gerade noch über ihre Rivalin gemacht hatte.
"Du solltest mich nicht Meisterin nennen, und schon gar nicht, wenn wir alleine unter uns sind."
Mit einem Lächeln schaut sie ihren Schützling an.
´So jung und manchmal so schwierig!´
Gut erinnert sie sich an den Tag, an dem sie in der Schule ankam. Auf der Überfahrt von Teremon an das Festland hatte sich der Kapitän des kleinen Schiffes nicht anders zu helfen gewusst, als die immer nervöser werdende Zoraklea mit zwei Bechern schweren Gewürzweins betrunken zu machen, um sie schließlich Borons schützendem Mantel anzuvertrauen; so hatte es der Kutscher Kalid unter Lachen erzählt. Ja, Zoraklea hatte Angst vor dem Meer, das wußte sie inzwischen selbst. Aber was sollte sie machen? Eine Reise zu Lande käme nicht mehr in Frage, das Jahr war zu fortgeschritten und es gab viele Gerüchte von Überfällen.
Auch Kalid nickt dem Kapitän freundlich zu, aber dann macht er doch lieber wieder einige Schritte in Richtung Reling. Nicht, das sich der Kapitän doch noch durch ihn gedrängt fühlt! Fest legt er seine Hand um eines der Seile, das zu dem hinteren Mast hinaufläuft, und blickt über das Hafenszenario. Ein plötzlicher frischer Windstoß vom Meer her läßt ihn ein wenig frösteln.
'Es wird doch schon kühler, als ich es erwartet hätte. '
Ruhig bleiben Kalids Augen nun auf einem dicken Fischer liegen, der gemütlich mit dem Boot an der Nordstern vorbei rudert. Er trägt Stiefel, eine schmuddelige Hose und eine so dick gefütterte Jacke, daß sie gerade mit dem Sonnenschein unangemessen warm wirkt.
'Dennoch scheint er sich wohl zu fühlen, und das beim rudern! Ich werde nachher auf dem Rückweg Zoraklea noch etwas Warmes für die Beine besorgen, ich glaube, sie besitzt keine einzige Hose. Yashima ist es diesmal besonders wichtig, daß die Schülerin unbeschadet in ihrer Heimat angelangt, das hat sie deutlich gemacht. Und ich glaube, sie hat einen Narren an ihr gefressen, wie man so sagt.'
Ein leises Schmunzeln stiehlt sich bei den Gedanken über die Sprichwörter dieser Region auf sein Gesicht. Nun dreht sich Kalid wieder um und lehnt sich mit dem Rücken gegen die Reling. So kann er Schiff und Kapitän gut im Auge behalten und einer weiteren optischen Untersuchung unterziehen.
***
"Ja," flüstert Zoraklea mit einem kleinen Kloß im Hals. Jetzt wo der Abschied naht, spürt sie plötzlich, wie sehr sie Yashima vermissen wird.
Yashima scheint zu spüren, wie dem Mädchen zu Mute ist. Sie nimmt sie in den Arm und drückt sie sanft an sich.
"Behalte mich einfach in deinem Herzen, dann wirst Du mich nicht vergessen und der Abschied wird Dir leichter fallen. Und damit dir das leichter fällt werde ich Dir noch ein Geschenk mache, wenn du es annehmen möchtest."
Sie führt Zoraklea zum Bett und drückt sie auf die Kante, und setzt sich auch daneben.
"Du hast schon einige der Gebräuche aus meinem Heimatland kennengelernt, und vielleicht weißt Du ja auch schon, wie dort die vollständigen Namen der Töchter lauten und zustande kommen. In Anlehnung daran möchte ich Dir Deinen zukünftigen Künstlernamen schenken: Als meine Tochter im Herzen nenne ich Dich jetzt 'Zoraklea saba Yashima', und ich würde mich freuen, wenn Du diesen Namen verwenden wolltest."
Tief schaut sie Zoraklea in die Augen, in diese großen seltsamen Elfenaugen, die sie wie zwei - gerade etwas sehr feuchte - tiefe Seen anblicken, in denen man glaubt versinken zu können, wenn man sich nur treiben lassen wollte.
"Magst Du?"
"Ja, danke..." Gerührt schaut Zoraklea zu Boden. "Ich habe leider kein Geschenk für Dich... Doch, warte! Darf ich?"
Mit einer flinken fließenden Bewegung zieht sie ihrer Meisterin einen winzigen scharf geschliffenen Dolch aus deren Stiefel, noch bevor Yashima diesen zur Seite ziehen könnte, und löst rasch mit der anderen Hand eine Locke aus ihrer Haartracht. Mit einer schnellen Handbewegung ist die Strähne abgetrennt.
'Und immer noch verblüfft mich ihre unglaubliche Beweglichkeit...'
Überrascht blickt sie auf Zorakleas Handfläche, auf der sich nun die rote Strähne ringelt.
"Hier... als Erinnerung an mich, damit auch Du mich nicht vergessen mußt!" sagt ihre Schülerin.
NORDSTERN - Oberdeck: Rückkehr der Druidin - Joanna
Die Druidin sieht, den schrillen Aufschrei der Dame noch in den Ohren, wie sich deren Gesicht ärgerlich verzieht. Joanna knickt mit einem Fuß ein, stürzt und schlägt auf den Boden. So verärgert das Gesicht der angerempelten Dame auch war, so besorgt ist jetzt auch der Blick den sie Joanna zuwirft. Sie bemüht sich wieder auf die Beine zu kommen, wobei die entgegengestreckte Hand sehr hilfreich ist. Eine Welle von Schwäche steigt von ihren Knien auf, wird fast zur Übelkeit. Das hätte ihr gerade gefehlt, angerempelt und auf der Straße liegen, eine gaffende Menge und das Schiff verpassen. Nach zwei taumeligen Schritten hat sie nun wieder Kontrolle über ihren Körper, und der Zusammenstoß ist schnell vergessen. Sie darf jetzt nicht schwach werden, nur weiterlaufen, weiterlaufen zwischen den vielen auf der hellen Straße. Langsam lässt das Klopfen im Hals nach. Unzählige Menschen gehen an ihr vorbei, kommen ihr entgegen. Einem Platzregen von Gesichtern ausgesetzt achtet sie darauf, dass sie sie nicht streifen. Joanna strengt sich an, den Schritt der vielen anzunehmen, mit zu schwimmen in dem Strom. Stimmen, abgerissene Gesprächsfetzen schlagen an ihr Ohr. Die Druidin biegt in eine Seitenstraße ein, der Menschenstrom wird dünner. Noch ein paar Abbiegungen und die Rinnsale lösen sich auf, zerfallen in einzelne Gestalten, einzelne Schritte.
Der Wind bringt einen Lufthauch vom Hafen her und die Menschenmasse beginnt sich wieder zu verdichten. Groß und mächtig liegt die NORDSTERN vor Joanna.
'Soll ich es nun wirklich wagen?'
Sie schließt die Augen, sammelt ihre Kräfte und als sie die letzten Schritte auf das Schiff, über die Planke macht, öffnet sie diese wieder. Unsicher blickt sie sich um.
Der Ruf des Kapitäns nach dem Matrosen ist kaum verklungen, als jemand die Planke betritt, die auf das Schiff führt. Fast ein wenig überrascht stellt Jergan fest, dass es niemand anders als Joanna ist, die sich ja eigentlich mit dem anderen Druiden zusammen verabschiedet hat und von Bord gegangen ist. Oder hat sie etwas vergessen?
Während der wenigen Augenblicke, in denen Jergan zwischen einer Frage in ihrer Richtung und einer Erklärung in Richtung der beiden Frauen schwankt, kommt schon die nächste unbekannte Person, ein nicht mehr ganz junger Mann, der zumindest wichtig aussieht, an Bord der Karavelle.
Jergan sieht sich damit von einem Moment zum nächsten mit einem regelrechten Ansturm konfrontiert, aber ist das nicht immer so - nach einer langen Phase der Ruhe kommt alles auf einmal.
Er wendet sich jedoch erst einmal noch nicht von den beiden Frauen ab, denn Höflichkeit ist wichtiger als Eile, und zudem etwas, das jeder verstehen wird.
Die Nervosität steht Joanna sichtlich ins Gesicht geschrieben. Ihre ansonsten so schüchterne Art macht sich auch jetzt wieder bemerkbar. Ganz hin und hergerissen will sie einerseits zum Kapitän hingehen, andererseits auch abwarten bis sie angesprochen wird. Am liebsten jedoch würde sie wieder das Schiff verlassen und sich einfach in der Abgeschiedenheit eines Waldes verkriechen, wo sie sich heimisch und geborgen fühlt. Keine Regeln einhalten zu müssen oder auf andere Leute Acht geben.
'Willst du jetzt so schnell wie möglich zurück oder nicht? Reiß dich zusammen!', befiehlt sie sicht selbst, doch so recht gelingt es ihr nicht. Die Druidin kommt sich ziemlich hilflos vor und blickt Jergan Efferdstreu an.
'Soll ich jetzt einfach fragen?'
Angar hat seinen Befehl erhalten, dass er diesen ausführen wird, steht für den Kapitän der NORDSTERN vollkommen ausser Frage, also verfolgt er die Handlungen des Matrosen gar nicht weiter.
Die Druidin tritt derweil an ihn heran, und aus ihrem Gesicht spricht regelrecht, dass sie eine Frage hat - fast schon hilflos spricht das daraus. So wird das Gesicht des Kapitäns gleich deutlich freundlicher, als es das beim Befehl an den Matrosen war, und ruhig sagt er:
"EFFerd zum Grusse, und willkommen zurück an Bord der NORDSTERN."
Er zögert, doch da er es für wahrscheinlich hält, dass sie nur gekommen ist, um etwas vergessenes abzuholen, fährt er gleich fort, solange Angar noch in der Nähe ist:
"Habt Ihr etwas in der Kabine liegen gelassen?"
Die Freundlichkeit des Kapitäns bringt Joanna dazu ihre Nervosität ganz beiseite zu legen. Sie schenkt ihm ein schüchternes Lächeln.
'Etwas in der Kabine vergessen?'
Die Druidin ist etwas verwirrt.
'Habe ich das etwa? Nein, ich denke nicht. Oder?'
Ganz sicher ist sie sich nicht, nimmt dies aber im Moment gelassen und setzt fort.
"Ähh, nein!?"
Joanna überlegt kurz.
"Ich hatte eigentlich vor ab hier landeinwärts zu reisen, doch die Umstände haben es anders ergeben. So würde ich gerne die Reise auf Eurem Schiff fortsetzen, insofern noch genügend Platz ist."
Sie versucht sich an die Preise zu erinnern.
"Genügend Geld habe ich dabei, also soll es daran nicht scheitern."
Ihre schwarzen Augen strahlen ihm entgegen.
Der Kapitän lächelt die Druidin an, etwas anderes ist bei diesem Strahlen in den Augen auch kaum möglich. Zudem hat sie es geschafft, ihn mit ihrem Anliegen zu überraschen, denn bislang sind alle, die noch einmal an Bord gekommen sind, nachdem sie das Schiff verlassen haben, nur gekommen, um vergessene Gegenstände zu holen. So jedoch...
"Das ist kein Problem, wir haben noch genügend Platz in der Gemeinschaftskabine."
'Sollten wir jedenfalls', geht ihm durch den Kopf, während er sich vornimmt, die diesbezügliche Liste bald einmal zu aktualisieren.
"Wie weit wollt Ihr denn mitfahren - bis nach Brabak wäre das Südlichste, das möglich ist."
Seine Augen schweifen dabei auch wieder zu den anderen hinüber, und insbesondere zu dem Herren, der als letzter an Bord gekommen ist.
Gerade fällt Joanna ein, dass sie in ihrer Aufregung ganz vergessen hat zu grüßen und ihr Gesicht bekommt eine leicht rötliche Farbe. Einfach so ihr Anliegen heraus zu posaunen ist nicht gerade die höfliche Art. Sie verlagert ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen, kaut an ihrer Lippe und blickt sich um. Erst jetzt realisiert die Druidin so richtig die anderen Leute die um sie herum stehen.
'Habe ich mich jetzt vielleicht auch noch vorgedrängt?'
"Das ist schön!"
Obwohl sie sich nicht gerade freut wieder in die Gemeinschaftskabine zu ziehen ist sie doch froh darüber an einem Ort zu sein, den sie wenigstens kennt.
'Brabak?'
"Hmmm..."
Viel sagt ihr das nicht.
'Wenn dies das südlichste ist kann es von dort nicht mehr sehr weit sein.'
Joanna räuspert sich und setzt fort:
"Ja, warum eigentlich nicht!?"
NORDSTERN - Oberdeck: Besichtigung der Kabine - Angar und Shuhelia
Mit einem kaum hörbaren "Jo" wird der Befehl bestätigt. Dann dreht sich Angar zu den beiden Frauen um und spricht diese an:
"Ich zeig Euch dann die Kabine", dabei weist er mit einer Hand in Richtung des hinteren Niederganges.
Die letzten Sekunden sind an Shuhelia vorbei gezogen, ohne, dass sie irgend etwas wahrgenommen hat. Als ob ihr Fenster zur Außenwelt zugeschlagen sei.
Aha, ein Mann in einer Art Uniform und eine Frau in wildnisfähiger Kleidung sind auf das Schiff gekommen. Ein Matrose wird sie zu den Schlafplätzen führen, der Kapitän unterhält sich mit der Neuen, die er anscheinend kennt und Amalthea wird ihr Gepäck abholen lassen.
Erwartungsvoll dreht sie sich zu dem Matrosen um, bereit, mit der Besichtigung anzufangen.
Sich vor dem führenden Matrosen in den schmalen und sanft schwankenden Durchgang zu begeben gehört nicht zu Shuhelias geheimsten Wünschen. Amalthea scheint da schneller entschlossen zu sein, sie ist schon vorausgegangen. Shuhelia aber wird warten, bis der Bursche sich wieder in Bewegung gesetzt hat und HINTER ihm ins Schiffsinnere gehen.
Da ist der Auftrag kaum bei Angar angekommen, da flitzt die eine Frau schon wie vom Difar gestochen - so kommt es Angar jedenfalls vor - den Niedergang hinab.
´Mist, nu rennt die auch noch voraus ...´
Etwas träge setzt sich der Matrose in Bewegung und geht zum hinteren Niedergang, er dreht sich noch einmal kurz um, um zu sehen, ob die Frau ihm auch folgt, dann steigt er die Stufen hinab.
´Achja, is ja ne Landratte ...´
"Achtung, geht steil runter hier", warnt er die Passagierin.
Als der Matrose sich in Bewegung setzt, strafft auch Shuhelia ihre Gestalt wieder und geht mit wiegendem Schritt hinter ihm her.
'Blind bin ich nicht, ich sehe selbst, dass dort eine Treppe ist!'
Dann folgt sie ihm auf den Stufen, sich mit den Händen leicht abstützend.
NORDSTERN - Oberdeck: Rückkehr der Druidin - Jergan und Joanna
Der Matrose nimmt sich der ihm anvertrauten Fahrgäste an - das ist gut, wenn auch selbstverständlich und vom Kapitän nicht anders erwartet. Angar ist nun mal einfach noch nicht lange genug auf der NORDSTERN, als dass der Kapitän persönlich um dessen Eigenarten in Hinblick auf zu erledigende Arbeiten weiß.
Der wichtig aussehende Mann, der auf das Schiff gekommen ist, wartet höflich, was der Kapitän mit einem Nicken in dessen Richtung quittiert, und hinzufügt:
"EFFerd zum Gruße, und seid willkommen an Bord der NORDSTERN! Ich habe gleich Zeit für Euch."
Mit einer verzeihenden Geste wendet er sich dann wieder der Druidin zu, die ihre Reisewünsche ausspricht.
"Kein Problem", erwidert Jergan, "das macht dann..."
Er überschlägt es im Kopf.
"Das sind ungefähr eintausend und achthundert Meilen, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger, denn so genau wissen wir die Route noch nicht. Für die Gemeinschaftskabine würde Euch das sieben Dukaten kosten."
Wie üblich rundet er dabei den Betrag von zweiundsiebzig Silber ein wenig zu Joannas Gunsten, ohne das weiter zu erwähnen - ein guter und ehrlicher Geschäftsmann hat derlei auch nicht nötig. Wenn der Kunde, oder in dem Fall die Kundin, das nachrechnet, wird sie es bemerken und würdigen können, auf jeden Fall aber wird niemand angesichts solcher Rechnungen der NORDSTERN Wucherei oder Geldmacherei vorwerfen können.
'Warum müssen sie jetzt alle auf einmal kommen... erst bin ich hier stundenlang alleine auf dem Deck, nun gleich vier auf einmal!'
Jergan Efferdstreu bemüht sich recht erfolgreich, diese Gedanken ganz für sich zu behalten, und kein wenig nach außen sichtbar werden zu lassen, auch wenn er innerlich schon ein wenig unruhig ist, weil solch eine "Massenabfertigung" nicht wirklich die Möglichkeit lässt, sich jedem einzelnen angemessen zuzuwenden.
Schätzen war noch nie Joannas Stärke, und schon gar nicht rechnen. Ganz anders ist es da mit ihrer Menschenkenntnis. Und dass Jergan Efferdstreu die Passagiere ausnehmen möchte, kann sie sich ganz und gar nicht vorstellen. So nimmt sie den Geldbeutel aus dem Lederrucksack und sucht den genannten Betrag heraus.
"PLING"
Ein Geldstück macht sich selbständig, rollt ein Stück am Boden entlang um schließlich glänzend liegenzubleiben. Die Druidin bückt sich um die heruntergefallene Dukate aufzuheben. Beinahe triumphierend überreicht sie Jergan die sieben Dukaten und mustert ihn, als sich ihre Hände berühren. Irgend etwas an ihm, vielleicht seine Ausstrahlung oder auch nur der Ausdruck seiner Augen, bewundert sie.
"Ich hoffe doch, dass wir irgendwann noch einmal die Zeit finden um uns zu unterhalten. Es gäbe da noch einiges, das mich ..."
Joanna überlegt kurz, wie sie es formulieren könnte.
"...interessieren würde. Doch im Moment..."
Die junge Frau wirft einen Blick zu dem neu hinzugekommenen Mann hinüber.
"...ist es wohl nicht der rechte Augenblick." Im Falle, dass er noch etwas hinzufügen möchte wartet sie und blickt ihn hoffnungsvoll an.
Der Kapitän reagiert zu langsam, um die der Druidin entfallene Dukate aufzufangen, und er ist auch zu langsam, als es darum geht, diese wieder aufzuheben. Das hängt jedoch nicht mit der Ausstrahlung der jungen Frau zusammen, die zweifellos vorhanden ist, sondern einfach damit, dass er in Gedanken mit der Verteilung von Schiffskabinen und Kojen beschäftigt ist - und damit, wer wie lange an Bord bleibt und welches Ziel hat.
"Verzeiht", sagt er darum nur sehr leise, und nimmt das Geld entgegen, ohne der kurzen Berührung der Hände etwas beizumessen.
"Das ist leider wahr, im Moment scheinen sich sehr viele gleichzeitig dazu zu entscheiden, auf unserem schönen Schiff mitzufahren. Seid Euch aber gewiss - es wird Gelegenheiten zum Plaudern geben, und bestimmt mehr als eine, denn bis Brabak ist es in der Tat noch ziemlich weit, und ich werde so manche Wache am Steuer stehen oder auch einfach so Zeit haben."
Er sieht Joanna während dieser Worte höflich an, und fügt dann noch hinzu, während sich auf seinem Gesicht ein Lächeln breitmacht:
"Das ist ja auch einer der Vorteile eines Schiffes - niemand ist weiter weg als knapp zwei Dutzend Schritt."
Erst jetzt lässt er die sieben Dukaten in dem kleinen Geldbeutel verschwinden, dessen Gewicht in den letzten Minuten ordentlich zugenommen hat - und das vielleicht auch weiter tun wird, wie die Anwesenheit des geduldig wartenden Herren zeigt.
'Dann wäre ja alles geklärt!?"
Auf dem Gesicht der braunhaarigen Druidin spiegelt sich das Lächeln des Kapitäns wider, während ihr nochmal seine Worte durch den Kopf gehen.
'Niemand ist weiter weg als knapp zwei Dutzend Schritt. Vorteil?'
Innerlich lacht Joanna auf. Nicht nur einmal wäre sie am liebsten einer Person und den damit verbundenen Problemen aus dem Weg gegangen. Und hier an Bord kann das ganz schön unangenehm werden, insbesondere wenn man die Gemeinschaftskabine miteinander teilen muss.
"Gut, ich freue mich schon."
Irgendwie erstaunt über den neugewonnen Mut wendet sich ab um den wartenden Mann nicht länger aufzuhalten. Noch ein nicken zum Kapitäns und sie macht einige Schritte, Schritte in Richtung Freiheit? Wer weiß das schon so genau? Innerlich schreit es aus Joanna heraus.
'Freiiiiiiheiiiiiit!.....Ich komme....:!'
Sie genießt den Windhauch, der ihr entgegen weht.
NORDSTERN - Oberdeck: Im Auftrag der 'Meisterin' - Jergan und Khalid
Zufrieden beobachtet Kalid, wie der Matrose zwei Frauen unter deck eskortiert und der Kapitän nach und nach den Ansturm der Frauen abfertigt.
'Nur gut, das die Meisterin nicht selbst hergekommen ist, womöglich noch mit Zoraklea an der Hand. Eine solche Herde Weiber, die alle gleichzeitig einen Mann bedrängen, kann selbst den besonnensten Burschen aus der Haltung werfen...'
Weiterhin beschränkt sich Kalid darauf, an der Reling zu stehen und geduldig auf seinen Moment zu warten, schließlich hat er ja einiges mit dem Kapitän zu besprechen.
Der Kapitän der NORDSTERN blickt der Druidin noch kurz nach, dann wendet er sich dem Mann zu, der höflich ein wenig entfernt wartet. Jergan geht die wenigen Schritte, die ihn von diesem trennen, und sagt nach einer knappen Verbeugung:
"Seid noch einmal willkommen an Bord der NORDSTERN. Mein Name ist Jergan Efferdstreu, Kapitän. Was kann ich für Euch tun?"
'Ah, nun scheint es soweit zu sein, der Kapitän kommt auf mich zu.'
Jetzt hat Kalid doch wirklich ein bißchen vor sich hingeträumt, etwas daß im Dienst wirklich außerordentlich selten vorkommt. Schnell stellt er sich gerade auf und beginnt, sein Anliegen zu erläutern.
"Herr Kapitän, es ist mir eine Freude! Ich bin der Verwalter der hiesigen Havenischen Tanzakademie der Yashima von Fasar, mein Name ist Kalid."
Ohne weiter zu zögern ergreift er die Hand des Kapitäns und schüttelt diese kurz. Dann fährt er fort.
"Meisterin Yashima hat mich geschickt, eine Passage zu buchen für eine junge Dame, die sich in ihrer Obhut befindet. Die Dame stammt von der Insel Hylailos und ich möchte dem entsprechend eine Einzelkabine bis nach Rethis buchen. Ich hoffe, Eure Reiseroute führt Euch über die Inseln? Mir wurde nur gesagt, daß Ihr in den nächsten Tagen weiter nach Süden segeln werdet, sogar über die Zyklopeninseln hinaus."
Das Händeschütteln erwidert der Kapitän sogleich, denn auch in seinen Kreisen ist diese Art der Begrüssung nicht ganz ungebräuchlich, auch wenn es längst nicht alle tun, die auf das Schiff kommen.
"Das wurde Euch richtig gesagt, unsere Reiseroute führt in den Süden. Genaugenommen sogar sehr weit in den Süden, denn die NORDSTERN wird bis Brabak fahren. Die Zyklopeninseln sind bislang allerdings kein Reiseziel dieses Schiffes."
Ein leichtes Schulterzucken begleitet diese Worte, während der Kapitän beim Sprechen überlegt, wie er die zweite nicht so gute Nachricht unterbringen kann.
"Aber von Drol oder Neetha aus sollte es sehr leicht sein, eine Überfahrt nach Hylailos zu finden, und es ist auch nicht ganz ausgeschlossen, dass wir unsere Route ein wenig ändern, wenn Bedarf besteht. Jedoch... es gibt noch ein Problem mit eurem Wunsch - wir haben im Moment nämlich keine freie Einzelkabine."
"Hmm. Keine Einzelkabine... Ja natürlich, das ist ja gar nicht so unwahrscheinlich. Also gut, ein Platz in einer Doppelkabine wird es notfalls auch tun. Allerdings muß ich darauf bestehen, daß der zweite Platz dieser Kabine nur an weibliche Mitreisende vergeben wird."
Freundlich und bestimmt schaut Kalid dem Kapitän in die Augen.
"Es ist nicht so, daß ich nicht Verständnis für die wahrscheinlich beengten Bordverhältnisse habe. Jedoch ist Meisterin Yashima ausgesprochen bestimmt gewesen, was gewisse Umstände der Unterbringung angeht, versteht Ihr? Da wir schon bei der Unterbringung sind, Ich möchte Euch bitten, darauf zu achten, daß die junge Dame nicht in schlechten Umgang gerät, wenn das Schiff zwischendurch in anderen Häfen anlegt, jedenfalls soweit Euch das möglich ist."
Kurz überlegt Kalid, wie er den Kapitän am besten dazu bekommt, die Zyklopeninseln vielleicht doch direkt anzulaufen. 'Immerhin hat er ja nicht gleich völlig ausgeschlossen, dorthin zu fahren. und, nun, dieses Schiff fährt, um Gewinn zu bringen, andererseits mag es manchmal ausreichen, keine Verluste zu erwirtschaften.'
"Kapitän Efferdstreu... Ich habe folgendes Problem. Die junge Dame muß auf die Zyklopeninseln und Ihr seid der Kapitän des einzigen Schiffes, das in den nächsten Tagen direkt dort hinfahren könnte. Auf Rethis wird die Dame erwartet, aber weder in Neetha noch in Drol. Und auch wenn es wahrscheinlich ist, daß es dort ein Schiff gibt, so ist es nicht sicher; geschweige denn, daß die Dame sicher auf dieses Schiff findet. Darum bin ich befugt, Ihnen zusätzlich zum regulären Fahrpreis eine Prämie anzubieten, dafür, daß Ihr Rethis anlauft."
Wieder bleibt dem Kapitän nichts anderes übrig, als entschuldigend mit den Schultern zu zucken.
"Es tut mir leid, aber auch unsere Doppelkabinen sind beide im Moment voll belegt - das kann sich natürlich bis zu den Zyklopeninseln noch ändern. Wir haben eine Gemeinschaftskabine, in der im Moment auch andere Damen untergebracht sind - unter anderem eine Geweihte der schönen Göttin und eine der beiden Damen, die Ihr gerade im Gespräch mit mir gesehen habt."
Erwartungsvoll blickt Jergan sein Gegenüber an, während er über Kurse nachdenkt, auf denen das Schiff ohne große Umwege auch Rethis anlaufen kann. Im Grunde ist es wirklich nicht weit, und angesichts der Tatsache, dass die Frage der Unterkunft nicht so lösbar ist, wie es gewünscht ist, wäre es kein zu großes Entgegenkommen.
'Aber erst einmal sehen, ob es überhaupt geht, ehe wir über den Kurs reden.'
So bleiben diese Überlegungen erst einmal unausgesprochen.
"Bis zu den Zyklopeninseln?"
Kalid zeigt sich erfreut.
"Darf ich Eurer Bemerkung entnehmen, daß Ihr doch bereit seid, die Inselgruppe anzulaufen? In diesem Fall werde ich auf jeden Fall verbindlich einen Kabinenplatz anmieten. Das wäre wirklich ein hervorragendes Entgegenkommen."
Kalid greift in ein längliches, aus schwarzem Rindleder gegerbtes Lederetui, das er an seinem Gürtel trägt. Ihm entnimmt er ein schmales, kunstvoll mit knöchernen Einlegearbeiten verziertes schwarzes Lackkästchen. Das Motiv besteht aus nur zwei feinen Linien und zeigt dennoch klar erkennbar eine hohe Bergkette, deren höchste Spitzen in den Wolken verschwinden. Das Kästchen ist eine wahrlich meisterliche Handwerksarbeit und sicherlich ein kleines Vermögen wert. Vorerst behält Kalid es allerdings nur in der Hand, es sind ja noch einige Dinge zu klären.
"Und was die Unterbringung anbelangt..."
Nachdenklich macht Kalid einige Schritte auf dem Deck hin und zurück, während dessen er verschiedene Möglichkeiten erwägt. Allerdings gibt es da nur eine, die den Vorgaben der Meisterin Yashima entspricht. Und Kalid wäre nicht Kalid, wenn er nicht immer im Sinne seiner Herrin, und man könnte auch sagen, im Sinne seiner guten Freundin handeln würde.
"Nun, Kapitän, die Geweihte scheint durchaus eine geeignete Kabinengefährtin werden zu können. Vielleicht ist ja sie, oder auch eine der anderen Damen bereit, mit der Dame Zoraklea eine Doppelkabine zu teilen. Ihr als Kapitän solltet doch ein entsprechendes Arrangement ohne Probleme treffen können, bestimmt werden die betroffenen Mitreisenden Verständnis zeigen."
Davon überzeugt, das dies wirklich so ist, betrachtet Kalid dieses Problem an sich nicht als Problem, einzig, es gilt den Kapitän zu überzeugen.
"Haltet Ihr das für möglich?"
Zufrieden mit den Möglichkeiten, die der Kapitän gerade hat durchblicken lassen, schaut er ihm erwartungsvoll ins Gesicht.
"Nun", erwidert der Kapitän, während seine Augen Kalid mustern, was sie auch während dessen Umhergehens getan hatten, "das ist etwas, das ich nicht versprechen kann. Wenn jemand eine Kabine mietet und bezahlt, dann ist das etwas, das ihm zusteht, das ich ihm gewissermaßen zugesichert hätte. Ich hätte ein sehr schlechtes Gefühl dabei, sie ihm dann wieder abzunehmen."
Er hält kurz inne, um die Worte zu sortieren.
"Stellt Euch nur vor, im nächsten Hafen kommt dann jemand, der mich bittet, mit Euer Herrin ein entsprechendes Arrangement zu treffen. Wenn ich es jetzt tun würde, was wäre dann die Sicherheit, dass ich es dann nicht wieder tun würde? An der Stelle möchte ich einfach nur ganz offen und ehrlich zu Euch sein. Und da ist die Gemeinschaftskabine das, was ich Euch anbieten kann, ohne ein gegebenes Versprechen oder einen abgeschlossenen Handel zu brechen. Und dazu die Zusage, dass Eure Herrin die nächste freie Kabine erhält, und bis dahin in der Gemeinschaftskabine reist, wo sie, wie ich bereits sagte, in guter Gesellschaft reist."
Ehrlich blickt Jergan sein Gegenüber an, während er in Gedanken weiter nach Alternativen sucht, diesen Wunsch zu erfüllen, ohne bereits gegebenes Wort zu brechen.
"Was die Zyklopeninseln betrifft, so ist das nicht alleine meine Entscheidung, auch wenn ich dabei ein gewichtiges Wort mitzureden habe, und insbesondere angesichts dieser für mich peinlichen Situation mit der fehlenden Kabine werde ich das ganz sicher zu Gunsten Euer Herrin einlegen, wenn Ihr das wünscht."
Ganz dunkel erinnert sich Jergan daran, dass die Augen der ersten Offizierin bei irgend einer Erwähnung der Zyklopeninseln begeistert geleuchtet hatten - sie würde bestimmt nicht zum Hindernis werden. Und Ottam... was hatte der schon in nautischen Dingen zu sagen?
Zögerlich antwortet Kalid dem Kapitän, dabei denkt er daran, daß die angebotenen Bedingungen eigentlich nicht das sind, was er sich vorgestellt hatte.
"Nun, Kapitän, dann bleibt mir wohl nur, den Platz in der Gemeinschaftskabine zu akzeptieren, auch wenn ich nicht ganz glücklich damit bin. Nun, aber da Ihr als Kapitän immerhin zusagt, den nächsten freien Platz einer Doppel- oder besser noch Einzelkabine der jungen Dame Zoraklea zu übergeben, scheint Euer Angebot doch das beste zu sein, das ich unter den gegebenen Umständen erhalten kann.
Die junge Dame ist übrigens nicht meine Herrin, vielmehr - man könnte sagen... das Mündel meiner Herrin."
Damit wäre zumindest der eine Teil der Verhandlungen fast abgeschlossen. Nun muß Kalid nur noch die Routenplanung zu einem zufriedenstellenden Ende bringen. Jetzt erlaubt sich Kalid doch ein leichtes Lächeln.
"Kapitän Efferdstreu, kann ich denn damit rechnen, daß Ihr die Entscheidung über die Wahl der Reiseroute noch vor Eurem Auslaufen aus Havena treffen werdet? Und wann wird dies sein, wann sollen die Passagiere an Bord kommen? Ihr werdet verstehen, daß meine Herrin diese Informationen benötigt, um in dem Falle, daß Ihr die Inseln nicht direkt anlaufen werdet, Vorbereitungen für eine sichere Weiterreise treffen zu können. Oder habt Ihr vielleicht selbst eine Idee, wie eine sichere Weiterreise von beispielsweise Neetha aus gewährleistet sein könnte?"
'Das muß er doch verstehen, daß wir einfach sicher sein müssen, daß Zoraklea unbeschadet in Rethis ankommt.'
Der Kapitän überlegt kurz, ehe er den Mund wieder öffnet. Einerseits ist Rethis keine grosse und zeitraubende Kursänderung, andererseits sind Kursänderungen etwas, das gut bedacht werden muss. Und auf der wieder anderen Seite versteht er Kalid sehr wohl mit seinen Bedenken über die Sicherheit der Reise der ihm Anvertrauten.
Wie wäre es denn...
Ganz plötzlich erhellt ein Lächeln das Gesicht des Kapitäns, als ihm ein Gedanke kommt:
"Versteht bitte, dass ich jetzt nicht entscheiden kann und möchte, wie unser Kurs aussieht. Da spielen einfach zu viele unbekannte Größen herein, nicht nur menschlicher Natur, auch das Wetter kann uns leicht einen Strich durch die Rechnung machen. Aber - von Neetha oder Drol aus sollte es sehr leicht sein, sicher nach Rethis zu kommen. Wie wäre es denn, wenn ich Euch mein Ehrenwort als Kapitän dieser Karavelle gebe, dass ich dafür sorge, dass das Mündel Euer Herrin Rethis sicher erreicht? Entweder an Bord dieses Schiffes, oder ab Neetha oder Drol dann an Bord eines zuverlässigen Schiffes - in dem Fall würde ich mich darum kümmern, das Schiff aussuchen und mit dem Kapitän verhandeln. In dem Fall wäre es nicht nötig, die Entscheidung über den Kurs schnell zu treffen, und ihr habt die gewünschte Sicherheit auch für den Fall, dass das Wetter uns das Anlaufen von Rethis unmöglich macht. Ansonsten ist nämlich nicht mehr so sehr viel Zeit, die NORDSTERN wird übermorgen mit der Morgenflut auslaufen - das ist etwa zwischen der achten und neunten Stunde des Tages. Es wäre in dem Fall also gut, wenn die Dame morgen abend an Bord kommen würde."
Er hält inne, als ihm bewusst wird, dass er im Grunde viel zu viel gesagt hat, denn all die Informationen über die Abfahrt sind ja irrelevant, wenn die Dame gar nicht an Bord kommen wird.
"Aber... ehe ich Euch weiter mit Informationen überschütte - wäre dieser mein Vorschlag für Euch annehmbar?"
Ein erfreutes Lächeln geht über Kalids Gesicht als er den Vorschlag des Kapitäns hört.
'Wunderbar, das ist ja genau das, was ich erhofft hatte. Aber es ist schon besser, er kommt von alleine drauf, als daß ich es vorschlage.'
"Ausgezeichnet, wirklich ganz ausgezeichnet, Euer Vorschlag. Diese Vorgehensweise gewährleistet in jedem Fall eine sichere Passage bis nach Rethis. Ich danke Euch für Euer freundliches Angebot!"
Kalid unterbricht sich kurz und öffnet nun das Kästchen, daß er in den letzten Minuten in der Hand gehalten hat. Er schlägt den Deckel um einen Halbbogen zurück und das leise Schnappen einer Feder ist zu hören, als er in dieser Position einrastet. An der Oberkante und zwei Finger oberhalb der Unterkante befindet sich eingelassen in das Kästchen je ein dünnes Röllchen, auf denen ein feines Papier gewickelt ist. Darauf sind mehrere fein geschriebene Worte und drei Spalten mit Zahlen zu sehen, nicht allerdings hinter der letzten Eintragung. Kalid entnimmt nun einem schmalen Fach im untersten Abschnitt der Fläche einen Federkiel und tunkt diesen in ein kleines, mit dunkler Flüssigkeit gefülltes Glaszylinderchen ein, dessen Verschlusskork sich beim Öffnen des Faches ebenfalls geöffnet hat.
"Nun, Kapitän, wenn ihr mir dann bitte den Fahrpreis für die gesamte Strecke nennen wollt, bitte inklusive des möglichen Umweges über Neetha, den Kosten für die weiterführende Passage sowie einer Entschädigung für den Aufwand, in den Zwischenhäfen auf die Sicherheit der Dame zu achten - das geht doch?"
Mit offenem Blick freundlich bittend sieht Kalid den Kapitän bei den letzten Worten an, dann fügt er noch hinzu:
"Vielleicht könnt Ihr ja einem verläßlichen Matrosen diesen Auftrag geben, auch er sollte einige Silberlinge für die entgangene Freizeit von mir erhalten."
Noch einmal zögert Kalid einen Augenblick, dann erklärt er dem Kapitän leise.
"Wisst Ihr, die junge Dame ist wirklich etwas ganz besonderes. Wenn Ihr sie kennengelernt habt, werdet Ihr das bestimmt selbst feststellen. Es würde meiner Herrin schier das Herz zerreißen, wenn ihr etwas geschähe..."
So weich wie Kalids Gesichtszüge bei den Gedanken an Zoraklea aussehen könnte man fast meinen, daß es nicht nur seiner Herrin das Herz zerreißen würde, sollte ihr etwas ernstes zustoßen.
Sicherungsaufgaben sind zwar nicht das übliche Geschäft des Schiffes und seiner Besatzung, aber derlei lässt sich sicher einrichten, insbesondere, wenn für die betroffenen Seeleute dabei eine Extraprämie herausspringt.
"Die reine Wegstrecke dürfte bei etwa eintausend Meilen liegen, wobei ich das nicht sehr viel genauer sagen kann, weil ja noch recht unklar ist, wie wir genau fahren werden. Wenn wir Rethis direkt anlaufen, und Neetha oder Drol erst danach, dann ist das deutlich kürzer, als wenn wir es umgekehrt tun. Aber...
ich rechne jetzt einmal mit dieser Strecke. In der Gemeinschaftskabine kostet das dann vier Dukaten, in einer Doppelkabine derer acht. Für die Sicherheit der Dame... das kann ich schlecht kalkulieren, da das einfach nicht unser Gewerbe ist, und es ja auch noch unklar ist, wie viele Häfen wir anlaufen werden, bis wir Rethis erreichen. Ich denke aber, dass so fünf weitere Dukaten angemessen wären - dafür werden unsere Matrosen sicher acht geben. Diese Summe könnt Ihr natürlich beliebig variieren - ich werde dafür sorgen, dass sie vollständig an die geht, die auf die Dame aufpassen. Was meint Ihr?"
Fragend blickt der Kapitän seinen Verhandlungspartner an, während er in Gedanken schon die Matrosen durchgeht, die als zuverlässig in Frage kommen würden für solch eine Zusatzaufgabe.
Zustimmend nickt Kalid zu den Ausführungen des Kapitäns. Die Feder schwebt nun über die leere Stelle hinter der letzten Eintragung, verharrt kurz...
'Vier Dukaten... Also acht, da ja hoffentlich eine Doppelkabine frei werden wird, fünf für das Aufpassen... Angesichts der Unwägbarkeiten kommt mir das recht günstig vor. Allerdings sind ja Matrosen, wenn auch für unsere Belange absolut ausreichend, so doch weit unerfahrener als ein professioneller Begleitschutz, wie zum Beispiel die Söldner des Abu-Dschebel-Karawanenschutzes in Fasar. Die haben allerdings auch pro Mann und Tag stolze zwei Dukaten gekostet. Die sie aber auch Wert waren, wenn ich an all das Raubgesindel außerhalb jener Stadt denke!
Das wären dann dreizehn Dukaten - nein, das geht nicht, TRAvia und HESinde bewahre mich!
Mal sehen, ich werde für das freundliche Entgegenkommen um zwei Dukaten für den Kapitän persönlich aufstocken, Anstand soll sich ab und an eben auch auszahlen. Weitere fünf Dukaten für unvorhergesehene Sonderkosten, sollte er sie nicht benötigen werden sie auch nicht vergeben sein, und das Rad ist rund.'
...und trägt dann mit kleinem Schwung eine feine '20 D' ein.
"Dann macht das zusammen fünfzehn Dukaten, zwei davon für Euch persönlich. Ich habe um weitere fünf aufgestockt, verwendet sie, um bei Bedarf unvorhergesehene Ausgaben decken zu können. Sollte dies nicht notwendig geworden sein, so wollen wir den Göttern danken und diese Summe Ihren Tempeln überantworten. Ich überlasse dabei Eurer Weisheit die Verteilung, empfehle jedoch, EFFerd, TRAvia, HESinde und TSA in die engere Auswahl einzubeziehen."
Kalid wirft dem Kapitän einen kurzen freundlichen Blick zu, dann greift er wieder in seine Weste, aus der er ein schweres Säckchen aus (schwarzem) Samt holt. Er legt es auf sein aufgeschlagenes Schreibkästchen und öffnet es. In seinem Inneren kommen neben vielen Silbermünzen mehrere Dukaten und zwei satt glänzende Kusliker Räder zum Vorschein, von denen er eines nimmt und dem Kapitän reicht.
"Bitte sehr."
Dann schließt er denn Beutel wieder und verstaut ihn sorgfältig im Innern der Weste. Anschließend taucht er erneut den Federkiel in die Tinte und dreht das Kästchen zum Kapitän hin.
"Wenn Ihr noch so freundlich sein wollt und den Empfang mit Eurem Zeichen bestätigen wollt. Hier."
Er deutet mit dem Finger auf eine leere Stelle hinter der '20 D' und hält dem Kapitän die Feder hin.
Schweigend beobachtet der Kapitän, wie Kalid nachdenkt und dann zu dem fast schon zu erwartenden Schluss kommt. Einzig eine Augenbraue Jergans hebt sich, als er die Summe vernimmt - das ist wahrlich ein fürstlicher Preis für solch eine Mitfahrt!
"Selbstverständlich werde ich mit dieser Bezahlung angemessen umgehen, und danke Euch für Euer tiefes Vertrauen."
Nach diesen Worten schreibt er sein "Jergan Efferdstreu" an die angegebene Stelle, um danach das Kusliker Rad entgegen zu nehmen.
Solcherlei Währung wird bei den Summen, die auf der NORDSTERN üblicherweise anfallen, sehr selten benutzt, so dass der Kapitän ein solches erst zweimal in seinem Leben in der Hand gehalten hat, und damit eigentlich auch bezüglich der Echtheit nicht wirklich sicher sein kann, aber das Gewicht spricht für sich - außerdem verzichtet er auf jeden Zweifel an dieser Stelle, denn alleine das Auftreten Kalids ist für ihn Zeugnis genug.
"Bitte sehr", kommentiert er seine Unterschrift, "damit wäre das klar, und ich werde die restliche Summe den genannten Tempeln zukommen lassen, wenn sie nicht benötigt wird. Was die Euch Anvertraute angeht - ich schlage vor, dass sie morgen am späten Nachmittag an Bord kommt, dann muss sie nicht zu lange warten, und kann alles in Ruhe tun, ohne den Tag zu früh beginnen zu müssen. Lässt sich das einrichten?"
Zustimmend nickt Kalid. Er läßt das Kästchen noch für einige Augenblicke geöffnet, um die Tinte trocknen zu lassen. In dieser Zeit verstaut er den Kiel sorgfältig in seinem Fach und denkt kurz über des Kapitäns Vorschlag nach.
'Da wird uns Zoraklea nicht dankbar für sein, eine Nacht länger als unbedingt nötig auf dem Schiff verbringen zu müssen. Allerdings wird der Kapitän schon seine Erfahrungen mit Passagieren gemacht haben, und vielleicht kann sie sich ja schon ein wenig an das Schiff gewöhnen.'
"Ja, nun, wenn Ihr meint, so läßt sich das natürlich einrichten." entgegnet Kalid mit einem ansatzweisen schiefen Lächeln.
"Leider hat die junge Dame eine - gewisse Abneigung gegen das offene Meer und entsprechend auch gegen Schiffe. Vielleicht sollten wir sie darum erst früh am nächsten Tag an Bord bringen, um sie nicht unnötig lange an Bord haben zu müssen, was meint ihr?"
Jetzt klappt Kalid das Lackkästchen zu, wieder ertönt dabei ein leises Schnappen. Sorgfältig verstaut er es in seinem Futteral, dann hat er wieder beide Hände frei.
Der Kapitän zuckt mit den Schultern.
"Es ist, so denke ich, für sie besser, wenn sie morgen schon an Bord kommt. Dann kann sie sich zum einen besser einrichten und auch noch Gegenstände holen, die ihr fehlen. Und, was noch wichtiger ist: Morgen ist alle Zeit der Welt, übermorgen früh ist das nicht der Fall - da müssen wir nämlich auf jeden Fall mit der Flut auslaufen."
"Nun gut, da habt ihr wohl recht. Also, ich denke, Ihr könnt damit rechnen, daß ich die Dame morgen am späteren Abend her geleiten werde. Dann muß sie nicht so lange auf das Auslaufen warten und kann den morgigen Tag noch an Land verbringen."
Kalid wendet sich bei diesen Worten kurz vom Kapitän ab und schaut in Richtung Land hinüber. Ein gemütliches Treiben am Rand des Hafens sowie das eine oder andere kleine Schiffchen sind zu sehen. Die Stimmung ist recht ruhig und friedlich.
'Ja, gibt es denn noch etwas zu besprechen? Da will mir doch wirklich nichts mehr einfallen, es sollte alles geklärt sein. Etwas früher oder später am Tag, und ich wäre mit dem Kapitän noch in die 'Meerjungfrau' gegangen, soweit ich mich erinnere gibt es dort um diese Jahreszeit immer leckeren Seewolf im Speck... So etwas ist immer eine schöne Abwechslung zu Aneskas frucht- und gemüsereicher Kost.'
Mit einem kleinen innerlichen Seufzen des Verzichtes wendet sich Kalid wieder dem Kapitän zu, um sich zu verabschieden.
"Es war mir ein Vergnügen, Euch kennengelernt zu haben. Und ich habe auch ein gutes Gefühl dabei, die Dame in Eurer Obhut zu lassen. Möge also EFFerd auf allen Euren Reisen seine schützende Hand unter Euch und Euer Schiff halten. Solltet Ihr wieder einmal in Havena weilen und auch einen Abend Zeit haben, so besucht doch die Akademie in der Silberkirschengasse. Die Meisterin Yashima und ich würden uns sehr freuen, von Eurer Fahrt berichten zu hören, und Ihr könntet Euer gewohntes Bett auch mal gegen eines vertauschen, das nicht ständig schaukelt."
Mit einem Lächeln reicht Kalid dem Kapitän seine Hand zum Abschiedsgruß.
"Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite", erwidert Jergan, "und wenn wir das nächste Mal in Havena sind, und ich mehr Zeit habe als bei diesem Mal, dann werde ich Eure nette Einladung annehmen."
Er ergreift die dargebotene Hand dabei, und schüttelt sie.
"Ob ich allerdings in einem Bett schlafen kann, das nicht schaukelt, da bin ich mir nicht so ganz sicher."
Eigentlich wollte er dabei lächeln, aber dieses gelingt nicht so ganz, denn unwillkürlich huschen seine Gedanken zu einem Bett in Riva, das nicht schaukelt, und dennoch ihm gehört - in dem dieser Tage seine Frau alleine schläft (vermutlich...), und vielleicht die Tage zählt, bis er wieder da ist.
"Falls ich morgen abend, wenn die Dame auf das Schiff kommt, nicht anwesend sein sollte, dann werden sich meine Offiziere darum kümmern - ich werde sie selbstverständlich über alle Abmachungen informieren."
Er überlegt kurz, ob noch etwas zu sagen ist, aber vermutlich ist in der Tat alles gesagt, so dass er dazu ansetzt, Kalid das kurze Stück bis zu der an Land führenden Planke zu begleiten.
"Schön, dann wäre ja alles geklärt."
Befriedigt über den doch recht akzeptablen Verlauf der Verhandlungen wendet sich Kalid zum gehen.
Auch wenn die Kosten für diese Fahrt in der Summe deutlich über den normalen liegen, so hatte sich die zusätzliche Investition in die Sicherheit gelohnt. Besonders der Meisterin, die ja zu bezahlen hatte, würde dies ein gutes Gefühl geben. Kalid hatte erst in den letzten Monaten wirklich verstanden, welche Beziehung sich zwischen ihr und Zoraklea aufgebaut hatte. Denn eine Tochter hatte sie sich immer gewünscht, alleine, es ergab sich nie. Und wenn sich die Frau und das Mädchen verstanden, spielte es nun wirklich keine Rolle, daß das Mädchen eine Halbelfe war.
Gemeinsam mit dem Kapitän geht Kalid bis zu der Planke, um sich dort von ihm zu trennen, er betritt das obere Ende der Planke, und schaut dem Kapitän ein letztes mal in die Augen.
"Mögen die Götter mit Euch sein, und mit Eurem Schiff!"
Neben dem Teil der Reling, das man für die Planke herausgenommen hat, bleibt der Kapitän stehen.
"Die Zwölfe mögen auch mit Euch sein, und mit Euer Herrin und deren Akademie" erwidert er auf den Gruss.
Er bleibt höflich neben dem schiffsseitigen Ende der Planke stehen, denn wieder einmal hat sich die Arbeit - erst einmal - abgebaut, und die Routine der Wache wird wohl nur allzu schnell zurückkehren.
Vorsichtig geht Kalid die leicht geneigte Planke hinab, Schiffe sind seine Sache nicht. Nach wenigen Schritten hat er seine Füße wieder auf festem Grund. Unbewusst atmet er tief durch, besinnt sich kurz und wendet sich dann Stadt einwärts, in Richtung des zentralen Marktes. Nach einigen Augenblicken wendet er sich noch einmal um, und sieht zu dem Kapitän zurück, der an Deck stehen geblieben ist.
'Wird es schon gut machen, der Mann. So, und jetzt will ich mal sehen, ob ich noch etwas Warmes Anzuziehen für Zoraklea bekomme.'
Es dauert nicht besonders lange, da ist Kalid auch schon außerhalb des Hafens und in den engen Gassen der Stadt verschwunden...
Wieder einmal ist der Kapitän, der Kalid noch kurz nachschaut, alleine. Diesmal zwar nicht auf der Brücke, sondern auf dem Oberdeck, aber das ist ja im Grunde egal.
Drei neue Fahrgäste waren es in den letzten Minuten, das ist etwas, das den Kapitän recht glücklich stimmt. Zwar verdient man damit nicht wirklich Geld, aber darum geht es ja auch nicht in erster Linie. Wobei, das muss Jergan sich eingestehen, die neueste Passagierin durchaus auch finanziell etwas bringt - zumindest später den Matrosen oder vielleicht auch anderen Fahrgästen.
Mit einem Lächeln im Gesicht wendet der Kapitän sich schließlich von der Planke ab, und geht langsam in Richtung Achteraufbau über das Oberdeck.
IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena
Was war dies doch ein Überraschung für alle jene, welche die Mannschaft aus Prem schon aufgegeben hatten. Alles hat an und für sich dafür gesprochen, dass die 'Bullen' in der zweiten Spielhälfte leichtes Spiel mit ihren Gegnern haben würden. Die Mannschaft aus Havena ist bei weitem ausgeruhter und erfrischter aus der Pause gekommen und hatte zudem noch den Auftrieb gehabt, plötzlich und unerwartet den Ausgleich erzielt zu haben. Die Premer dagegen wirkten zerschunden und ausgelaugt, hatten zudem den Nachteil den plötzlichen Ausgleich verkraften zu müssen. Es wäre wirklich nicht an den Haaren herbei gezogen, nun einen hohen Sieg der 'Bullen' zu erwarten. Jedoch, die 'Pottwale' führen wieder mit einem Tor Vorsprung und das zählt letztlich, auch wenn es den Spielverlauf der letzten Zeit kräftig auf den Kopf stellt.
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In der Tat hat dieses Tor den 'Pottwalen' wieder Hoffnung gegeben. Frenhild, die glückliche Schützin, lächelt nun wieder und ihr Klagen über ihre eigene schlechte Leistung ist nur noch 'Schnee von gestern'. Ihr Wille zum Kampf ist wieder erwacht und so wie ihr, ergeht es der gesamten Mannschaft der Nordleute. Als der Jubel verebbt stehen die Reihen der 'Pottwale' wieder gut geordnet und alle Spieler udn Spielerinnen brennen vor Eifer, auch wenn sie schon von Erschöpfung und etlichen Blessuren, teilweise ernsterer Art, arg gezeichnet erscheinen.
Bei den 'Bullen' ist der schwungvolle Elan erst einmal wieder verschwunden. Chatal und Dunvallo machen ernste Gesichter und vor allem der grimmige Ausdruck des Spielführers läßt die Mannschaftskameraden leicht erschaudern. Chatal ist ein Immanspieler durch und durch, er schont sich nie und sein Einsatz geht manchmal über menschliche Möglichkeiten hinaus.